Final Fantasy 16 im Test + Video: Mitreißendes, düsteres Action-Spektakel
Test
Mit Final Fantasy 16 beschreitet die altehrwürdige Rollenspiel-Reihe neue Pfade: düsteres Setting, erwachsenere Themen, starker Action-Fokus. Im Test klären wir, ob die neue Marschrichtung eine gute Idee war.
Die Nebenaufträge sind mechanisch absolute Standardkost und auch die Belohnungen sind größtenteils eher ein netter Bonus. Doch gut gefallen hat uns, dass viele von ihnen zusätzlichen Kontext zur Spielwelt geben oder dem wachsenden Cast an Nebenfiguren mehr Tiefe gewähren. So erfahren wir beispielsweise die Beweggründe von Clives Verbündeten oder erleben, WIE schlimm Träger in manchen Teilen Valistheas misshandelt werden.
An einer Stelle treffen wir etwa auf einen Adeligen, der in einem kranken Spiel Träger ausschickt, um seinen vermeintlich von einem Wolf bedrohten Sohn zu retten. Nur damit sie dann zur Belustigung von Vater und Sohn von dem Tier zerfleischt werden. Ja moin. Blöd nur, dass einer dieser Träger irgendwann Clive ist, für den ein popeliger Wolf keine Herausforderung darstellt. Die Hauptaufgaben bieten derweil ein gutes Pacing, bei dem immer die richtige Menge an ruhigen Momenten zwischen die intensiven Bombast-Highlights eingestreut wird. So bleibt genug Zeit, damit die zentralen Story-Geschehnisse sacken können, bevor der Hype-Regler wieder hochgedreht wird. Fabelhaft untermalt werden all diese Momente mal wieder durch einen hervorragenden Soundtrack, der an den richtigen Stellen für Gravitas sorgt.
Rollenspiel-Light
Auch wenn sich Final Fantasy 16 mit seinem Setting und den geerdeten Dialogen westlichen Rollenspielen wie Witcher 3 annähert, können wir serientypisch übrigens keine Entscheidungen in den Quests oder im Verlauf der Haupthandlung treffen. Überhaupt sind die Rollenspiel-Aspekte in Clives Abenteuer recht überschaubar.
Quelle: PC Games
Bei Stufenaufstiegen winken automatische Attributsverbesserungen und die Möglichkeiten bei Waffen und Rüstungs-Items beschränken sich darauf, einfach das zu nehmen, was die höchsten Werte hat. Spezialeffekte, elementare Widerstände oder Ähnliches gibt es nicht.
Selbst Statuseffekte wie Gift, Stumm oder Blind, wie man sie aus Vorgängern kennt, bleiben diesmal aus. Die einzige Ausnahme bieten Stärkungszauber, die gegnerische Magier sehr vereinzelt auf ihre Mitstreiter wirken.
Mehr Tiefe bieten die Esper-Fähigkeiten, die Clive an wichtigen Story-Momenten freischaltet und die man seinen Vorlieben nach zusammenwürfeln kann. Jede Esper bietet einen Kern-Skill und drei Angriffsfähigkeiten. Speziell die Kern-Fähigkeiten bedienen sehr unterschiedliche Kampf-Stile.
Phönix gewährt Clive einen Dash, während wir mit Titan mittels Granitschild Attacken blocken und Bahamuts Lichtschwingen eine starke Flächenattacke aufladen. Im Kampf dürfen wir dann bis zu drei Esper ausrüsten und diese frei durchschalten, um die Skills zu Kombos zu verbinden.
Quelle: PC Games
Jeder Skill kann dabei mit Fertigkeitspunkten erlernt, verbessert und gemeistert werden. Gemeisterte Angriffsskills wie die ikonische Giga-Flare können wir dann sogar in Slots anderer Esper wechseln, um so unser ganz eigenes Set an Fähigkeiten zusammenzubasteln. Praktisches Detail: Man kann jederzeit gelernte Skills wieder zurücksetzen und stattdessen andere ausprobieren.
Fetzige Kämpfe
In den Kämpfen kommt der Action-Fokus von Final Fantasy 16 am deutlichsten zum Vorschein. Wie in Final Fantasy 15 oder 7 Remake steuern wir auch hier unseren Helden direkt und verkloppen Gegner mit Schwerthieben, Zaubergeschossen und Fähigkeiten.
Mit seinen Kombos, Ausweich-Moves, Kontern und Limit-Rausch erinnert das Kampfsystem sogar an gängige Charakter-Actionspiele wie Devil May Cry oder Bayonetta.
Durch die aus Vorgängern wiederkehrende Bruch-Mechanik und die Esper-Skills ist gleichzeitig eine gute Portion Final-Fantasy-Feeling mit drin. Und der Mix geht auf: Die Auseinandersetzungen fühlen sich griffig an, sind top animiert und brennen ein Effektfeuerwerk ab, das einfach Spaß macht.
Mit ihren verschiedenen Facetten bieten die Kämpfe auch verschiedene Spielstile, wobei manche Taktiken abhängig vom Gegner-Typ besonders zum Erfolg führen. Gruppen von kleinen Monstern kann Clive etwa blitzschnell mit ein paar gezielten Esper-Skills erledigen.
Gegen Minotauren, Kanoniere oder andere Widersacher mit vielen Lebenspunkten helfen dagegen vor allem gut getimte Konter und ein gezieltes Niederringen der Bruchleiste. Ist die nämlich leer, geht der Gegner für kurze Zeit zu Boden und nimmt erhöhten Schaden. Schaffen wir es dann noch, eine lange Kombos zum Besten zu geben, erhalten wir obendrein einen Schadensmultiplikator.
Quelle: PC Games
Entsprechend wichtig ist es, die unterschiedlichen Stärken der Esper-Skills optimal auszuspielen. Garudas Fähigkeiten machen zum Beispiel sehr wenig Schaden, haben aber einen hohen Bruch-Effekt und sind tolle Kombo-Starter. Wo Clive dagegen mit Titans mächtigen Erd-Attacken hinschlägt, bleibt kein Stein auf dem anderen. Doch selbst, wenn man alle Register zieht, gibt es hin und wieder Gegner mit übertrieben vielen Lebenspunkten. Das sorgt dann gelegentlich für zähe Kämpfe, gerade im ersten Spieldrittel, wenn noch mächtige Skills fehlen.
