Bunte Optik, gefühlvolle Musik, entspanntes Gameplay und ein knuffiger Hauptdarsteller: Farewell North ist ein emotionales Indie-Spiel durch und durch.
Die blau gekennzeichneten Nebeninseln halten dafür eigene Szenarien und Schnipsel aus der Vergangenheit der beiden Protagonisten bereit und sind die Reise durchaus wert. Weil wir die Spielwelt auch nach dem Ende noch frei erkunden dürfen, können wir selbst entscheiden, wann und wie viel Zusatzcontent wir mitnehmen wollen.
Schön traurig
Ein Belohnungsgefühl stellt sich auch bei den goldenen Musiknoten ein, die wir im Kanu aufspüren, denn die lassen uns einen neuen Vers der gefühlvollen Titelmusik hören. Ohnehin weiß der Soundtrack zu überzeugen: Die Musik ist klar vom schottischen Setting inspiriert und spiegelt eine Verbundenheit zu dieser einzigartigen Natur wider, die auch das Storytelling in den Fokus stellt.
Quelle: Mooneye Studios
Die schönsten Momente erwarten uns nämlich, wenn wir eine Insel abgeschlossen haben und sich die anfangs graue Landschaft wieder in ihrer ganzen Farbenpracht präsentieren darf. Da kann das Spiel oft mit stimmungsvoller Beleuchtung und starken Kontrasten glänzen.
Rein technisch betrachtet sieht Farewell North manchmal auch aus wie das kleine Indie-Projekt in der Unity-Engine, das es nun mal ist. Animationen von Mensch und Tier sind recht steif und beim Rennen und Hüpfen wirkt Chesleys Körper oft, als wäre er nicht ganz auf die Umgebung angepasst.
Viel wichtiger sind hier aber ohnehin Stimmung und Story. Passend zum Thema ist Farewell North eine Reise, die ans Herz gehen will. Mit Inszenierung und Musik gelingt das auch, und Caileys bodenständige Vertonung mit schottischem Akzent tut ihr übriges. Allerdings verzichtet das Spiel weitestgehend auf einen klassischen Spannungsbogen.
Wir durchlaufen die Erinnerungen, die sie auf den Inseln gesammelt hat, ohne, dass sich die Hauptfigur groß weiterentwickelt oder sich ein erkennbares Ziel am Horizont auftut.
Schottlandreise im Zen-Zustand
Farewell North ist fast durchweg ein beruhigendes, meditatives Erlebnis. Dramatische Setpieces, wie sie etwa Gris oder Journey an besonderen Stellen auffahren, sucht man größtenteils vergebens. Das Pacing ist entschleunigt, was gut zum Szenario passt. Hier und da driftet es aber auch mal ins Langweilige ab, wenn wir unserem Frauchen minutenlang hinterherlaufen müssen, ohne, dass es viel zu sehen, zu hören oder zu spielen gibt.
Farewell North hat uns in den etwa fünf Stunden, die die Haupthandlung in Anspruch nimmt, so heruntergefahren, dass wir nicht mehr mit einem ergreifenden Ende rechneten. Umso schöner also, dass es uns doch noch mit einem Moment entlässt, der dank seiner bittersüßen Inszenierung wirklich nahegeht.
Das Ende gibt dem recht spannungsarmen Abklappern der Erinnerungen einen zusätzlichen Sinn und wertet das Erlebnis damit spürbar auf. Wenn ihr diese Art der emotionalen Indie-Spiele für das schätzt, was sie sein wollen, und mit etwas Leerlauf und anspruchslosem Gameplay klarkommt, ist Farewell North also die Reise wert. Stellt nur schon mal vorsichtshalber die Taschentücher bereit!
Farewell North ist ab dem 16. August für PC, Xbox Series S und X sowie Nintendo Switch erhältlich. Ob es irgendwann eine PS5-Fassung geben wird, ist bisher nicht bekannt. Transparenzhinweis: Die für diesen Test gespielte PC-Version von Farewell North wurde uns durch den Publisher Mooneye Studios bereitgestellt.
