Chivalry 2 angespielt: Mittelalterliche Schlachtplatte - Inszenierung blutig, Gameplay gut durch

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Chivalry 2 angespielt: Mittelalterliche Schlachtplatte - Inszenierung blutig, Gameplay gut durch
Quelle: Torn Banner Studios

Beinahe elf Jahre nach dem Serienerstling melden sich Torn Banner Studios mit einem neuen Teil ihrer Chivalry-Reihe zurück. Das mittelalterliche Mehrspieler-Gemetzel erscheint am 8. Juni 2021 für PC sowie Xbox und Playstation-Konsolen. Im Vorfeld des Releases war aber bereits eine Closed Beta verfügbar. Wir haben uns in glänzender Rüstung aufs Schlachtfeld gestürzt und ein paar erste Gameplay-Eindrücke gesammelt.

Mit dem 2012 veröffentlichten Chivalry: Medieval Warfare wollten die Entwickler von Torn Banner Studios mal etwas Neues ausprobieren: Wie wäre es mit einem First-Person-Shooter, nur eben mal mit Schwertern statt Schusswaffen? Herausgekommen ist eine einzigartige Mischung, die bis heute ihresgleichen sucht. Der Multiplayer -Slasher bringt die Intensität epischer Kämpfe aus 300, Gladiator oder Braveheart auf den heimischen Bildschirm. Zusammen mit Dutzenden anderen Spielern dürft ihr Burgen belagern, Siedlungen plündern und euch in packenden Schlachten gegenseitig die Schädel einschlagen.

Gute elf Jahre später melden sich die Macher nun mit einem zweiten Teil zurück. Der will denselben Nervenkitzel wie anno dazumal bieten, nur eben in noch hübscherer Grafik und mit verfeinertem Gameplay. Wie sich das spielt, durften wir bereits vor dem Release am 8. Juni im Rahmen einer Closed Beta näher ausprobieren.

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Battlefield im Mittelalter

Als Verteidiger müsst ihr während der Team-Ziel-Matches versuchen, die feindlichen Rammböcke aufzuhalten. Quelle: PC Games Als Verteidiger müsst ihr während der Team-Ziel-Matches versuchen, die feindlichen Rammböcke aufzuhalten. Die Auswahl an Spielmodi war in der Testversion natürlich noch ein wenig begrenzt, verfügbar waren nur die beiden Spielvarianten Team-Deathmatch und Team-Ziel. Erstere ist von der Funktionsweise her natürlich recht selbsterklärend: Zwei Teams aus je 32 Spielern treten mit einem Pool von 200 Respawns gegeneinander an, für jeden Tod wird jeweils einer abgezogen. Die Seite, die als erstes keine Leben mehr übrighat, verliert. So weit, so klar. Team-Ziel bedarf hingegen etwas mehr Erklärung: Der Modus lässt sich wohl am besten mit dem Frontlinien-Modus aus Battlefield 5 vergleichen. Es wird also eine Invasion nachgespielt, in deren Verlauf die Angreifer diverse Etappenziele meistern müssen. Da gilt es beispielsweise erst, das Belagerungsgerät an die Burgmauern zu eskortieren, dann die Wälle einzunehmen und schließlich in den Thronsaal einzudringen. Dabei müsst ihr stets die Uhr im Auge behalten. Gelingt es den Verteidigern nämlich, euch für eine gewisse Zeit aufzuhalten und euren Fortschritt zu vereiteln, ist die Offensive gescheitert. Es ist also auf beiden Seiten Teamplay gefragt. Wer sich nicht mit seinen Kameraden abspricht, wer lieber wahllos Feinde umnietet statt die vorgegebenen Ziele zu erfüllen, kommt nicht besonders weit.

Für solche Individualisten wird es im fertigen Spiel zwar noch separate Free-For-All-Gefechte geben, in denen jeder für sich kämpft. Das war es dann aber wohl schon mit verfügbaren Modi. Die aus dem Vorgänger bekannten Spielvarianten wie Last Team Standing, Duell, King of the Hill oder Capture the Flag wird es - zumindest zum Launch - nicht geben. Auch einen PvE-Horde-Modus, wie ihn das 2019 erschienene Mordhau bietet, sucht man leider vergebens.

