Nebenaufgaben, Koop, Begleiter, KI-Schwächen, Arcade-Modus, PC-Version, Fazit und Wertung
Test 53,99 €
Far Cry 5 im Test: Geht mit der thematischen Neuausrichtung auch ein Qualitätssprung einher? Diese Frage klären wir in unserem Review zu Far Cry 5!
Auf dieser Seite
- 1 Far Cry 5 im Test: Zusammen ist man weniger allein
- 2 Far Cry 5 im Test: Dumm schießt gut
- 3 Far Cry 5 im Test: Sprachstörung
- 4 Far Cry 5 im Test: Ab in die Arcade!
- 5 Far Cry 5 im Test: Da wäre noch mehr drin gewesen!
- 6 Far Cry 5 im Test: Die PC-Version - Saubere Technik
- 7 Far Cry 5 im Test: Die PC-Version - Gute Steuerung
- 8 Far Cry 5 im Test: Meinung und Wertung
Die Welt ist zudem nicht mehr zugekleistert mit Sammelgegenständen. Ja, es gibt weiterhin welche, aber nur wenige und vergleichsweise sinnvolle. Hunderte Schatzkisten voller Plunder müssen Komplettisten diesmal also nicht fürchten! Das Bereisen genannter Welt macht dadurch auch gleich mehr Spaß - und fällt dank wieder einmal zahlreicher unterschiedlicher Gefährte, des seit dem vierten Teil bewährten Kletterhakens, unseres Wing Suits nebst Fallschirm und einer Vielzahl fair gesetzter Schnellreisepunkte zudem sehr komfortabel aus. Die sehr kurzen Ladezeiten sorgen ebenfalls für Stressvermeidung. Einige gelungene Nebenbeschäftigungen wie die abgefahrenen Stunt-Missionen und vor allem das umfangreiche Angel-Gameplay laden zusätzlich zum Verweilen in Hope County ein - idealerweise mit einem Freund an der Seite.
Far Cry 5 im Test: Zusammen ist man weniger allein
Quelle: PC Games
Mit NPCs zu reden, verkommt oft zur Geduldsprobe, weil sie sich von den kleinsten Kleinigkeiten ablenken lassen und das Gespräch infolgedessen abbrechen.
Erstmals nämlich lässt sich das gesamte Spiel wahlweise auch kooperativ erleben, also jede Haupt- und Nebenmission und auch sonst alle Aktivitäten in der Welt. Das ergibt aus Story-Sicht zwar keinerlei Sinn, allerdings wird auch gar nicht versucht, diesen Umstand zu erklären. Die Atmosphäre in einigen Momenten leidet dadurch zwar deutlich, allerdings machte der Koop-Spaß in unseren Anspiel-Sessions dieses Manko großteils wieder wett. Wer keine echten Freunde zur Hand hat, muss sich übrigens trotzdem nicht einsam fühlen. Im Spielverlauf treffen wir im Rahmen von Missionen auf insgesamt neun KI-Begleiter mit besonderen Fähigkeiten, die wir vom Menü aus an unsere Seite rufen können und die uns dann tatkräftig unterstützen.
Da wären zu Beispiel Fliegerass Nick, der Feinden aus hohen Höhen Saures gibt, Scharfschützin Grace, das ebenso dumme wie von allem, was Krachbumm macht, begeisterte Far Cry-Urgestein Hurk, Hund Boomer und Bär Cheeseburger, der sein namensgebendes Lieblingsgericht aufgrund fortgeschrittener Diabetes leider nicht mehr verspeisen darf. Zusätzlich können wir eine Vielzahl weiterer NPCs für temporäre Dienste anheuern, die dann aber über keine speziellen Talente verfügen.
Quelle: PC Games
Unter anderem durch das Befreien von Geiseln bekommen wir Widerstandspunkte, die wir benötigen, um die Seed-Geschwister aus der Reserve zu locken.
Dieses als "Guns for Hire" betitelte Feature ist sehr nett und gut implementiert - anders als unser Koop-Partner müssen die KI-Kameraden in gewissen Momenten draußen bleiben. Allerdings machen sie ein ohnehin schon einfaches Spiel noch einmal einen Zacken leichter. Wer in Far Cry 5 eine Herausforderung erleben will, dem raten wir darum, von Anfang an auf dem höchsten der drei Schwierigkeitsgrade loszulegen.
