Final Fantasy 7 Remake im Test: Atmosphäre & Präsentation

Test Susanne Braun Matthias Dammes
Final Fantasy 7 Remake im Test: Atmosphäre & Präsentation
Quelle: buffed

Mehr als 20 Jahre nach dem Original geht Cloud Strife wieder im Auftrag der Ökoterroristen von Avalanche in Midgar auf Streife, um den Mittellosen zu helfen und die Mächtigen zu stürzen. Wie gut uns das Remake von Final Fantasy 7 gefällt, lest ihr in unserem Test.

Grafik gut, Atmosphäre bombastisch

Die Schauplätze von Final Fantasy 7 Remake glänzen nicht mit Fotorealismus, und das müssen sie aufgrund des Settings auch gar nicht. Schließlich sind wir in einer Fantasywelt unterwegs und nicht in einer realistischen Umgebung wie in einem Uncharted 4. Die Orte, an denen das Remake spielt, sehen ziemlich schick aus. Auch die Charaktere machen ordentlich was her, wenngleich auffällt, dass die Protagonisten wesentlich porentiefere Gesichter haben als Nebencharaktere.

Manchmal wirken auch ein paar Texturen matschig. Insbesondere die Tür von Tifas Wohnung im Slum von Sektor 7 ist uns im Gedächtnis geblieben, denn sie erinnert uns frappierend an Matschetexturen aus Quantic Dreams Beyond. Wenn man in dem Spiel mal dort unterwegs war, wo gerade nicht die Musik spielte, hagelte es verwaschene Texturen ohne Ende.

Don Corneo ist auch im Remake eine widerliche Person. Quelle: buffed Don Corneo ist auch im Remake eine widerliche Person. Solche unscharfen Eindrücke halten sich im Remake sehr in Grenzen, und werden ohnehin von der fantastischen und detailverliebten Gestaltung jedes Schauplatzes in den Hintergrund gerückt. Die beiden Slums und der Wallmarkt, insgesamt drei Bereiche, in denen wir uns etwas freier bewegen können, wirken absolut lebendig. Leute stehen auf der Straße herum, gehen ihrem Tagewerk nach, reagieren auf die Menschen, die an ihnen vorbeilaufen, quatschen miteinander.

Selbst die Gebiete der Nebenmissionen wie etwa Schrottplätze sind mit Details noch und nöcher ausstaffiert, sodass die Augen davon nicht müde werden - und die Gefahr besteht bei schlauchartigen Leveln durchaus. Ja, es ist richtig, dass eine lebendige Umgebung heutzutage Standard sein sollte. Wer das leblos wirkende Königreich Lucis aus Final Fantasy 15 aber noch im Hinterkopf hat, der ist von der Atmosphäre in Midgar überwältigt. Die jederzeit passende orchestrale Musik im Hintergrund tut ihr übriges. Klassische Themen der Final-Fantasy-Reihe und die fantastischen Stücke, die Komponist Nobuo Uematsu seinerzeit für das originale Final Fantasy 7 geschrieben hat, klingen einsame Spitze und bohren sich dem geneigten Zuhörer auf ewig ins Hirn!

Frischen Wind ins Spiel bringen neue Bosscharaktere wie Locche Quelle: buffed Frischen Wind ins Spiel bringen neue Bosscharaktere wie Locche

Die Stimmen, die ich niemals hörte

Wenn wir schon von der Musik reden, müssen wir auch die Stimmen bewerten, die in Midgar zu hören sind. Das Original war nicht sprachvertont, entsprechend besteht freilich die Sorge, dass Cloud, Aerith und Kumpane, auf gut Deutsch gesagt, bescheuert klingen. Natürlich ist das immer eine Frage des Geschmacks. Wir haben eine Hälfte des Spiels mit deutsche Stimmen und die andere mit englischen gespielt. Und vorweg müssen wir sagen, dass Final Fantasy grundsätzlich eine gewisse Übertriebenheit anhaftet, die man etwa mag oder eben nicht. Das ist auch in Final Fantasy 7 so.