In Sachen Karten zeigt sich Chivalry 2 (jetzt kaufen 26,66 € / 32,39 € ) ebenfalls minimalistisch: Insgesamt erwarten euch lediglich acht Maps, von denen die Hälfte bereits in der Beta spielbar war. Die hinterließen bisher aber einen durchweg positiven Eindruck. Es gibt kleinere Arenen wie etwa "Tournament Ground", in denen an allen Ecken und Enden Action herrscht, aber auch größer angelegte Schlachtfelder wie "Battle of Wardenglade" oder die Festung von Lionspire. Zudem warten die Welten immer mit netten kleinen Spielerein auf: Ihr könnt beispielsweise Fässer aufheben und auf heranstürmende Angreifer werfen oder euch mit Umgebungsobjekten wie Kronleuchtern, Mistgabeln oder sogar brennenden Hühnern bewaffnen. In den Levels von Chivalry steckt beinahe ein bisschen Sandbox.
Die wenigen Cutscenes des Spiels sind schön gemacht, die Story, die sie erzählen, kann aber auch getrost ignoriert werden. Quelle: PC Games Die wenigen Cutscenes des Spiels sind schön gemacht, die Story, die sie erzählen, kann aber auch getrost ignoriert werden.

Breitschwert-Ballerina

Zwischen den einzelnen Schlachten bekommt ihr sogar so etwas wie eine Story geboten: Chivalry 2 greift die Geschehnisse des Serienerstlings auf und spinnt den Konflikt zwischen der Mason Order und den Agatha Knights noch ein Stückchen weiter. Eine realistische Abbildung des Mittelalters ist das zwar nicht, auch einen Hollywood-Blockbuster im Stil von Braveheart und Co. dürft ihr nicht erwarten. Torn Banner Studios haben sich bei der Lore dieses Mal aber deutlich mehr Mühe gegeben und ihr fiktives Universum mit Cutscenes und Kodex-Einträgen weiter ausgearbeitet. Der historische Rahmen lässt sich aber auch getrost ignorieren, am Ende geht's ja immer noch ums Schnetzeln.

Das Bogenschießen in Chivalry 2 ist gar nicht mal so einfach. Auf dem Schlachtfeld herrscht viel Hektik, da verfehlt man gerne mal sein Ziel. Quelle: PC Games Das Bogenschießen in Chivalry 2 ist gar nicht mal so einfach. Auf dem Schlachtfeld herrscht viel Hektik, da verfehlt man gerne mal sein Ziel. Dabei baut Chivalry 2 auf dem Kampfsystem seines Vorgängers auf, justiert an einigen Stellen aber noch einmal nach oder fügt komplett neue Aspekte hinzu. Das sorgt für zusätzliche Spieltiefe und packende Kämpfe für Spieler aller Fähigkeitsstufen. Am generellen Grundprinzip hat sich dabei natürlich nichts geändert: Mit einem Klick auf die linke Maustaste führt ihr eine leichte Attacke aus, haltet ihr die Taste gedrückt, entfesselt ihr einen schweren Angriff. Bewegt ihr das Mausrad nach oben, stecht ihr zu, bewegt ihr es nach unten, holt ihr zu einem mächtigen Hieb aus. Diese vier Angriffsvarianten lassen sich dann noch fließend miteinander verbinden und so zu Kombos verketten.

Besonders wichtig sind dabei eure Maus-Bewegungen: Um möglichst viel Wucht und Geschwindigkeit in euren Hieb zu legen, müsst ihr quasi eigenhändig eure Hüfte drehen und Schwung holen. Das macht die Schwertkämpfe nochmal etwas immersiver, aber auch unberechenbarer. Statt einfach eine vorgefertigte Animation abzuspielen, fällt jeder Schlag ein wenig anders aus. Das erfordert noch mehr Aufmerksamkeit und Reaktionsvermögen. Exploits soll dieses System indes nicht mehr bieten: Die aus dem Vorgänger bekannten Ballerina-Moves, mit denen ihr euch wie ein Klingen-Kreisel durch die Arena dreht, sind laut Entwicklern ein Ding der Vergangenheit.