Far Cry 5 im Test: Dumm schießt gut
Quelle: PC Games
Wie im vierten Teil sind die Checkpoint-Rennen wie Stuntshows inszeniert und machen viel Laune.
So weit, so gut, so bekannt - auch, wenn Far Cry 5 strukturell etwas andere Wege als die Vorgänger geht, so ist es doch sehr nahe dran an dem, was man kennt und bringt einige unschöne neue Schwächen mit sich. Irgendwie hätten wir uns aber dennoch mehr erwartet als das, was das Spiel abliefert, denn im großen und ganzen ist es "nur" ein guter Open-World-Shooter. Ebenfalls nicht erwartet haben wir uns die Fülle an technischen Unzulänglichkeiten, welche uns während unserer Test-Sessions manchmal auf die Geduldsprobe stellten. Das fing bei Schnellreisen an, die uns an den falschen Ort setzten, führte über Missions-Glitches bis hin zu bizarren Physik-Ausfällen. Vor allem aber wurde die KI von Freund und Feind ganz schön versemmelt. Unsere Widersacher sind großteils strunzdumm und laufen gerne schnurstracks auf uns zu, egal, um welchen Feindestyp es sich handelt. Sind sie in Deckung, so legen sie es offenbar trotzdem darauf an, uns das Leben leicht zu machen und agieren gerne sekundenlang als menschliche Zielscheiben. Die meisten Gefechte sind dadurch ein Klacks, wenn man einfach in Bewegung bleibt und den Finger am Abzug hat.
Quelle: PC Games
Das Angel-Gameplay wurde sehr gut umgesetzt und unterhält über lange Zeit hinweg. Und ja, obwohl der kleine Kerl hier nicht so aussieht, hat er uns jede Menge Probleme bereitet!
Unsere Mitstreiter bleiben hingegen liebend gerne an Gegenständen hängen, machen nicht das, was wir von ihnen verlangen, blockieren Türen und laufen mitten in einen Kugelhagel hinein. Oh, oder sie steigen in Hubschrauber und fliegen weg, ohne uns mitzunehmen. Apropos Hubschrauber, da muss beim Programmieren ordentlich was schief gelaufen sein. Wir können gar nicht mitzählen, wie häufig es beim Testen zu bizarren Situationen mit Helis kam, sobald eine KI am Steuer saß. Regelmäßig verließen feindliche Hubschrauber kurzerhand das Schlachtfeld - besonders nervig, wenn man für den Missionsabschluss alle Gegner besiegen müsste, aber nicht über die vermaledeite Areal-Begrenzung schreiten durfte - verfingen sich in Objekten, standen einfach in der Luft und machten nichts oder stürzten spontan ab, ohne dass auch nur ein Schuss auf sie abgegeben worden war. Das ist die ersten paar Male lustig, irgendwann nervt es aber nur noch.
Far Cry 5 im Test: Sprachstörung
Quelle: PC Games
Die dreidimensional gestaltete Map ist echt gut gelungen und erlaubt uns einen guten Überblick über Hope County.
Der dümmste KI-Bug bezieht sich aber auf unsere Auftraggeber beziehungsweise Gesprächspartner. Ärgerlich genug, dass wir sie nicht ansprechen können, wenn gerade ein Mitstreiter oder eines der Seed-Geschwister über Funk mit uns spricht - und das passiert häufig - und wir warten müssen, bis der Funkspruch vorbei ist, um unsere KI-gegenüber anzusprechen. Sobald sie endlich mal den Mund aufgemacht haben, neigen sie mit großer Regelmäßigkeit dazu, mitten im Satz aufzuhören, weil 200 Meter entfernt ein Eichhörnchen gehustet hat. Es ist eine wahre Qual, zu versuchen, mit einigen der NPCs im Spiel zu sprechen, weil ständig irgendetwas in der Nähe passiert, was sie so ablenkt, dass sie wegrennen, sich verstecken oder eine dauerhafte Verteidigungspose gegen einen unsichtbaren Feind einnehmen. Wir hoffen, dass Ubisoft hier und bei den anderen technischen Unzulänglichkeiten schnell nachpatcht. Zwar war Far Cry 5 für uns trotzdem niemals unspielbar, unsere Frusttoleranz wurde aber gehörig auf die Probe gestellt. Dass das Geschehen stets sehr flüssig läuft und nicht nur die künstlerische, sondern auch die grafische Umsetzung der Spielwelt sehr gut ausfällt, ist da nur zum Teil ein Trost.
