God of War: Alles neu macht der Kriegsgott - warum der Tapetenwechsel guttut

Special Jan Michelsen 44,99 €
God of War: Alles neu macht der Kriegsgott - warum der Tapetenwechsel guttut
Quelle: buffed

God of War kehrt nach über fünf Jahren endlich wieder zurück. Kratos "is back" und mischt die Reihen seiner Feinde wieder ordentlich auf. Im Gegensatz zu den Vorgängern hat sich allerdings Einiges getan: Die griechische Mythologie ist Geschichte und auch von den ikonischen Chaosklingen nehmen Spieler erst einmal Abschied. Dafür gibt es neben den nordischen Gottheiten und einer schneidigen Axt nun sogar einen Begleiter an die Seite. Und wisst ihr was? Das ist auch gut so!

Lange haben eingefleischte Fans von God of War (jetzt kaufen / 44,99 € ) auf die Rückkehr des metzelnden Kriegsgottes gewartet. Allerdings hat sich im Gegensatz zu den Vorgängern vieles geändert, denn Kratos ist nicht mehr der wütende Kämpfer von damals, der erst einmal die Gegner in mundgerechte Teile schlägt und dann Fragen stellt. Kratos ist erwachsen geworden, nachdenklich und zudem auch noch (erneut) Vater. Überhaupt hat Entwickler Santa Monica Studio im Neustart der brutalen Spielereihe so gut wie alle bekannten Formeln über Bord geworfen. Doch geht diese Rechnung auf? Spoiler: Ja! Wir verraten euch in diesem Special, was für neue Aspekte im Spiel stecken, und wieso dieser Tapetenwechsel der Reihe guttut.

Wie der Sohn, so der Vater

Nein, wir sind nicht zu doof, um Sprichwörter richtig wiederzugeben. In diesem Fall stimmt die Umstellung der Worte auf ganzer Linie, denn Kratos ist im neuen God of War erwachsen geworden. Das liegt allerdings nicht an seiner Weisheit und der plötzlichen Besinnung auf die schlimmen, vergangenen Tage - es liegt an seinem Sohn Atreus. Dieser ist ein komplett neues Element in der Reihe - wenn man Pandora einmal außen vor lässt - und bietet ungewohnt viel Tiefgang, vor allem in Sachen Geschichte und in den Kämpfen.
God of War: Kratos und sein Sohn Atreus ziehen zusammen durch die Welt. Quelle: buffed God of War: Kratos und sein Sohn Atreus ziehen zusammen durch die Welt.
Zur Geschichte: Man mag es kaum Glauben, aber Kratos besitzt nach all der langen Zeit und den vielen grausamen Taten tatsächlich greifbare Gefühle. Das vermittelt God of War zumindest in allerlei Sequenzen mit seinem Sohn. Im Kriegsgott tobt ein Kampf zwischen Vernunft, Wut und Vatersein. Viele Facetten hat der Hauptcharakter in den früheren Werken nicht gezeigt, das ändert sich durch Atreus allerdings komplett. Oft blickt man zudem hinter die Fassade von Kratos, der eben doch nicht aus seiner weißen Haut heraus kann. Ihr fragt euch, wieso der Kriegsgott eine weiße Haut besitzt? Dann lest euch doch einmal unser Story-Special zur Spielereihe durch, dort erfahrt ihr allerlei interessante Fakten zu den Games rund um Kratos!

