Gun

Test Olaf Bleich

Für eine Hand voll Dollar: Schnappen Sie sich das Pistolenhalfter und schwingen Sie sich auf Ihr Pferd. Der Wilde Westen ruft!

Besonders praktisch: Jeder niedergestreckte Galgenvogel bringt Ihnen zusätzliche Energie für den Schnellziehen-Modus. Auf Tastendruck schalten Sie in die Zeitlupe um und zielen aus der Ego-Perspektive. Flinke Abzugsfinger vorausgesetzt, strecken Sie die Schurken mit schnellen Salven gleich dutzendweise nieder. Und genau damit verbringen Sie in "Gun" den Großteil der Spielzeit: Mit hektischen und harten Schießereien!

Fast immer stecken Sie mittendrin in Massenschlachten -- zu Fuß oder auch hoch zu Ross. Selbst vermeintliche Schleichmissionen verkommen schnell zur Ballerorgie! Magruders Schurken agieren dumm und verlassen sich gegen den coolen Colton allein auf ihre Übermacht. Zudem tauchen die Schufte immer wieder an vorgegebenen Stellen wie aus dem Nichts auf und fallen dem wenig heroischen Helden mit Vorliebe in den Rücken. Witzig: Treffen ihn Indianer mit Brandpfeilen, sieht unser schmuddeliger Revolverheld aus wie ein loderndes Stachelschwein.

Abwechslung von den bleihaltigen Missionen bieten lediglich kleinere Reitsequenzen auf hervorragend animierten Gäulen. Die Pferdchen dienen zum einen als Fortbewegungsmittel und erweisen sich zudem im Kampf als nützlich: Auf Tastendruck bäumen sich die Tiere auf und trampeln Opfer erbarmungslos nieder. Warum jedoch sogar der mächtige Büffel nach einem Huftritt krachend zu Boden geht, bleibt wohl ein Geheimnis der Entwickler.

Wenn man auch am Missionsdesign noch einiges hätte verbessern können, so lässt "Gun" zumindest technisch keine Wünsche offen. Das düstere Western-Flair kommt sehr authentisch rüber. Staubige Canyons, leichte Mädchen in lauten Saloons oder schräge Figuren wie der Ehrliche Tom oder der verrückte Priester wurden mit viel Liebe zum Detail gestaltet. Zudem überzeugt die gelungene englische Sprachausgabe, für die sich etliche Hollywood-Stars, darunter Thomas Jane ("Dreamcatcher") oder Brad Dourif (Grima Schlangenzunge aus "Der Herr der Ringe") ins Tonstudio bemüht haben.

FAZIT: Die gute Nachricht zuerst: "Gun" ist der bislang beste spielbare Western! Die wirklich spannende Hintergrundgeschichte nimmt sich zwar zuweilen zu ernst, zieht den Spieler aber dennoch in ihren Bann. Allerdings ist das Missionsdesign der lahmste Gaul im "Gun"-Stall: Taktik ist nur selten gefragt, meist helfen der Abzugsfinger und danach das Hackebeil. Oftmals geht es in der Prärie derart chaotisch zu, dass Neustarts erforderlich werden! Der Neversoft-Titel stellt dennoch auf Grund des spannenden Szenarios und vieler netter Ideen eine gelungene Abwechslung zur derzeitigen Action-Konkurrenz dar.

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