Grafikkarten: Preiskrise, Preis-Leistungs-Analyse und Kauftipps für November 2021
Special
Grafikkarten sind seit etwas mehr als einem Jahr immer teurer geworden - die Gründe dafür sind vielfältig und haben zu großen Teilen auch mit einer hohen Nachfrage nach Elektronik-Produkten zu tun, die auf eine mangelnde Chipproduktion trifft. Wir suchen nach weiteren Gründen und analysieren die Preisentwicklung sowie das aktuelle Preis-Leistungs-Verhältnis von Grafikkarten für eine Kaufberatung.
Grafikkartenmarkt: Krise und einige Gründe
In unserem heutigen Special geht es um Grafikkarten und die Frage, welche Grafikkarten-Serie man derzeit kaufen kann, was das Preis-Leistungs-Verhältnis angeht. Die Preise für Grafikkarten bleiben nicht nur extrem hoch, sondern die 3D-Beschleuniger werden sogar in den letzten Wochen immer teurer und teurer. Trotzdem versuchen wir euch eine Kaufberatung rund um Grafikkarten zu geben. Wir blicken dabei auch auf die Preisentwicklung seit Beginn der Grafikkarten-Krise, deren Beginn wir auf den September 2020 datieren.
In diesem Artikel
Die Gründe für die seitdem immer weiter steigenden Preise, die nur um die Monate Juni und Juli herum kurzzeitig ein wenig abgesunken waren, sind vielfältig. Der Hauptgrund ist, dass wegen einer weltweit massiv gestiegenen Nachfrage nach Produkten, die Halbleiter benötigen, und gleichzeitigen Beschränkungen der Produktionen wegen der Covid-19-Pandemie die gestiegene Nachfrage nicht gedeckt werden kann.
Quelle: Powercolor
Powercolor Radeon RX 6700 XT Hellhound Spectral
Weltweit ist die Nachfrage nach Chips aller Art massiv gestiegen, da in vielen Ländern die Digitalisierung vorangetrieben wird und auch der Trend Homeoffice nach mehr Technik verlangt. Ebenso ist Unterhaltungselektronik sehr gefragt. Es mangelt dabei offenbar gar nicht einmal an den aufwändigen Chips, sondern eher an vergleichsweise simplen Halbleiter-Komponenten - man könnte es damit vergleichen, dass ein Hausbau nicht wegen eines Mangels an Beton, Fensterrahmen, Stromkabeln oder Fließen stockt, sondern weil es nicht genug Nägel und Schrauben gibt.
Sofern sich eine Firma nicht durch frühzeitige Verträge oder sehr gute Beziehungen genügend Kapazitäten bei den Zulieferern sichern konnte oder sich kostspielige Produktionsfenster erkaufen will, muss sie mit dem Chip-Mangel auskommen. Sogar Autohersteller haben zum Teil ihre Produktion über Wochen stilgelegt - zum Teil fehlt es an Magnesium, zum Teil und schon viel länger aber auch an Chips, die technisch nichts Besonderes, aber für essenzielle Funktionen da sind.
Bei AMD und Nvidia sieht es so aus, dass sie viel mehr Grafikkarten verkaufen könnten als sie derzeit produzieren. Es ist dabei zwar nicht so, dass AMD und Nvidia seit dem Herbst 2020 ungewöhnlich wenig GPUs herstellen - vielmehr sind beide Firmen auch aus oben genannten Gründen nicht in der Lage, die Produktion hochzufahren, um die deutlich gestiegene Nachfrage zu bedienen. Die Nachfrage hat ebenfalls mit der Pandemie zu tun, und zwar gleich bei mehreren Schauplätzen. AMD und Nvidia müssen und wollen etwa parallel zum Gaming-Segment natürlich auch Verträge rund um andere Dinge erfüllen, zum Beispiel ist Nvidia auch im Servergeschäft stark vertreten, wo es ebenfalls eine enorme Nachfrage-Erhöhung gab. Dann gibt es aber auch bei Gamern eine erhöhte Nachfrage wegen der Corona-Pandemie. Denn viele Menschen wollten wegen diverser Lockdown-Maßnahmen oder auch, da sie aus Sorge vor einer Ansteckung nun mehr Zeit zu Hause verbringen, ihr Hobby neu aufleben lassen oder auch ganz neu ins Gaming einsteigen. Dazu kommen die Gamer, die sowieso schon auf neue Grafikkarten gewartet hatten. Die Nvidia RTX 3000-Serie, die seit September 2020 nach und nach auf den Markt kam, hatten viele schon vor der Krise auf dem Schirm.
Quelle: PCGH
Asus ROG Strix GeForce RTX 3070 Ti O8G
Nicht zu unterschätzen sind auch Krypto-Miner. Beim Krypto-Mining stellt man Hardware-Power zur Verfügung, um beim Berechnen der für Kryptowährungen wie Bitcoin zu helfen, wofür man dann in Form der Währung entlohnt wird. Im Falle von Grafikkarten ist hauptsächlich die Kryptowährung Ethereum ein Thema, da hier Grafikkarten besonders effizient sein können. Wegen der weltwirtschaftlichen Unsicherheit durch Corona kaufen wiederum immer mehr Leute Kryptowährungen, sodass die Kurse gerade erst neue Rekordhöhen erreicht haben - für Miner wird die Sache also noch attraktiver. Dass Miner wirklich die Preise beeinflussen, konnte man schon in den vorigen Monaten an den Preisen für einige Grafikkarten-Serien sehen. Denn gab schon mehrfach den Fall, dass die Grafikkarten-Serie X deutlich teurer als die Grafikkarten-Serie Y war, obwohl Y in Games eindeutig schneller ist. X ist, aber zeigt beim Mining die bessere Leistung, denn Spiele- und Mining-Leistung hängen nicht zwingend zusammen. Da wir nicht davon ausgehen, dass Gamer massenhaft den IQ einer Amöbe haben, kann der Grund für den aus Gamersicht völlig überteuerten Kauf nur sein, dass der Käufer entweder ein unverbesserlicher Fanboy des Herstellers oder eben ein Miner ist. Und nur um es klarzustellen: Wir reden von den Preisen von wirklich verkauften Grafikkarten und nicht von utopischen Preisen, auf die niemand einging.
