15 Jahre Grand Theft Auto 4: Der kalkulierte Mega-Hit GTA 4
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GTA 4 brach alle Rekorde - und das war so geplant. Lest in unserem Report, wie Rockstar North mit dem Gangster-Drama die hohen Erwartungen sogar übertraf!
Das Team strebte für Grand Theft Auto 4 zwar keinen Fotorealismus an, implementierte aber moderne Grafik-Technologien, um Liberty City zum Leben zu erwecken. So arbeitete man intensiv mit den Animationsexperten von Naturalmotion zusammen und integrierte deren prozedurale Bewegungstechnik in der Euphoria-Engine. Im Vergleich zu anderen Grafik-Engines waren hier die Animationen nicht vorberechnet. Stattdessen wurden die Aktionen der Charaktere und ihre Reaktionen in Echtzeit berechnet. In Verbindung mit der stärkeren Hardware-Leistung von Playstation 3 und Xbox 360 war es so möglich, noch mehr Details in die Spielwelt und ihrer Bewohner einzubauen. Diese Technologie ermöglichte neben individuellen Bewegungen auch physikalisch korrekte Interaktionen mit der Umgebung, etwa beim Herabsteigen einer Treppe.
Sam Houser zeigte sich im Gespräch mit Edge begeistert: "Als ich Euphoria zum ersten Mal gesehen habe, hat es mich umgehauen. Ich dachte: Das ist mein Traum - es passiert. Los geht's! (...) Aber alle Realisten, die sich damit auseinandersetzen mussten, sagten, dass es nicht funktionieren würde." Zunächst gab es Ideen, Euphoria in Zwischensequenzen einzusetzen.
Schlussendlich aber gelang das Kunststück, diese Technik in GTA 4 unterzubringen. Das Ergebnis beschrieb Houser selbst: "Wenn du auf jemanden schießt und sie prozedural taumeln und ihre Waffe heben, um zu versuchen, einen Schuss auf dich zu erwidern - das gibt den Menschen einzigartige Momente, wie sie sie noch nie zuvor hatten."
Quelle: Take-Two Interactive
Speziell für die angesprochenen Zwischensequenzen sollte die durch Image Metrics beigesteuerte Technik für Gesichts- und Lippenanimationen ein Segen sein. Die Illusion eines spielbaren Films konnte dank der ohnehin schon professionellen Dialoge mit entsprechenden Lippenbewegungen und Mimik unterstrichen werden.
Im Vergleich zu GTA: San Andreas vollzog Rockstar North also mit dem vierten Teil einen gewaltigen Technologiesprung und schöpfte aus dem Vollen. Dies machte sich auch beim Budget bemerkbar: Grand Theft Auto 4 ist bis heute mit einem Budget von über 100 Millionen US-Dollar eines der teuersten Spiele aller Zeiten.
Anzumerken sei an dieser Stelle, dass von dem Geld nicht nur die rund 1000 Mitarbeitenden und die Technologien bezahlt werden mussten, sondern auch die Lizenzgebühren für die Ingame-Soundtracks.
Hier kommt Niko Bellic
Aber natürlich ist Grand Theft Auto mehr als nur eine Stadt - auch, wenn Liberty City sicherlich als der heimliche Protagonist des Spiels bezeichnet werden kann. Für Grand Theft Auto 4 benötigte es einen Hauptcharakter, der ähnlich vielschichtig und tief war wie die City selbst. Schnell wurde klar, dass ein amerikanischer 08/15-Gangster keine Alternative war.
Und so kristallisierte sich die Figur Niko Bellic heraus. Niko kommt als in Jugoslawien geborener Einwanderer nach Liberty City und erlebte in der Vergangenheit schon in jungen Jahren den Krieg mit. Er siedelte nach Liberty City über, um ein neues Leben zu beginnen und den "American Dream" zu leben.
"Wir gaben Niko einen stärkeren Hintergrund und eine ausgefeiltere Geschichte als noch in der Vergangenheit. Einen Hintergrund, mit dem wir uns identifizieren konnten. Außerdem besitzt er mit seinem Cousin Roman auch eine Familie. Der Rest des Spiels besteht daraus, mit ihnen gemeinsam diese Welt erkunden und mit ihnen die Menschen zu treffen", führte Dan Houser im IGN-Interview aus.
Er beschrieb Niko als insgesamt runderen Charakter, der alles andere als beeindruckend daherkommt. Niko plagen die Erinnerungen an seine Vergangenheit. Charakterzüge wie Reue und Trauer ob der Geschehnisse und Taten treten immer wieder stark in den Vordergrund.
Quelle: Take-Two Interactive
Die osteuropäische Herkunft übte unter anderem auf Dan Houser im Verlauf der Recherchen einen besonderen Reiz aus: "Je mehr wir gruben und recherchierten, desto faszinierender wurde die osteuropäische Situation.
Es gibt Leute, die vor 15 Jahren hierherkamen. Zuvor waren sie vielleicht in sehr intensive, schreckliche Konflikte in Osteuropa verwickelt und haben die Art von postkommunistischem Zusammenbruch erlebt, der stattgefunden hat. Einige dieser Menschen waren in Kriegen, und sie alle trennten sich - jeder ging woanders hin. Ich finde diese Menschen einfach faszinierend."
Aber letztlich ist es genau das, was Bellic ausmachte. Niko kommt nach Liberty City und muss die Stadt und ihre Menschen zunächst kennenlernen. Er ist ein Fremder in dieser Metropole, ganz ähnlich wie der Spieler selbst. Im Entwicklungsprozess machte Niko vor allem visuell einige Veränderungen durch.
In frühen Versionen etwa hatte er noch längere Haare. Seine markanten Gesichtszüge erlaubten aber auch die Darstellung der Mimik und Emotionen. "Es gab einige Versionen von Niko, die etwas andere Wege gingen, aber er entwickelte sich ziemlich früh zu mehr oder weniger seinem endgültigen Look. Ich bin sicher, er hätte auf verschiedene Weise funktioniert. Als wir jedoch zu der Version kamen, wie man sie jetzt kennt, schien es einfach zu passen. Er hatte eine gute Aura um sich. Er sah aus, als hätte er eine Vorgeschichte. Und er sah anders aus", fasst Aaron Garbut diesen Prozess zusammen.
