Die Fallout-Story - Kuriositäten und mehr
Special 18,99 €
Mit seinem postnuklearen Setting zündete die Fallout-Reihe regelrecht eine Atombombe. Im Report beleuchten wir seine Geschichte und seinen Nachfolgern.
Nicht unsere Welt
Es ist eigentlich recht offensichtlich: Die Welt von Fallout hat nicht allzu viel mit der unsrigen zu tun. Denn ähnlich der TV-Serie The Man in the High Castle handelt es sich bei Fallout um eine Alternativweltgeschichte. Heißt: Ab einem gewissen Punkt in der Historie hat sich die Zeitlinie von Fallout in eine andere Richtung entwickelt als in der Realität - in eine ganz andere!
Unter anderem ist im Fallout-Universum statt Juri Gagarin ein gewisser Carl Bell der erste Mensch im All gewesen. Im Jahr 1969 werden die USA von 50 Bundesstaaten in 13 Commonwealths gegliedert. Statt der Sowjetunion entwickelt sich China zur größten Bedrohung der USA - und fällt 1966 in Alaska ein. Ebenso formen sich statt der Europäischen Union hier die Vereinigten Staaten von Europa. Ach, und die USA verleiben sich mal kurzerhand Kanada ein.
Doch die größte Abweichung von der Realität ist wohl, dass die Begeisterung für Kernenergie, Röhrengeräte und futuristisches 50er-Jahre-Design nie versiegte. Atom-Autos, Roboter-Diener und Energiewaffen wurden damit möglich. Dann wäre da natürlich noch der Große Krieg vom 23. Oktober 2077. Wobei unklar ist, wer als Erster die Raketen abgefeuert hat. Sicher ist: Zwei Stunden lang schlugen überall Bomben ein - dann war der Krieg vorbei und verloren ... für alle
In diesem Artikel
Das echte Fallout 3 und andere Leichen
Sicherlich ist Fallout 3 Bethesda gut gelungen und hat die Serie erst so großgemacht, wie sie heute ist. Aber für viele Fans der ersten Stunde ist das wahre Fallout 3 dennoch ein anderes - nämlich die Fortsetzung, die bei Black Isle einst unter dem Codenamen Van Buren entstand, benannt nach dem US-Präsidenten Martin Van Buren (1837 bis 1841 im Amt). Bereits zuvor gab es einige erfolglose Versuche, ein neues Fallout anzuschieben. Aber letztlich war es dem Team gelungen, die Entwicklung gegen die Widerstände der Interplay-Führung durchzusetzen.
Quelle: Interplay
Im Jahr 2005 waren die Designdokumente für Van Buren ins Netz gelangt. Im Mai 2007 veröffentlichte die Website No Mutants Allowed eine unfertige und ziemlich fehlerhafte Tech-Demo.
In der Geschichte von Van Buren sollte der Spieler einen Gefangenen - wahlweise Mensch, Supermutant oder Ghul - mimen, der bei einem Angriff auf ein Gefängnis entkommen kann. Er schafft es ins Ödland und gerät zwischen die Fronten der Republik Neukalifornien und der Stählernen Bruderschaft. Dabei hätte er den Hoover-Damm, den Grand Canyon und das zerstörte Denver besucht. Im Schlussakt sollte er auf eine orbitale Waffenbasis fliegen. Auf der Station namens BOMB.-001 sollte er verhindern, dass die Welt erneut von Nuklearraketen zerfurcht wird. Allerdings war geplant, dass man nicht alle Sprengköpfe aufhalten kann und bestimmen muss, was die Raketen einäschern.
Van Buren sollte die für Baldur's Gate 3: The Black Hound entwickelte Jefferson Engine und dessen "Echtzeitkampf mit Pause"-System nutzen. Da Interplay die Rechte für die Advanced Dungeons &Dragons-Lizenz verlor, musste man dieses Vorhaben abbrechen. Als Van Buren mit der Schließung von Black Isle im Dezember 2003 starb, waren bereits viele Schauplätze gestaltet. Mehrere Missionen waren lauffähig und das Rollenspielsystem implementiert. Das sollte einige Facetten wie etwa den Talentbaum vereinfachen und eine größere Freiheit bei der Charaktergestaltung erlauben.