Zu den Kämpfen: Atreus ist ein Kind mit Pfeil und Bogen. Er greift in den Kampf ein und feuert auf herumlaufende Gegner. Das ist anfangs nicht effektiv, lenkt die Feinde allerdings von Kratos ab. Klasse, denn gerade zu Beginn hält der Kampfkoloss nicht allzu viel aus und marodierende Feinde sorgen schnell für Frust. Doch es gibt noch mehr, denn der Junge bietet zudem wirklich wichtige Kommentare, wie etwa Warnungen vor heranstürmenden Feinden. Im späteren Spielverlauf erweist sich Atreus noch mehr als Hilfe in brenzligen Duellen. Auch außerhalb des Kampfes bietet das Kind einen echten Mehrwert, denn bei kniffligen Rätseln helfen kluge Kommentare zur richtigen Zeit. Ein Gebiet schon erkundet? Atreus gibt darüber Auskunft. Das wirkt allerdings niemals nervig oder deplatziert. So gut hat sich bisher kein Kind in einem Videospiel geschlagen, weder Ellie aus The Last of Us, noch Clementine aus The Walking Dead. Es ist ausgerechnet ein kleiner Junge, der dem Spiel eine komplett neue Würze verleiht. Großartig!

Wo ein Kratos ist, ist auch ein Kampf

Sprichtwortverwurstung die Zweite. Doch es stimmt: Überall wo Kratos auftaucht, rasten die Feinde komplett aus. Das war in allen Teilen zuvor der Fall, und auch im neuen God of War erwarten euch an jeder Ecke Kämpfe. Diese laufen nun insgesamt langsamer ab, was auch an der frischen Hauptwaffe des Helden liegt: Die Chaosklingen sind nicht mehr erste Wahl, ihr vermöbelt Feinde und Interieur nun mit der Leviathanaxt. Diese sieht nicht nur klasse aus, mit ihr schlägt es sich zudem wuchtig durch die Reihen der Widersacher. Auch die Palette an Möglichkeiten ist von Anfang an riesig: Ihr werft eure Axt, ruft sie zurück, schlagt unterschiedlich hart zu, zaubert, wehrt Angriffe mit dem Schild an, rollt euch zur Seite oder befehlt Atreus anzugreifen. Langeweile kommt hier garantiert nicht auf, auch wenn die Flut an Kombinationen gelegentlich für Frust sorgt, denn falsche Befehle ziehen oft zwangsläufig gegnerische Treffer nach sich.
God of War: Die Kämpfe fühlen sich neu an, doch sie machen Spaß wie in den ersten Tagen! Quelle: buffed God of War: Die Kämpfe fühlen sich neu an, doch sie machen Spaß wie in den ersten Tagen! Allerdings laufen die Auseinandersetzungen nicht mehr so grundlos brutal und blutig ab, wie noch in den Vorgängern. Das soll aber nicht heißen, dass Kratos nicht auf Tastendruck seine Gegner in zwei Teile schlägt und Köpfe durch die Luft segeln. Doch alles wirkt pointierter und dadurch noch imposanter. Ein weiterer Grund dafür ist unter anderem auch die neue Kameraperspektive: Der Kriegsgott randaliert nicht mehr einige Meter entfernt von der Kamera über die Mitte des Bildschirms, sondern steht nun leicht linksversetzt vom Zentrum. Dafür rutscht Kratos näher an den Bildschirm. Die überarbeiteten Einstellungen sind anfangs etwas gewöhnungsbedürftig, doch machen nach kurzer Zeit sehr viel Spaß.

Schöne neue Welt

Ebenfalls neu: die Spielwelt! Endlich bewegen wir uns nicht mehr durch die griechische Mythologie mit all ihren Eigenheiten und Göttern, dieses Thema hat Santa Monica Studio fast endgültig zu Grabe getragen. Dafür zieht es Kratos nun in die nordischen Gefilde und nach Midgard. Diese Szenerie dürfte den meisten Spielern völlig fremd sein - mit Ausnahme vielleicht von den Thor-Filmen von Marvel. Viele Namen sind in den Verfilmungen bereits einmal gefallen. Wer aber wirklich alles in dieser Spielwelt kennen will, der muss ein echter Experte in der nordischen Welt sein.

