Findet Nemo

Test Patrick Köllner

Mit einem weltweiten Einspielergebnis von über 850 Millionen Dollar wurde "Findet Nemo" zum erfolgreichsten Animationsfilm aller Zeiten. Noch ein Rekord: In zwei Wochen nach dem Verkaufsstart wurden den DVD-Händlern in Nordamerika unglaubliche 15 Millionen Einheiten aus den Händen gerissen. Selten fiel das Warten auf eine DVD des Monats so schwer

Das Zauberwort für diese Effekte nannte man damals "Morphing". Danach brachen alle Dämme. Steven Spielberg erkannte die Möglichkeiten sofort und ließ für sein kommendes Echsen-Spektakel "Jurassic Park" (1993) Dinos aus dem Rechner anstampfen. Das dabei eingeführte Tonformat dts digitalisierte die Filmwelt nebenbei noch weiter. Sein Kumpel George Lucas war von nun an nur noch durch die eigene Phantasie begrenzten Möglichkeiten derart überzeugt, dass sie ihn zur Überarbeitung seiner ersten "Star Wars"-Trilogie und zur Schaffung einer neuen bewogen. Künstlerische Bedenken wurden durch kommerziellen Erfolg eliminiert.

1995 war es dann soweit: Mit "Toy Story" erschien der erste komplett programmierte abendfüllende Spielfilm. Das Abenteuer von Cowboy Woody und Astronaut Buzz Lightyear wurde in den USA zum erfolgreichsten Film des Jahres. Hauptverantwortlich für das Projekt zeichnete eine kleine kalifornische Firma namens Pixar, die den Film vom mächtigen Disney-Konzern vertreiben ließ. Die "Micky Mäuse" blieben zunächst relativ gelassen. Konnten sie auch. Denn die unter der Führung ihres damaligen Zeichentrick-Chefs Jeffrey Katzenberg entstandenen Hits "Arielle", "Die Schöne und das Biest", "Aladdin" und "Der König der Löwen" waren für den Konzern wie eine Lizenz zum Gelddrucken.

Das Publikum aber verlangte plötzlich nach mehr. Mehr Computeranimation. Nachdem Katzenberg im Jahr 1994 seinen Hut nahm, um mit Steven Spielberg und David Geffen DreamWorks zu gründen, sanken die Umsätze der klassischen Zeichentrickfilme zunächst nur geringfügig, in den letzten Jahren aber dramatisch. Konnte "Tarzan" (1999) noch an die Erfolge der Katzenberg-Ära anknüpfen, so waren die US-Einspielergebnisse von "Ein Königreich für ein Lama" (89 Mio.), "Atlantis" (84 Mio.) und vor allem von "Der Schatzplanet" (38 Mio.) alles andere als erfreulich.

Aber auch die Konkurrenz ließ reichlich Federn. 20th Century Fox schloss nach dem "Titan A.E."-Desaster seine Zeichentrickabteilung gleich ganz. Anschließend landeten sie mit dem Computerfilm "Ice Age" einen Volltreffer. Ironie am Rande: Regie führte dabei Chris Wedge, der seine Filmkarriere u.a. mit "Tron" begann. Warner Bros. verbrannte sich mit dem Roboter-Streifen "Der Gigant aus dem All" die Zeichenfinger und ließ es ebenfalls erst mal sein. Und wie erging es Jeffrey Katzenberg bei DreamWorks?

Dem respektablen Einstand "Der Prinz von Ägypten" folgte ein finanziell enttäuschendes "El Dorado", ein schöner, aber nur bedingt erfolgreicher "Spirit" und "Sinbad". Letzterer wurde wider Erwarten zu einem solchen Desaster, dass Katzenberg das Ende der DreamWorks-Zeichentricksparte verkündete. Stattdessen wolle man künftig ganz auf den Computer setzen. Kommende Projekte: "Shrek 2" und "Sharkslayer".

Unabhängig davon lieferten die Pixar-Tüftler einen Blockbuster nach dem anderen ab, mit dem sie sich jedes Mal selbst übertrafen. Das Geheimnis ihres Erfolges sind durchdachte Geschichten mit ausgefeilten Charakteren und Sinn für Humor, die universelle Werte vermitteln und in denen eine liebevolle Hingabe auch für die scheinbar kleinste Nebensächlichkeit steckt. Alles verpackt in lupenreine Bilder von leuchtender, nahezu magischer Farbkraft. Pixar schafft das, was Haribo uns seit Jahren verspricht: Kinder und Erwachsene fühlen sich gleichermaßen wohl. "Findet Nemo" ist dabei bisher die Krone der Kreativität. Erzählt wird eine Geschichte, die mit einer Tragödie beginnt.

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