PC Games am Set von Gran Turismo: Schauspieler, Story und alles Weitere zur Videospiel-Verfilmung
Special
Wir waren am Hungaroring, um die Dreharbeiten von Gran Turismo zu beobachten. Dort haben wir uns mit Regisseur Neil Blomkamp und dem Cast unterhalten.
"[eine Besonderheit, die ich als Autofan mitbringe, ist] die Fotografie und extrem spezifisch mit dem Art-Department und dem Fahrzeugdepartment zu arbeiten, in Bezug auf exakt welche Autos [wir brauchen]. An einem gewissen Punkt wird es dann eine Frage des Budgets. Unser Fahrzeugbudget wäre 30 Millionen Dollar, hätten sie mich nicht zurückgehalten. Aus unserem Kern-Kader haben wir alles rausgeholt. Wenn man wirklich Hochgeschwindigkeitszeug macht, kann man nur ungefähr sechs bis acht Autos auf der Strecke haben. 20-26 Autos zu managen, wird unlogisch. Die Hauptgruppe in GT3 und LMP2 ist handverlesen und makellos. Und der Rest ist Müll. Wir konnten nicht so viel Geld ausgeben. Das hätte das Budget gesprengt, alles so zu besetzen."
Das Fahrzeugbudget schoss vor allem deshalb so in die Höhe, weil die Autos der Produktion nicht als Produktplatzierungen kostenlos oder für vergleichsweise kleine Summen zur Verfügung gestellt wurden, sondern geliehen oder gekauft werden mussten. Blomkamp und sein Team bekamen zwar Angebote, gewisse Autos gratis featuren zu können, diese waren jedoch mit nicht umsetzbaren Forderungen verbunden.
"Wenn du Leute nach Sachen fragst im Austausch dafür, dass sie auf der Leinwand zu sehen sind, gibt es daran zu viele Haken. Irgendwann ist es das nicht mehr wert. Als wir angefangen haben damit, Autohersteller zu bitten, uns Autos zur Verfügung zu stellen, hat jeder einzelne geantwortet: "Ja, solange wir gewinnen".
Wie soll das funktionieren? Irgendwann wird einem klar, dass das nicht läuft. Also kaufen oder leihen wir die meisten. Das war das größte seltsame Problem."
Authentischer Racing-Zirkus
Obwohl sich das eigentliche Rennen natürlich auf der Strecke abspielt, findet die Action auch neben der Spur statt. Vor allem durch die Popularität von Dokumentationen wie Drive to Survive besteht ein riesiges Interesse an den Persönlichkeiten und Ereignissen hinter den Kulissen des Racing-Zirkus, weshalb dieses so authentisch wie möglich abgebildet werden soll.
Quelle: Sony Pictures
Blomkamp selbst gibt zu, keinerlei Ahnung von den inneren Mechaniken des Sports gehabt zu haben, seine Crew sei allerdings geschult darin, das richtige Feeling einzufangen.
"Bevor ich mit der Arbeit am Film begonnen habe, hatte ich Drive to Survive noch gar nicht gesehen. [...] Formel 1 ging an mir auch vorbei. Ich schaue keine Rennen. Null. Aber ich bin vertraut mit Autos. Als ich das Skript bekommen habe, musste ich also lernen. Ich musste Drive to Survive schauen.
Ich musste mir GT3-Rennen anschauen. Ich kenne IMSA in Amerika. Ich war bei ein paar IMSA-Rennen, aber ich wusste nicht vollständig, wie das genau funktioniert. Es gibt also GT3 und in Le Mans dann die Prototype-Series und LMP2s. Ich musste das auch lernen.
In der Crew und mit den Leuten, mit denen ich spreche, haben Dinge wie Drive to Survive aber schon Interesse geweckt. Auf eine gute Weise. Wenn ich mit ihnen über den Film rede, stecken sie richtig im Thema, weil sie diese Serie schauen, die erklärt, wie Rennsport hinter den Kulissen funktioniert.
Ich habe das Gefühl, dass das, was wir filmen, schon auch einfängt, was wir in Drive to Survive sehen. Wie die Teams funktionieren, wie sich die Pits anfühlen, wie die ganze Karawane von einer Location zur nächsten weiterzieht."
Damit diese Authentizität aber nicht nur eine Ambition bleibt, sondern auch gewährleistet werden kann, gibt es am Set einen ganz besonderen Berater: Blomkamps Landsmann David Perel. Wir treffen den Technical Advisor an der Rennstrecke an, wo im Hintergrund gerade Dreharbeiten stattfinden - inklusive ohrenbetäubender Motorengeräusche.
Perel ist selbst Rennfahrer und großer Fan der Gran-Turismo-Reihe. Nach eigener Aussage schrieb er Blomkamp direkt eine persönliche E-Mail, als er von der Produktion des Films Wind bekam und bot an, sein Wissen für die Dreharbeiten zur Verfügung zu stellen.
Perel ist seitdem, bereits von der Skriptphase an, beteiligt und sorgt dafür, dass der Rennfahrerjargon und die Lebensrealität der Fahrer glaubwürdig dargestellt wird. Es war ihm unter anderem ein Bedürfnis, dass die im Film benutzten Gaming-Stationen dem Budget der jeweiligen Figuren entsprechen.
Es würde keinen Sinn ergeben, wenn Mardenborough in seinem Zuhause über teures Equipment verfüge. Außerdem brachte er den Schauspielern über zwei Wochen lang bei, Gran Turismo tatsächlich spielen zu können, um in den Gaming-Szenen, in denen vorher aufgenommenes Material verwendet wird, korrekt auf das Geschehen auf dem Bildschirm reagieren zu können.
Vor allem hilft seine Expertise jedoch in den Rennszenen. So war Perel einer der Ersten, der sich dafür aussprach, die Kameraeinstellungen des Spiels im Film zu rekreieren.
Er schickte ein Video an Blomkamp, in dem er zeigte, wie man in Gran Turismo zwischen den verschiedenen Perspektiven hin- und herwechseln kann, nur um dann am Set mit einem präzisen Set-up überrascht zu werden, mit dem genau diese Wechsel möglich waren. In Zusammenarbeit mit den Stuntfahrern und den Schauspielern will Perel, der sichtlich stolz auf seinen Beitrag ist, dafür sorgen, Gran Turismos Racing so glaubwürdig wie möglich aussehen zu lassen.