Far Cry 5 im Test: Ab in die Arcade!
Quelle: PC Games
Von den drei erforschbaren Arealen der Spielwelt ist jenes, über das Faith Seed herrscht, das wohl interessanteste.
Abseits des Hauptspiels erwartet uns der neue Arcade-Modus, der wahlweise vom Hauptmenü aus, aus dem Spielermenü heraus oder an Spielautomaten und Postern in der offenen Welt angewählt werden kann. Darin enthalten: Der Leveleditor, der nach seiner Abwesenheit in Far Cry Primal seine glorreiche Rückkehr feiert, sowie der kompetitive Mehrspielerpart des Abenteuers. Die Entwickler haben hier ganz schön in die Vollen gegriffen und lassen uns nicht nur mit Assets aus Far Cry 5, sondern auch aus diversen Serien-Vorgängern sowie aus einigen Assassin's Creed-Ablegern und Watch Dogs Levels bauen. Das Basteln geht so gut wie eh und je von der Hand und erlaubt das Erstellen hochkomplexer Maps ohne jegliche Programmierkenntnisse. Sehr schön - und gerade auf Konsolen durchaus ein würdiger Ersatz für Mods! Lediglich die Funktion, welche uns zeigt, was für Probleme es auf der Map zu beseitigen gibt, bevor sie spielbar ist, ist für unseren Geschmack zu tief in den Wirren des Optionsmenüs versteckt. Bei unserem ersten kreativen Gebilde waren wir kurz vorm Verzweifeln, weil das Spiel ständig irgendwelche Fehler auf der Map ausmachte und wir die Überprüfen-Option lange Zeit nicht finden konnten.
Neben Mehrspieler-Maps können wir auch Singleplayer-Levels bauen, in denen es entweder gilt, an ein vorgegebenen Ziel zu gelangen, eine Zielperson auszuschalten oder alle Feinde zu erledigen - und auch hier können wir wahlweise stets mit einem Koop-Partner gemeinsam ran. Zu unserem Testzeitpunkt waren noch relativ wenige Fan-Kreationen online, diese gaben aber bereits einen Einblick, worauf wir uns in Zukunft freuen können. Der verstärkte Fokus auf den Editor im Vergleich zu den Vorgängern dürfte sich gelohnt haben!
Quelle: PC Games
Die Landschaften sind teilweise wunderschön gestaltet. Zudem erweisen sich die verschiedenen Areale als thematisch recht abwechslungsreich.
Die kompetitiven Matches hingegen machen Laune, stellen aber wie schon bisher definitiv nicht den Hauptgrund dafür dar, warum man sich Far Cry kaufen sollte. Lediglich in den beiden Modi Deathmatch und Team Deathmatch kann man sich hier messen, bevor man sich wieder den anderen, interessanteren Aspekten des Abenteuers zuwendet. Durch die Verknüpfung mit dem Level-Editor dürfte es hier aber zumindest niemals eine Mange
l an interessanten Maps geben.
Far Cry 5 im Test: Da wäre noch mehr drin gewesen!
Quelle: PC Games
Der Leveleditor ist simpel, aber sehr umfangreich und erlaubt das Erstellen richtig toller Maps - entsprechendes Talent vorausgesetzt.
Theoretisch also dürfte Arcade dem Spiel dank immer neuer Fan-Kreationen quasi unendliche Spielzeit beschweren. In der Praxis aber ist es "nur" eine sehr, sehr gute Ergänzung zum Hauptspiel, welches seinerseits die Erwartungen zwar großteils erfüllt, aber nicht übertrifft und - wenn man sich auf die Eroberung der drei Gebiete beschränkt - zudem vergleichsweise kurz daherkommt. Gerne hätte wir Far Cry 5 geliebt, werden davon aber durch eine zu große Menge an spielerischen und technischen Makeln abgehalten. Davon sollte sich niemand abschrecken lassen, der sich schon auf das Spiel gefreut hat - es ist trotzdem sehr gut! Ein Highlight, an das wir noch lange zurückdenken werden, ist es aber eben auch nicht geworden.