Die deutschen Stimmen von Aerith, Tifa und Barret sind gut, selbst wenn Tifa eher jung klingt. Cloud hingegen kommt ein bisschen emotionslos daher ... was womöglich der Vorlage geschuldet ist, schließlich nimmt er zu Beginn vornehmlich die Rolle eines wenig beteiligten Söldners ein. Auch die englische Stimme von Cloud klingt eher nach "ist mir egal", ist allerdings ein bisschen tiefer und fester. Unserer Meinung nach kommt sie besser rüber. Und Tifa klingt im Englischen ihrem Alter etwas entsprechender.

Apropos: Wir wissen nicht, warum sich Text- und Tonsprache nicht direkt im Spiel getrennt umstellen lassen; ein Feature, das uns in anderen Spielen der Reihe gefallen hat. Um die Texte zu ändern, müssen wir die Systemsprache der Playstation 4 umstellen, im Spielmenü selbst lässt sich lediglich die gesprochene Sprache ändern. Kurios! Und da wir schon dabei sind: Es gibt nur elf Speicherplätze! Warum, liebe Entwickler von Square Enix? Das ist kaum modern. Liebe Leser, lasst euch versichern, das ist Meckern auf allerhöchstem Niveau, denn die meiste Zeit hat uns das Remake einfach nur überwältigt; zum Staunen, Lachen und auch ein bisschen zum Weinen gebracht. Ein bisschen Gemecker müssen wir aber noch loswerden ...

Preis gerechtfertigt?

Vor dem Release war die Sorge groß, dass der Umfang des Spiels nicht den Vollpreis rechtfertigt. Das hat vor allem damit zu tun, dass der Midgar-Part des Originals in fünf bis zehn Stunden, je nach Spielweise, durchgespielt ist. Wie bereits erwähnt haben wir 35 Spielstunden erreicht, als der Abspann über den Bildschirm flimmerte. Wir haben ein paar Nebenmissionen erledigt, aber längst nicht alle. Manchmal haben wir eine Materia einfach links liegen lassen. Und dazu kommt, dass wir sämtliche, nicht erfüllten Aufgaben sowie neue Sammel-Tasks noch im Endgame erledigen können, denn nach dem Durchspielen können wir Kapitel direkt anspringen. Die Frage ist dennoch: Fühlt sich Final Fantasy 7 Remake gestreckt an, damit die Entwickler den Vollpreis rechtfertigen können?

Manche der neuen Minispiele sind eher merkwürdiger Natur, etwa der Squat-Wettbewerb. Quelle: buffed Manche der neuen Minispiele sind eher merkwürdiger Natur, etwa der Squat-Wettbewerb. Teilweise. Zu Beginn und zum Ende fällt es nicht so arg auf, dass die Bewegungsgeschwindigkeit der Charaktere manchmal gedrosselt oder dass in manchen Situationen die Kontrolle über die Spielfiguren genommen wird, nur um noch eine automatisch ablaufende Zwischensequenz reinzuquetschen, die womöglich etwas Zeit schindet. Oder dass es in Midgar einige widerspenstige Hebel gibt, die erstaunlich lange zum Umlegen brauchen.

Doch vor allem im mittleren Teil, am Wallmarkt, als es darum geht, Aerith für die Brautschau des widerlichen Don Corneo aufzubrezeln, wird Cloud in einer gezwungenen Pause vor die Tür gesetzt. Eine Nebenmission machen, dann zurück zu Aerith im Pavillon von Madame M, so lautet die Ansage. Diese Nebenmission zieht sich allerdings wie Kaugummi unter der scheinheilig vorgeschobenen Erklärung, dass Cloud so mal sieht, wie es am Wallmarkt zugeht. Und da es sich dabei auch um die einzige verfügbare Nebenmission handelt, fühlt sie sich gleich doppelt wie eine Strafe dafür an, dass wir eigentlich viel lieber die Hauptstory voranbringen würden.

