High Vive & Fuculus Rift - eine Kolumne von Ahmet Iscitürk

Special Ahmet Iscitürk
High Vive & Fuculus Rift - eine Kolumne von Ahmet Iscitürk (1)
Quelle: Games Aktuell

Warum ich Oculus Rift mit jeder Faser meines Körpers hasse und HTC Vive über alles liebe - eine Kolumne von Ahmet Iscitürk.

Nachdem ich mit den Prototypen von Oculus Rift (DK1 und DK2) sehr unterhaltsame Momente verleben durfte, ging natürlich kein Weg an einer Vorbestellung der finalen Version (CV1) vorbei. Ich saß am 6. Januar bereits 30 Minuten vor Preorder-Start am Rechner und hatte zur Sicherheit auch ein Browser-Fenster im Notebook geöffnet. Als Profi weiß man, dass in solchen Momenten gerne mal die Server abkacken, weil "niemand mit dem Ansturm gerechnet hat". Sechs Minuten lang lieferte ich mir einen nervenzerreißenden Kampf mit zwei F5-Tasten, bevor ich endlich den Bestellvorgang abschließen durfte. Eine Minute später lag bereits die Bestätigung in meinem Postfach. Ahmet, alles richtig gemacht!

Laut Preorder-Bestätigung wollte Oculus die Auslieferung am 28. März beginnen. Also hatte ich mein Leben komplett auf dieses Zeitfenster zugeschnitten, damit Ende März und Anfang April so viel Freizeit wie möglich für VR-Sessions bleibt. Ich wollte mich ohne Zeitdruck in der digitalen Illusion verlieren. Ich wollte mit dem virtuellen Raum verschmelzen und meiner stressreichen, jämmerlichen Existenz für ein paar Tage entfliehen. HTCs Vive ließ ich erst mal im virtuellen Regal liegen, da ich nicht gleichzeitig mit zwei Head Mounted Displays hantieren wollte.

Der Anfang vom Ende

Weder das Schicksal noch das Inkompetenz-Team von Oculus meinten es gut mit mir. Nachdem ich fast drei Monate gewartet hatte und der Release nur noch wenige Tage vor mir lag, ließ mich Oculus wissen, dass meine Bestellung noch ein bis drei Wochen reifen müsse. Natürlich ohne einen Grund zu nennen. Warum sollte sich Oculus-Gründer Palmer Luckey seinen Kunden gegenüber verpflichtet fühlen, nur weil er das per Crowdfunding von den Kunden finanzierte Unternehmen für 2.000.000.000 Dollar an Facebook verschachert hat? Ich war leicht angefressen. Oculus wusste garantiert nicht erst am 25. März, dass sie am 28. März zu wenig Geräte im Lager haben würden.Hätten uns die Penner nicht früher darüber aufklären können, dass sich die Auslieferung verzögert? Warum konnte mir der Support nicht verraten, ob ich mich nur noch eine oder gleich drei weitere Wochen gedulden muss? Ich ärgerte mich über Oculus und vor allem über meine Dummheit. Ich Depp hätte zweigleisig fahren und auch gleich die HTC Vive ordern sollen. Ende März war es dafür zu spät, da betrug die Wartezeit bei HTC auch schon über einen Monat. Also blieb mir nichts anderes übrig, als "ein bis drei Wochen" zu warten. Ich war am Boden zerstört, verbrachte die nächsten Tage im Bett und schrieb japanische Todesgedichte auf Deutsch. Am 3. April flatterte die nächste Mail rein. Betreff: "Your Oculus Rift Order Status". Meine Depression wich einer überbordenden Lebensfreude. Meine Existenz fühlte sich nicht mehr wie ein grausamer Witz an. Ich war happy und wollte jedem Menschen mit einer Umarmung begegnen - zumindest, bis ich die Mail las.

What the Fuculus?

Es war so als hätte mir der stets geschmacklos gekleidete Palmer Luckey mit Anlauf einen Vorschlaghammer ins Skrotum geschleudert. Oculus konnte immer noch kein Lieferdatum nennen! Stattdessen ließ man uns schäbige Vorbesteller per E-Mail wissen, dass am 12. April neue Informationen verlautbart würden. Meine Trauer verwandelte sich in tiefen Hass. Ich hatte die Nase voll und deshalb wurde für sportliche 1.300 Euro das Konkurrenzprodukt HTC Vive bei Ebay ersteigert. Dummerweise hatte der Verkäufer die Auktion etwas voreilig gestartet, denn das Gerät hatte er noch gar nicht. "Ich werde es aber sofort losschicken, wenn es bei mir ankommt!", versprach er. Eine Woche später wurde der Deal abgeblasen, aufgrund einer unglücklichen Lieferverzögerung. Wollte mir Gott vielleicht auf diesem Wege mitteilen, dass nur die Realität mit Fleisch und Blut die einzig wahre und Virtual Reality reinste Blasphemie ist?

Die nächste Oculus-Nachricht traf am 8. April ein. Ich wurde gebeten, meine Zahlungsdaten zu aktualisieren. Das klang doch endlich mal nach einer positiven Nachricht. Leider war genau das Gegenteil der Fall. Es stellte sich heraus, dass die Abbuchung vom Kreditkartenanbieter wegen Betrugsverdacht abgelehnt wurde. Ein Problem, mit dem sich sehr viele Vorbesteller konfrontiert sahen. Ich zerbrach innerlich. Die Zahlungsinformationen wurden aktualisiert und das Warten begann erneut. Am 12. April dann ein neues Lebenszeichen, doch ich wusste genau, dass es keine guten Nachrichten waren, denn von Oculus bekommt man keine guten Nachrichten. Ich hatte recht: Der Versandtermin wurde auf Anfang Mai verschoben. Mittlerweile ergötze ich mich an der Room-ScaleVR-Erfahrung powered by HTC Vive und freue mich bereits darauf, mein Oculus Rift auf Ebay zu verklopfen. Ich werde Palmer Luckeys Inkompetenzzentrum eventuell eine neue Chance geben, wenn CV2 erscheint. Mal sehen, ob das noch vor 2020 passiert.

  • Print / Abo
    Apps
    PC Games 06/2026 PCGH Magazin 07/2026 play5 07/2026 N-Zone 06/2026 Linux Magazin 06/2026 LinuxUser 06/2026 Raspberry Pi Geek 07/2026
    PC Games PC Games Hardware Linux Magazin Raspberry Pi Geek Computec Kiosk