Die Geschichte meines ersten PCs, Teil 1: Warten aufs Christkind

Special Sebastian Göttling Lukas Schmid
Die Geschichte meines ersten PCs, Teil 1: Warten aufs Christkind
Quelle: Christian Höfer

Autor Sebastian Göttling erzählt aus seiner Jugend und davon, was wohl viele Leser mit ihm teilen: Die nostalgische Erinnerung an seinen ersten Spiele-PC!

Es ist Heiligabend 1993. Ein grauer und wolkenverhangener Tag, an dem über meiner Heimatstadt pausenloser Schneeregen zu Boden geht. Es könnte draußen kaum trister aussehen, aber trotzdem drücke ich schon seit den frühen Morgenstunden meine Nase am Küchenfenster platt. So harre ich des Paketbotens, der in den Stunden vor besinnlichem Festbeginn durch die unwirtlichen Straßen cruisen und Familien mit Last-Minute-Geschenken glücklich machen muss. Auch ich warte auf mein Weihnachtsgeschenk, von dem ich ganz genau weiß, was es ist und dass es eigentlich heute noch ankommen soll. Zumindest haben das die Leute von dieser Firma versprochen, mit der mein Vater in den letzten Tagen ständig telefonierte und von denen er immer und immer wieder vertröstet wurde.

Deren letzte Ansage war: "Doch, doch, das Geschenk für Ihren Sohn kommt auf jeden Fall allerspätestens am Heiligabend per Kurierbote bei Ihnen an." Irgendwann wird es vier Uhr nachmittags und es steht fest, dass dieses Versprechen nicht mehr zu halten ist. Am untröstlichsten sind meine Eltern, stehen sie doch mit leeren Händen am Heiligabend da. Auch ich bin einigermaßen enttäuscht, aber nicht so wahnsinnig geknickt, denn mit 15 Jahren ist man kein kleines Kind mehr, für das eine solche Situation eine Vollkatastrophe darstellen würde, und ich kann die Vorfreude tapfer noch drei weitere Tage aushalten.

Lasst mich diese Zwangspause am ersten und zweiten Weihnachtsfeiertag nutzen, um ein wenig auszuholen und zu erzählen, worum es eigentlich geht.

Meinen ersten PC sah ich bei meinem Freund Simon. Dessen Vater hatte entweder 1992 oder 1993 aus Technikbegeisterung heraus unglaublich viel Geld in die Hand genommen, um für damalige Verhältnisse ein absolutes High-End-Gerät zu besorgen: einen 486er mit 50 MHz, üppigen 8 MB Arbeitsspeicher und sogar einer Soundkarte.

Der Autor und sein zweiter PC anno 1996 Quelle: Christian Höfer Der Autor und sein zweiter PC anno 1996 Sehr zur Begeisterung seines Sohnes fand das Gerät nicht seinen Platz in der väterlichen Arbeitsecke, sondern im Jugendzimmer Simons. Der nutzte das Kraftpaket tüchtig, um einer seiner größten Leidenschaften nachzugehen: dem Gaming - auch, wenn es sich damals noch schnöde "Computerspielen" nannte.

Bei Simon war ich öfter am Wochenende zu Besuch, was er gerne zum Anlass nahm, mir stolz seine neuesten Spieleerrungenschaften vorzuführen. So richtig am Haken hatte er mich eines Nachmittags, als er mir Monkey Island 2: LeChuck's Revenge zeigte.

Ich selbst war nie sonderlich technikfixiert, sondern interessierte mich für neue Geräte immer über den Umweg ihrer dazugehörigen Medien, eigentlich sogar ihrer Geschichten.

Und weil mich die Erzählweise von Lucasfilm-Grafikadventures faszinierte, seit ich anno 1987 auf meinem C64 erstmals Maniac Mansion erlebt hatte, stellte dieser zweite Teil der Monkey-Island-Saga für mich einen absoluten Quantensprung dar. Denn auf meinem Brotkasten war nur der unmittelbare Nachfolger von Maniac Mansion erschienen, Zak McKracken and the Alien Mindbenders.

Für die darauffolgenden Spiele, von denen LeChuck's Revenge schon das vierte war, war der gute alte Commodore einfach zu schwachbrüstig. Die "Generation Amiga" hatte ich zwar bei Nachbarskindern wahrgenommen, aber im Grunde übersprungen.

An diesem Samstagnachmittag bei Simon keimte der Wunsch in mir, diese Geschichten, diese Adventures doch auch bei mir zu Hause erleben zu können.

Doch eigentlich stand es außer Frage, dass ich jemals einen PC mein Eigen nennen könnte, denn im Gegensatz zu Computern der Vergangenheit oder auch Spielekonsolen - ich war in der ersten Hälfte der Neunziger passionierter GameBoy-Spieler -, bedeutete ein neumodischer PC nicht bloß eine Investition von ein paar hundert Mark, sondern ging in die Tausende.

Meinen zweiten PC sah ich im Sommer bei meinem anderen Freund Christian, denn der hatte seinen Vater belabern können, das im Mai erhaltene Geburtstags- und Konfirmationsgeld aufzustocken, um der Familie einen richtigen Computer zu kaufen, der selbstverständlich ebenfalls in Christians Jugendzimmer Platz finden sollte.

Christian und sein Vater waren aber eher als Sparfüchse unterwegs - und nicht als Technik-Trunkene am oberen Ende des Preisspektrums. So besuchten sie am 15. Juni 1993 die Allkauf-Filiale in meiner Heimatstadt und begannen das Feilschen mit dem dortigen Verkäufer.

Bildergalerie

Christian schrieb 1993 über diesem Tag: "[Wir fuhren] nach Lüdenscheid, um diesen PC abzuholen. [...] Der Verkäufer hatte Probleme mit dem Maustreiber. Wir warteten eine halbe Stunde und mein Vater schacherte um jeden letzten Pfennig, denn wir kamen weder die Originaldisketten noch das Handbuch von Windows."

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