PC Games am Set von Gran Turismo: Schauspieler, Story und alles Weitere zur Videospiel-Verfilmung
Special
Wir waren am Hungaroring, um die Dreharbeiten von Gran Turismo zu beobachten. Dort haben wir uns mit Regisseur Neil Blomkamp und dem Cast unterhalten.
Auf die Frage, ob es einen Film gäbe, der ihm bei authentischer Fahrzeugaction in den Kopf käme, nennt er wie aus der Pistole geschossen "Ronin" mit Jean Reno und Robert DeNiro. Als Gegenbeispiel kommt ihm hingegen direkt "Driven" mit Sly Stallone und Til Schweiger in den Sinn. Trotz seiner Überwachung der Produktion wäre es einfach, einen Film auch noch im Schnitt zu verhunzen und alles erneut unglaubwürdig zu machen, weshalb er auch beim Editing mit seiner Einschätzung aushilft.
Die Besetzung von Gran Turismo
Leute am Set zu haben, die der Schauspielriege wenn nötig aushelfen können, sind vor allem wichtig, wenn diese keinerlei Erfahrung mit Autos oder Gaming mitbringt. So auch im Fall von Hauptdarsteller Archie Madekwe. Der junge Mann gibt zu, vor seiner Verpflichtung als Jann Mardenborough noch nicht einmal einen Führerschein besessen zu haben: "Ich habe als Heranwachsender Playstation gespielt, aber vor diesem Job konnte ich noch nicht mal Autofahren. Ich habe vorher etwas anderes gedreht und bin nach Drehschluss direkt zur Fahrschule gegangen. Ich hatte nur ungefähr einen Monat, um die Prüfung zu bestehen, glücklicherweise hab' ich es gleich beim ersten Mal geschafft. Ich bin direkt von der Fahrprüfung zum Fahrsimulator übergegangen, sie haben den Simulator zu mir nach Hause geschickt. Ich hatte Lektionen mit David Perel, meinem Sim-Coach.
Im Simulator zu sein, hat mich gelehrt, das Design der Sim zu respektieren. Es ist so spezifisch. Man lernt, wo die Grenzen liegen, wie sich die Bremsen anfühlen, wie sensibel die Steuerung ist und du kannst das alles unter dir spüren. Es gab Zeiten, wo wir mit Regen trainiert haben und man konnte spüren, wie die Reifen rutschen"
Obwohl die Schauspieler immer wieder die Genauigkeit der Simulation betonen, wird aus ihren Aussagen klar, dass die Arbeit eines Rennfahrers darüber hinausgeht, nur einen kühlen Kopf zu bewahren und im richtigen Zeitpunkt zu lenken oder Gas zu geben.
Quelle: Sony Pictures
Archie Madekwe
Darren Barnet, der Mardenboroughs Iceman-ähnlichen Rivalen verkörpert, erzählt uns von heftigen Nackenschmerzen und Anstrengungen am ganzen Körper, die es braucht, um gegen die Fliehkräfte in den Boliden anzukämpfen. Und auch Schauspieler Pepe Silva, der ebenfalls einen Rennfahrer der Academy spielt, bereut es, vorher nicht öfter ins Fitnessstudio gegangen zu sein.
"Die Haltung, in der man sich da drin befindet, ist nicht die bequemste, vor allem bei den Geschwindigkeiten. Der Speed verlangt einem eine Menge Respekt ab vor den Rennfahrern"
Respekt vor den Rennfahrern bringt im Film dann vor allem einer mit: Orlando Bloom als Danny Moore, dem Initiator des ganzen Projektes, das aus Jann und seinen Kollegen echte PS-Profis machen soll. Auch abseits seiner Rolle wirkt der gut aufgelegte Bloom mächtig enthusiastisch für die Welt, in die er eintaucht.
Er ist vor allem begeistert von den Freiheiten, die er bei seinem Spiel erhält. Insbesondere bei Szenen, in denen seine Figur Fragen von Journalisten beantworten muss oder mit anderen Executives verhandelt und networkt, ließ Blomkamp ihn aus seinen eigenen Erfahrungen im Filmgeschäft zehren.
"Ein großer Teil des Films ist improvisiert. Neil sagt mir nur 'Danny ist grade hier, er redet mit den Nissan Executives, sag etwas, von dem du denkst, dass Danny es sagen würde. Und lustigerweise habe ich eine große Zeit in Japan verbracht, durch Film-Promotion in der ersten Hälfte meiner Karriere.
Es war großartig, dazu zurückzukehren. Ich verstehe die Welt des Charakters auf eine Art, weil ich sie auf eine ähnliche Weise, als 'Talent' gesehen habe. Die Figur ist für mich dadurch sehr nachvollziehbar"
Bloom versteht Danny als "größten Fan des Sports", eine Ausrichtung, die so nicht im Skript vorgesehen war. Dort stand die Figur eher als kompromissloser Marketingmann beschrieben, Bloom brachte dann eine fast kindliche Leidenschaft mit in die Rolle, die vor allem im Zusammenspiel mit David Harbours grummeligem Ausbilder für Unterhaltung sorgt.
Stehen und fallen wird der Erfolg des Films aber sicher mit der Qualität seiner Rennszenen.
Nach dem Besuch des Sets bin ich zumindest zuversichtlich, dass Sony und Blomkamp mit dem Fokus auf echte Strecken und Stunts den richtigen Ansatz für eine Verfilmung gewählt haben. Und auch die Schauspieler schwärmen unisono von der Arbeit der beteiligten Fahrer. Ob sich das allerdings in einem guten Film niederschlägt, werden wir dann erst am 10. August dieses Jahres sehen. Dann erscheint Gran Turismo in den deutschen Kinos.
