Gord gespielt: Liebling, ich habe die Kinder geopfert! -Seite 2
Special
Mit Gord könnte diesen Sommer ein echter Geheimtipp aus dem Aufbau-Strategie-Genre ins Haus stehen. Das Erstlingswerk ehemaliger The-Witcher-Entwickler vermischt Elemente von Frostpunk und Rimworld mit einer ordentlichen Portion Dark Fantasy. Wir haben für die Vorschau die ersten Missionen der Kampagne gespielt.
Schön für Aufbau-Fans: Das Wachstum eures Gords könnt ihr hautnah mitverfolgen. Wälle, Werkstätten und Co. entstehen Stück für Stück, statt plötzlich aus dem Nichts aufzupoppen. Eure Holzfäller schleppen tatsächlich Baumstämme durch die Gegend. Das sorgt für wunderbares Gewusel. Außerdem erwarten euch ein paar nette Komfort-Features: Sammelgebiete setzen sich automatisch neu, gehen Schilf- oder Lehmbestände zur Neige. Untätige Dörfler suchen sich selbstständig eine Beschäftigung. Wer trotzdem mal Hilfe benötigt, liest sich eine der Tutorials oder den umfangreichen Ingame-Kodex durch.
RimWorld lässt grüßen
Das bedeutet aber nicht, dass es Gord an Anspruch fehlen würde. Ihr müsst euch schließlich immer noch um eure Untertanen kümmern. Jeder von ihnen verfügt über ein umfangreiches Charaktermenü. Sie haben verschiedene Hintergrundgeschichten, Items, Erfahrungslevel, Schadenswerte sowie Stärken und Schwächen, die ihr berücksichtigen müsst. Ist eine Figur etwa gut im Erkunden, aber unerfahren im Waffenumgang, macht sie sich besser als Kundschafter denn als Axtkämpfer. Das erinnert fast an Rimworld, zumal ihr auch noch die Namen eurer Charaktere aussuchen könnt. So entsteht fast so etwas wie eine emotionale Bindung. Man will, dass es allen gutgeht. Man leidet, wenn das Volk leidet.
Quelle: Covenant.dev
Und das kann in Gord öfter vorkommen. Krankheit, Hunger, Dunkelheit und Tod setzen euren Dorfbewohnern ordentlich zu und drücken ihre geistige Gesundheit. Ist ein kritischer Punkt erreicht, kann es sogar sein, dass sie unter dem psychischen Druck zusammenbrechen, verrückt werden und für immer aus eurer Siedlung verschwinden.
Sorgt ihr im Gegenzug für eine gute Moral, etwa durch Metausschank oder Fackeln, die die Nacht erhellen, hat das positive Konsequenzen. Euer Gord bekommt etwa Nachwuchs, der der natürlich alternden Bevölkerung unter die Arme greift. Kinder können zwar keinen Betrieb allein stemmen, aber sie können Erwachsenen mit einer helfenden Hand unterstützen und so Boni für ihr späteres Leben verdienen.
Harte Zeiten erfordern harte Maßnahmen
Habt ihr euch irgendwann ordentlich eingelebt, wird es Zeit, sich hinter euren schützenden Wälle vorzuwagen. Gord wartet mit diversen Nebenquests und zufälligen Ereignissen auf. Wir sind etwa einem wandernden Gelehrten begegnet, der die Eigenschaften unserer Späher verbesserte. Hauptantrieb sind aber natürlich die Story-Missionen, die die Handlung vorantreiben. In deren Rahmen gilt es unter anderem, einen Fluss nach einer Überquerungsmöglichkeit abzusuchen oder einen vermissten Kartografen des Königs aufzuspüren.
Dafür kommandiert ihr eure Truppen in Top-Down-Perspektive durch die Gegend und gebt ihnen klassische RTS-Befehle: Patrouillieren ist genauso möglich wie das Gruppieren von Einheiten oder das Beschützen einer Zielperson. Eine Pausefunktion hilft beim taktischen Planen eines Angriffs. Ihr könnt sogar magische Beschwörungen wirken, die sich über einen eigenen Skilltree noch verbessern lassen! Wobei euch die Anfangsgegner wie Wölfe, Spinnen und Wildschweine kaum solche fortgeschrittenen Strategien abverlangen.
Erst wenn ihr auf eines der im Wald versteckten Monster trefft, wird es knifflig. In unserem Fall war das Ardaven, ein riesiger, entstellter Fleischberg - halb Baum, halb Mensch, mit schrumpeliger Haut, verzerrter Fratze und ekelhaft gelben Eiterpusteln. Wunderbar eklig! Das Ding stellt uns jedenfalls vor die Wahl: Um an ihm vorbeizukommen, müssen wir es entweder töten oder ihm ein Kind opfern. Ein klassisches moralisches Dilemma, wie man es aus Frostpunk kennt und wie es im Spielverlauf noch häufiger vorkommen soll. Kein Wunder, schließlich wirken einige Ex-Frostpunk-Entwickler auch an Gord mit.
Die Folgen unserer Taten
Die Wahl will wohlüberlegt sein. Solltet ihr wirklich euren kostbaren Nachwuchs opfern? Darunter leidet womöglich die Moral. Allerdings könnte ein Kampf deutlich mehr Menschenleben kosten. Die Viecher sind nämlich echt hart im Nehmen, bereits auf dem Standard-Schwierigkeitsgrad, wo Einheiten erst ausgeknockt und dann noch gerettet werden können. Im Permadeath-Modus verliert ihr besiegte Bewohner für immer, scheitert ihr bei einer Mission ist der gesamte Spielstand vorbei!
Wir haben in unserer Demo mal beides ausprobiert, wurden aber mit quasi derselben Cutscene abgespeist. Danach war die Demo vorbei. Ob eure Entscheidungen gravierende Auswirkungen auf den Verlauf der Story haben, können wir also nicht sagen. Was wir sagen können: Unser Ausflug in die düsteren Wälder von Calanthia haben definitiv Lust auf mehr gemacht. Das Dark-Fantasy-Setting sorgt für schaurig-schöne Atmosphäre, die Gameplay-Mechaniken greifen gut ineinander und sorgen für eine ordentliche Herausforderung. Wir schauen zum Release im Sommer gerne nochmal in Gord rein!
Fazit
Gord ist mehr als ein lustiger Name. Das Spiel könnte ein echter Aufbau-Strategie-Geheimtipp für den kommenden Sommer werden. Der Mix aus RimWorld- und Frostpunk-Gameplay-Elementen funktioniert richtig gut. Die Dark-Fantasy-Welt aus der Feder ehemaliger Witcher-Macher trieft nur so vor Atmosphäre. Und die Monster sind herrlich eklig! Wer Bock auf knallharten Überlebenskampf mit Aufbau- und Strategie-Aspekten hat, sollte hier reinschauen.
Gord erscheint am 8. August 2023 für den PC via Steam, zeitlich mit Versionen für die Next-Gen-Konsolen Playstation 5 und Xbox Series S| X. Der Preis liegt bei knapp 35 Euro. Vorbesteller bekommen zusätzlich den Wellenmodus Hold Your Ground sowie den vollständigen Spiel-Soundtrack und das digitale Artbook.