Far Cry 5 im Test: Die PC-Version - Saubere Technik
Während wir die PS4- und Xbox-Fassungen von Far Cry 5 schon eine knappe Woche vor Release testen konnten, trudelte die PC-Version erst am vergangenen Wochenende bei uns ein. Darum gibt es unsere Einschätzung samt Wertung der PC-Version erst jetzt: Die PC-Version hinterlässt im Test einen optisch runden Eindruck und glänzt mit hoher Weitsicht, schöner Vegetation, stimmungsvoller Wasserdarstellung und sehr hübscher Beleuchtung. Wie auch unsere Kollegen von PC Games Hardware in ihren Messungen bestätigen, zeigt die PC-Fassung von Far Cry 5 eine durchweg gute Performance, besonders der Hunger nach Videospeicher hält sich in Grenzen - dadurch können auch Besitzer von Mittelklasse-Grafikkarten gut in Full HD spielen, sofern einige Grafikdetails reduziert werden. Aufpoppende Objekte und Schatten gibt es zwar vereinzelt, allerdings werden sie meist so geschickt kaschiert, dass sie in der Spielpraxis nicht auffallen. Wichtig für Besitzer älterer Rechner: Die Grafikeinstellungen sind zwar überschaubar, bieten aber die wichtigsten Optionen, um die Grafikqualität an die Leistung der eigenen Hardware anzupassen. Bugs sind uns während unserer Spielzeit kaum aufgefallen, hier und da zeigte die KI mal Aussetzer und und gelegentlich verhedderten sich Charaktere in der Spielumgebung - das sind allerdings Probleme, die alle Fassungen betreffen und nicht nur den PC.
Quelle: PC Games
Die satten Explosionen und Effekte kommen auf dem PC dank hoher Frameraten gleich nochmal so gut zur Geltung.
Die Systemanforderungen von Far Cry 5 findet ihr hier in einer schnellen Übersicht. Wer zusätzlich über Tobii Eyetracking-Hardware verfügt, dem stehen in Far Cry 5 interessante Features offen, beispielsweise kann man so nur mit dem eigenen Blick Gegner markieren oder KI-Begleitern Befehle erteilen. Ein ähnliches Konzept hatte Ubisoft bereits bei The Division verfolgt.
Far Cry 5 im Test: Die PC-Version - Gute Steuerung
Quelle: PC Games
Far Cry 5 im Test: Screenshot aus der fertigen PC-Version
Prima: Wir dürfen das Interface in massenhaft Details anpassen, von Hilfsanzeigen und Zielmarkierungen über Fadenkreuz, Lebensbalken, Kompass bis hin zur Fahrhilfe und vielem mehr. Wer's gerne hardcore mag, schaltet einfach alle Anzeigen aus und genießt Far Cry 5 in seiner puristischsten Form. Sogar das Waffenauswahlmenü schalten wir auf Wunsch in zwei Varianten um. Optionales Friendly Fire sorgt außerdem im Koop-Modus für zusätzliche Würze.
Einzig bei der standardmäßigen Tastenbelegung hat es Ubisoft etwas übertrieben: Far Cry 5 belegt gefühlt die halbe Tastatur mit seinen zig Funktionen, wir mussten hier etwas Zeit investieren, bis wir die richtige Auswahl für uns gefunden hatten. Hat man das aber hinter sich gebracht, spielt es sich mit Maus und Tastatur ausgesprochen rund, wenn auch etwas zu leicht: Dank der Genauigkeit der Maus fallen viele Gefechte noch simpler aus als mit Gamepad, fühlen sich aber serientypisch gut an. Egal ob wir das dynamische, unaufdringliche Deckungssystem nutzen, über den Boden schlittern oder Gegner mit Wurfmessern ausschalten - die Steuerung ist gut und präzise, einzig das Trefferfeedback wirkt auf Distanz etwas ungenau, da man hier oft nicht genau weiß, ob man den Gegner nun getroffen hat oder nicht.
Quelle: PC Games
Schon auf Mittelklasse-Grafikkarten kann sich die offene Spielwelt von Far Cry 5 mehr als sehen lassen.
Das Arcade-Menü, in dem wir Maps aus der Community und den Mehrspielermodus starten, fällt etwas gewöhnungsbedürftig, weil unübersichtlich aus und die Spielersuche im Multiplayer verdonnert uns in einen schlichten Wartebildschirm, der uns null Infos darüber gibt, ob und welches Match in Kürze startet. Hier darf Ubisoft ruhig noch etwas nachbessern!