Deine eigene Schlacht der Bastarde

Habt ihr die Basics verstanden, kommen noch ein paar fortgeschrittene Techniken hinzu: Ducken und springen sind da nur die Spitze des Eisbergs. Mit dem richtigen Timing könnt ihr Gegner auch auskontern oder sie mit Hilfe einer Finte überlisten. Dazu kommt die Möglichkeit, ihre Deckung mit einem Tritt zu durchbrechen oder - wenn alle Stricke reißen - eure Waffe nach ihnen zu werfen. Im fertigen Spiel wird es sogar berittene Angriffe geben! Das muss man alles erst einmal verinnerlichen. Entsprechend lohnt es sich definitiv, die Zeit für das anfängliche Tutorial zu investieren.

Das Kampfsystem von Chivalry 2 muss man erst einmal verinnerlichen. Gerade als Neuling im Genre solltet ihr das Tutorial definitiv mitnehmen! Quelle: PC Games Das Kampfsystem von Chivalry 2 muss man erst einmal verinnerlichen. Gerade als Neuling im Genre solltet ihr das Tutorial definitiv mitnehmen! Gleichzeitig muss man aber auch sagen: Chivalry 2 ist immer noch deutlich einsteigerfreundlicher als andere Genrevertreter. Alternative Kampftechniken, wie den Mordhau aus dem gleichnamigen Multiplayer-Slasher von 2019, gibt es nicht. Auch beim Blocken ist man deutlich gnädiger. Während euch die Konkurrenz eure Parade-Haltung nur für eine knappe Sekunde halten lässt, könnt ihr diese Position in Chivalry beinahe unbegrenzt lange einnehmen. Zudem verbrauchen Abwehr- und Angriffsaktionen deutlich weniger Ausdauer, Schläge sogar nur dann, wenn ihr euer Ziel verfehlt.

Daraus ergibt sich ein deutlich intuitiveres, flotteres und gleichzeitig auch sehr befriedigendes Spielgefühl. Die Waffen in Chivalry wirken massig und bringen eine entsprechende Wucht mit. Mit anzusehen, wie ihr mit ordentlich Karacho den Schädel eines Gegners spaltet, macht einfach richtig Laune. Das liegt auch an der passenden Inszenierung: Inspiriert von Game of Thrones, Herr der Ringe und Co. zaubern die Macher von Torn Banner eine unglaublich stimmungsvolle Schlachtenatmosphäre auf den Bildschirm. Und die sieht dank der Power der Unreal Engine 4 auch richtig ordentlich aus - von ein paar hakeligen Animationen mal abgesehen. Chivalry 2 ist laut, dreckig und blutig, mal epischer Mittelalter-Blockbuster, häufig aber auch einfach nur koordiniertes Chaos. In dem Wust aus blitzendem Stahl, herunterhagelnden Pfeilen und rollenden Köpfen verliert man schnell mal die Übersicht, sogar, wenn ihr auf die optionale Third-Person-Kamera umschaltet. Da prügelt man vor lauter Blutdurst auch schon mal auf seinen Teamkollegen ein. Das passt aber auch genau ins Konzept: Die Entwickler machen hier ja schließlich keine Schwertkampf-Simulation. Vielmehr war es das erklärte Ziel, dass sich das Spiel wie eine ruppige Kneipenschlägerei anfühlt. Und das ist zweifelsohne gelungen.

Klassenkampf mal anders

Feuer frei! Mit Öltöpfen könnt ihr eure Gegner anzünden. Die Spezialfähigkeit kam uns während der Beta aber noch ein wenig zu stark vor. Quelle: PC Games Feuer frei! Mit Öltöpfen könnt ihr eure Gegner anzünden. Die Spezialfähigkeit kam uns während der Beta aber noch ein wenig zu stark vor. Gleiches gilt auch für die Klassen. Während ihr in Mordhau euren Recken selbst zusammenbastelt, bietet euch Chivalry einfach vier vorgefertigte Hauptklassen mit wiederum noch einmal drei Unterklassen. Die könnt ihr zu Spielbeginn, aber auch dynamisch während eines Matches wechseln - je nachdem, wie es eure Spielweise gerade erfordert. Ob auf lange oder kurze Distanz, ob für Supporter oder Damage-Dealer: Hier ist für jeden ein passender Archetyp dabei. Wenn ihr ihn denn freigeschaltet habt. Manche Charaktere müssen nämlich erst durch gesammelte EP und Levelaufstiege erspielt werden, dabei bekommt ihr aber nebenher aber auch noch neue Waffen und Ausrüstungsgegenstände. Dann könnt ihr eurem Bogenschütze etwa auch eine Armbrust in die Hand drücken oder euer Ritter zieht mit einer Kriegsaxt statt eines Langschwerts aufs Feld.