God of War: Ein idyllischer Wald? In Midgard kein Problem! Quelle: buffed God of War: Ein idyllischer Wald? In Midgard kein Problem! In Midgard selbst geht es natürlich ordentlich zur Sache, denn auch hier treiben viele Götter ihr Unwesen - allen voran Odin und seine Söhne. Man trifft während der Reise immer wieder auf bekannte Gesichter - sofern man mit der nordischen Mythologie vertraut ist. Allerdings bleiben gerade zu Beginn oft lange Durststrecken, bevor man wieder besonderen Personen begegnet. Das ist nicht schlimm, denn alleine die Spielwelt entschädigt ungemein.

Egal ob düsterer Sumpf, eisige Gletscher oder grüne Täler voller Bäume und Pflanzen: Midgard und zugehörige Welten strotzen nur so voller Abwechslung, was die Ausflüge im Spiel richtig angenehm gestaltet. An allen Ecken warten Rätsel, kleinere Kisten oder sonstige Aufgaben, die auch nach Stunden immer noch begeistern. Die tollen Areale trumpfen natürlich auch dank der neuen Engine auf, denn die Grafik ist über jeden Zweifel erhaben und sucht bei der derzeitigen Generation an Spielen ihresgleichen.

Ein riesiges Arsenal

Der neue Teil von God of War bietet eine riesige Palette an Equipment. Allerdings winken hier weniger Waffen als im Vorgänger, dafür explodiert die Bandbreite an Rüstungen nahezu. Händler und Schmiede bieten Klamotten für die Brust, die Arme und die Hüfte. Außerdem erhaltet ihr im Spielverlauf noch Knäufe für eure Waffe, Talismane, Zauber und viele andere Gegenstände. Die Auswahl ist nach einigen Stunden überwältigend groß.

So kann jeder Spieler aber seinen ganz eigenen Kratos erschaffen. Ihr spielt lieber direkt im Nahkampf und brutalst mit der Axt? Dann konzentriert euch auf Stärke und Abwehr. Ihr steht lieber in einiger Entfernung zum ganzen Geschehen und zaubert mit Runen wild um euch, immer in Sicherheit hinter dem Schild versteckt? Dann haltet euch an Runen und Abklingzeit. Jeder darf seinen Kriegsgott so spielen, wie er es für richtig hält. Allerdings nicht falsch verstehen: Ihr kommt um den Kampf nicht herum und Nahkampfangriffe sind unabwendbar. Aber wer hat von God of War auch etwas anderes erwartet?

Obwohl alle diese Klamotten für viel Begeisterung sorgen und abermals ungewohnt viel Tiefe bieten, ist das zugehörige Menü ein Graus: Zu viele Unterpunkte und Textboxen, zu viel Auswahl. Wer dann noch gezielt versucht, etwas an seiner Ausrüstung zu verändern, der geht schnell in dieser Flut an Informationen unter. Allerdings ist es toll, dass so eine Möglichkeit überhaupt existiert. Der Einfluss neuer und stärkerer Ausrüstung ist zudem enorm, denn dadurch steigt ihr gleichzeitig im Level, was ihr im Kampf direkt bemerkt.

Santa Monica Studio hat in God of War ziemlich viel verändert und angepasst, was vor allem in den ersten Stunden einiges an Einarbeitung erfordert und Fans der Vorgänger vielleicht nicht gleich fesselt. Der Tapetenwechsel tut dem Kriegsgott allerdings gut! Das Game wirkt nicht wie eine Fortsetzung, sondern wie ein komplett neues Highlight, gepaart mit Kratos als Hauptcharakter in einem God-of-War-Wohlfühl-Setting.

  • Print / Abo
    Apps
    PC Games 06/2026 PCGH Magazin 06/2026 play5 06/2026 N-Zone 06/2026 Linux Magazin 06/2026 LinuxUser 06/2026 Raspberry Pi Geek 07/2026
    PC Games PC Games Hardware Linux Magazin Raspberry Pi Geek Computec Kiosk