Balance-Akt: Manche Sequenzen wie auf der Unterplatte fühlen sich ein bisschen langgezogen an. Quelle: buffed Balance-Akt: Manche Sequenzen wie auf der Unterplatte fühlen sich ein bisschen langgezogen an. Auch ein, zwei der Bereiche, die wir im Rahmen der eigentlichen Geschichte spielen, fühlen sich unnötig lang an. Etwa das Labyrinth der Unterplatte von Sektor 5, in dem wir über wackelige Geländer kraxeln. Oder der Tunnel, der Sektor 5 mit Sektor 6 verbindet und teilweise zusammengestürzt ist, sodass wir uns mit Roboterarm-Minispielen einen Weg bahnen müssen. Am "schlimmsten" ist aber wohl die Kanalisation unter der Stadt, die schon im Original elendig lang, voller Backtracking, Hebel- und Balance-Aktionen und optisch wenig attraktiv war.

Und dann müssen wir noch ein zweites Mal in die Kanalisation! Leslie, Scherge von Don Corneo, will Rache an seinem Boss üben. Und wir müssen dabei noch ein zweites Mal gegen Arco kämpfen, unser absoluter Hassobermotz. Aber die Auflösung dieser kleinen Geschichte um Leslie hat die Strapazen wieder wettgemacht. Deswegen ist doch der erste Kanalisationsbesuch wirklich der schlimmste Part des ganzen Spiels. Aber hey, angesichts der Tatsache, dass der gerade einmal zwei Stunden der gesamten Spielzeit in Anspruch nimmt, ist das verschmerzbar.

Beschwörungs-Materia lässt euch beispielsweise den Esper Ifrit herbeirufen, der mächtigen Feuerschaden austeilt. Quelle: buffed Beschwörungs-Materia lässt euch beispielsweise den Esper Ifrit herbeirufen, der mächtigen Feuerschaden austeilt.

The unknown journey will continue

Das sind die Worte, mit denen Final Fantasy 7 Remake endet. Wir wissen, dass es einen zweiten Teil geben soll, doch wir haben keinen blassen Schimmer, wann der für einen Release bereit sein wird. Und noch weniger können wir erahnen, was darin geschehen wird, denn eigentlich müsste es dann in den Open-World-Part des Originals gehen. Allerdings wäre es ein absoluter Bruch mit dem ersten Teil des Remakes, der sehr linear ausfällt. Die unbedarften Spieler dann mir nichts, dir nichts in eine offene Spielwelt zu schmeißen, erscheint da kaum möglich und sinnvoll. Aber wer weiß, was die Leute von Square Enix vorhaben. Die Frage ist auch, ob sie nicht langsam mit Final Fantasy 16 beginnen wollen. Wenn das eine ähnliche Qualität wie das Remake hat, dann bräuchten sich die Fans wirklich überhaupt keine Sorgen um die Serie zu machen!

Meinung

Wertung zu Final Fantasy 7 (Remake) (PS4)

Wertung:

10 /10

Wertung zu Final Fantasy 7 Remake Intergrade (NSW2)

Wertung:

10 /10
Pro & Contra
Großartige AtmosphäreFantastische Musik und gute SprecherPackende, emotionale GeschichteSpaßiges Kampfsystem mit taktischen HerausforderungenVerständliches (und wichtiges) MateriasystemFordernde und toll inszenierte BosskämpfeJede Menge Zwischensequenzen (auch wenn das vielleicht nicht jedem gefällt)
Ein bisschen mehr Rollenspiel hätte es sein dürfenGanz selten fühlen sich Sequenzen langgezogen an

Final Fantasy 7 Remake wird von Square Enix entwickelt und vertrieben. Das Rollenspiel erschien am 10. April 2020 zunächst für Playstation 4. Es folgten weitere Versionen für PS5, PC und seit Januar 2026 auch für Xbox Series S/X und Nintendo Switch 2. Transparenzhinweis: Für die Erstellung dieses Artikels wurde uns eine Releasefassung von Final Fantasy 7 Remake durch Publisher Square Enix zur Verfügung gestellt.

  1. Seite 1 Story, Charaktere, Präsentation
  2. Seite 2 Kampfsystem, Materia, Ausrüstung
  3. Seite 3 Grafik, Sound, Umfang, Fazit
  4. Seite 4 Update zur Switch-2-Version
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