Für jede der vier Hauptklassen gibt es ein eigenes Level, das ihr erhöht, indem ihr besagte Klasse nutzt. So schaltet ihr neue Subklassen frei. Quelle: PC Games Für jede der vier Hauptklassen gibt es ein eigenes Level, das ihr erhöht, indem ihr besagte Klasse nutzt. So schaltet ihr neue Subklassen frei. Neben verschiedenen Werten für Gesundheit, Beweglichkeit und Ausdauer verfügen die einzelnen Klassen zudem noch über individuelle Eigenheiten: Der Stangenwaffenkämpfer bekommt etwa 25 Prozent Schadensbonus auf Sprintattacken, der Verwüster verliert keine Geschwindigkeit beim Wechsel auf seine schwere Hauptwaffe. Hinzu kommen je ein Spezialangriff und eine Spezialfähigkeit. Die umfassen beispielsweise Öltöpfe, mit denen ihr Gegner anzünden, Hörner, mit denen ihr Mitspieler buffen oder Medikits, mit denen ihr Kameraden heilen könnt.

Apropos: Die Heilmechanik von Chivalry 2 hat sich im Vergleich zum Vorgänger auch nochmal verändert: Jeder Spieler hat nun hat eine Bandage dabei, mit der er sich selbst verarzten kann. Außerdem sterbt ihr nach einem feindlichen Treffer nicht direkt, sondern werdest erst einmal ausgeknockt und könnt immer noch gerettet werden. Ihr dürft sogar noch weiterkämpfen, wenn ihr ein paar Gliedmaßen verloren habt. Ist ja schließlich nur eine Fleischwunde. Die Ritter der Kokosnuss lassen grüßen!

Ein bisschen Spaß muss sein

Insgesamt nimmt sich Chivalry 2, trotz der martialischen Aufmachung, nicht immer ganz so ernst. Euren Charakter könnt ihr nun beispielsweise auch mit diversen Emotes und Kriegsschreien ausstatten und euren Gegnern so ein paar Beleidigungen ins Gesicht pfeffern. Auch sonst wird euer Avatar recht frei modifizierbar sein: Die Entwickler bestätigten bereits, dass ihr sein Aussehen mit einer Auswahl aus Narben, Bärten, Tattoos und Gesichtsbemalungen anpassen dürft. Sogar eure Ausrüstung wird sich optisch modifizieren lassen! Das legen zumindest die Objekte nahe, die ihr nach einem Kampf freischaltet - etwa einen bemalten Kreuzritterhelm oder einen rostigen Axt-Skin.
Selbst wenn euch der rechte Arm fehlt, könnt ihr noch eine gewisse Zeit weiterkämpfen, dann rafft euch der Blutverlust aber schließlich doch dahin. Quelle: PC Games Selbst wenn euch der rechte Arm fehlt, könnt ihr noch eine gewisse Zeit weiterkämpfen, dann rafft euch der Blutverlust aber schließlich doch dahin. Ob ihr diese kosmetischen Items später auch für Echtgeld erwerben könnt, dazu haben die Macher bisher noch keine konkrete Aussage gemacht. Ausgeschlossen sind Mikrotransaktionen aber nicht, schließlich waren die bereits im Vorgänger vorhanden. Und für Spieler mit besonders großem Geldbeutel bietet sich bereits jetzt die Chance, eine Special Edition mit besonders schicken Rüstungsteilen sowie 1000 Einheiten der Premium-Ingame-Währung vorzubestellen. Immerhin: Wer die Closed Beta gespielt hat, bekommt dadurch keine Vorteile. Der Fortschritt wird nach Ende der Testphase zurückgesetzt, zum Launch beginnen alle bei null.

Meinung

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