Nach drei Jahren Funkstille melden sich die Entwickler mit ihrem atmosphärischen Action-Adventure zurück. Endlich das perfekte Spiel?
An die Waffe
So richtig weit kommt man eh nicht, ohne angehalten zu werden. Denn das Land Hadea wird von seltsamen Kreaturen heimgesucht, die uns allesamt an den Kragen wollen. Dabei handelt es sich um humanoide Wesen, die seltsam formlos und glatt wie Puppen aus Marmor rüberkommen. Die sind von Anomalien begleitet, die sich aus den menschlichen Körpern herauskoppeln und uns gesondert angreifen können. Wollen wir die marmornen Kreaturen aus dem Weg schaffen, müssen wir zuerst die Haltungsleiste der herumfliegenden Anomalien zerstören.
Das System ist spannend, weil es verschiedene Arten dieser herumschwirrenden Kaleidoskope gibt, die mit unterschiedlichen Kreaturengefäßen verbunden sind und manchmal auch mit mehreren davon gleichzeitig. Die unterschiedlichen Angriffsmuster bringen uns regelmäßig ins Schwitzen, zumal man nur an vorgegebenen Speicherpunkten den Spielstand sichern kann.
Quelle: Nacon
Eine weitere interessante Komponente bietet das Heilungssystem. Wenn man einem Gegner Schaden zufügt, hat man ein kurzes Zeitfenster, indem man sich durch Tastendruck heilen kann. Neben dem Angriffsmuster der Gegner muss man sich so auch noch auf sein eigenes Timing konzentrieren, wenn man es durchs Spiel schaffen will.
Dabei stehen uns mehrere Waffen zur Verfügung, von denen wir ein Schwert und Doppeläxte ausprobieren konnten. Die haben sich unterschiedlich gespielt und verschiedene Taktiken verlangt. Wer länger mit einer Waffe spielt, levelt mit ihr hoch, wodurch sie auf Dauer mehr Schaden macht. Es lohnt sich also, an seinen Lieblingsklingen festzuhalten. Wobei wir auch festgestellt haben, dass manche Waffen sich für manche Gegner besser eignen als andere.
Die Spielwelt lebt
Während das Gameplay wirklich Spaß macht und uns bei der Stange hält, ist Hell is Us eigentlich ein Story-getriebenes Spiel. Auf der Suche nach unseren Eltern, die uns aus dem kriegsgeplagten Land geschmuggelt haben, während wir noch ein kleines Kind waren, reisen wir heimlich nach Hadea ein. Wir erinnern uns noch an den Namen des Dorfes, in dem wir aufgewachsen sind und dass unser Vater dort Schmied war. Kein mittelalterlicher Schmied, wohlgemerkt, denn das Action-Adventure spielt in der heutigen Zeit. Ohne echte Anhaltspunkte ist die Suche kein leichtes Unterfangen, aber nach kurzer Zeit eh nicht mehr unser Hauptanliegen.
Spätestens nachdem uns eine maskierte Person vor den genannten Kreaturen rettet und dabei ihr Leben lässt, wollen wir wissen, was eigentlich los ist. Die Hinweise darauf sind spärlich gesät, und die Antwort werden wir sicherlich gegen Ende der rund 35 Stunden langen Kampagne erfahren.
Quelle: Nacon
Immerhin sind wir durch die Begegnung gut ausgerüstet, um uns der Bedrohung entgegenzustellen. Mit einer ersten Rüstung und einer sehr hilfreichen Drohne entschlüsseln wir Schriften in alten Ruinen und decken das große Mysterium Stück für Stück auf.
Was uns aber wirklich mitnimmt, ist die Geschichte, die uns durch die Welt selbst erzählt wird. Wir treffen auf Flüchtlinge des Krieges: Eltern, die ihre Kinder verloren haben; Kinder, die ihre Eltern suchen - und viele Erinnerungsstücke, die uns ganz ohne Worte Gänsehaut bereiten. Ein blutiger Teddybär unter einem Baum voller aufgeknüpfter Leute und leere Babyfläschchen treffen uns da, wo auch schon This War of Mine: The Little Ones sein Mal hinterlassen hat.
Double-A = Luft nach oben
Das meiste, was Hell is Us macht, macht es richtig gut. Aber natürlich ist das hier keine Blockbuster-Produktion. Etwas, das sich vor allem in 3D-Spielen gerne bemerkbar macht, immerhin braucht es hier vergleichsweise viel Expertise und Budget, damit das Spiel nicht auseinanderfällt.
Der einzige Punkt, an dem man merkt, dass es sich um keine Riesenproduktion handelt, sind die Zwischensequenzen und die Animationen der NPCs. Die sind nicht schlecht, aber man merkt, dass es noch Luft nach oben gibt und ein gewisser Feinschliff fehlt. Das ist aber im Kontext des gesamten Spiels meckern auf hohem Niveau, zumal die Zwischensequenzen in der Engine gerendert sind.
Dass sie dadurch nicht wie geleckt aussehen, wollen wir gerne verzeihen und konzentrieren uns dafür lieber auf alle anderen Aspekte, die bis jetzt sehr vielversprechend sind.
Bildergalerie
Wann wir wirklich ins Spiel starten können, wissen wir leider noch nicht - denn was uns der Entwickler nach drei Jahren Abstinenz immer noch nicht verraten hat, ist das Releasedatum, bis auf den groben Zeitrahmen 2025. Dass es zum Jahresstart etwas wird, halten wir aber auch für unwahrscheinlich. Schließlich gilt Januar als generell kaufschwacher Monat, und der Februar platzt aktuell vor lauter großen Veröffentlichungen aus allen Nähten. Immerhin wissen wir, dass Hell is Us für PC, Xbox Series und Playstation 5 erscheint. Und bei dem, was wir bis jetzt spielen konnten, wollen wir uns nicht beschweren und sind bereit zu warten, wenn das anschließende Spiel seine Versprechen dafür auch einhalten kann.