Van Buren ist aber nicht das einzige Fallout, das nie erschien. Interplay hatte kurzfristig an einem Top-Down-Shooter für die PlayStation gearbeitet. Im Jahr 2000 wurde mit Fallout Extreme wenige an einem Ego- und Third-Person-Shooter für Xbox und PlayStation 2 gewerkelt. Auch ein Fallout Tactics 2 war geplant. Selbst ein Fallout: Brotherhood of Steel 2 mit dem Untertitel Vagrant Lands war zeitweise in der Mache. Die Entwicklung hatte bereits vor dem Erscheinen des Originals begonnen und sollte Story-Fragmente von Van Buren enthalten. Doch dann wurde das gesamte Team 2004 entlassen.
Quelle: Interplay
Einige Konzeptzeichnungen für Van Buren waren richtig spektakulär. Darunter zum Beispiel die Karossen von Caesars Legion, die römischen Pferdewagen nachempfunden sind.
Das Fallout-MMORPG
Wenn eine fiktive Welt für ein Online-Rollenspiel prädestiniert ist, dann doch wohl die von Fallout! Das dachte sich auch Interplay und behielt sich beim Verkauf der Lizenz an Bethesda das Recht vor,
Quelle: Interplay
Bevor die Arbeit an Fallout Online eingestellt wurde, hatte Interplay angeblich bereits eine Karte von der Größe von 170.000 Quadratkilometern gestaltet. Viel gesehen hat man davon aber letztlich nicht.
diese für ein Fallout Online zurück zu lizenzieren. Tatsächlich haben die Arbeiten 2007 begonnen, wobei Interplay vom bulgarischen Entwickler Masthead unterstützt wurde. Die Spieler sollten zwischen Menschen und Mutanten als Fraktion wählen, eine Siedlung aufbauen, Kämpfe führen und NPCs für ihre Kolonie rekrutieren.
Im Jahr 2009 hat Bethesda Interplay jedoch Vertragsbruch vorgeworfen und einen Rechtsstreit losgetreten - angeblich wären Vorgaben der Lizenzvereinbarungen nicht eingehalten worden. Der Streit endete drei Jahre später damit, dass Bethesda für zwei Millionen Dollar die Lizenz für Fallout Online zurückkaufte. Ende 2012 war die Entwicklung bei Interplay offiziell gestoppt worden. Stattdessen wurde bei den wieder gegründeten Black Isle Studios das Project V13 angeschoben - das mehr oder minder das gleiche Spiel war. Eine kurz darauf gestartete Crowdfunding-Kampagne brachte allerdings nur wenige Tausend Dollar ein. Seitdem war nichts mehr von Project V13 oder den Black Isle Studios zu hören.
Für Fallout-Retro-Fans: Fast wie in den 90ern
Viele Fans, die die Fallout-Serie von Anfang an begleiten, können sich durchaus für die moderne Interpretation des postapokalyptischen Universums erwärmen. Aber ebenso sehnen sich nicht wenige nach dem nostalgischen Spielerlebnis der Fallout-Reihe im Stile der 90er-Jahre zurück. Also: Iso-Perspektive, Rundentaktik und feine Pixel. Einige Projekte machen dies möglich, denn sowohl engagierte Fans als auch professionelle Spielemacher haben die gleiche Sehnsucht.
Quelle: Stygian
Underrail
Underrail
Mit Underrail hat der Indie-Entwickler Stygian Software ein Rollenspiel im Geiste von Fallout entwickelt und dafür sowohl den Look als auch das Kampfsystem adaptiert. Auch das Regelsystem ist stark von SPECIAL inspiriert. Die Story? Nach einer Katastrophe, die weitgehend im Unklaren bleibt, flüchtete sich die Menschheit unter Tage und haust in U-Bahnschächten und Bunkeranlagen. Hat hier jemand Metro 2033 gesagt? Dort bleibt es natürlich nicht friedlich, sondern Banditen und Kulte liefern sich blutige Auseinandersetzungen.
Quelle: Fonline
Fonline
Fonline: Ashes of Phoenix / Fonline: Reloaded
Nachdem es mit einem echten Fallout Online bisher nichts geworden ist, haben Fans mit Fonline ein eigenes Fallout-MMORPG entwickelt. Das nutzt die Grafiken der Originalspiele und damit eine Iso-Perspektive. In der Umgebung von Phoenix können Spieler in dem komplett kostenfreien Spiel online Kämpfe ausfechten. Im von einem separaten Team entwickelten Fonline: Reloaded, das die gleiche Grundidee verfolgt, geht es hingegen mehr darum, eine persistente Welt zu gestalten, Ressourcen zu ernten, Siedlungen zu bauen und Aufträge zu erfüllen.
Quelle: InXile
Wasteland 2
Wasteland 2
Es ist selbstverständlich, dass Wasteland 2 auf diese Liste gehört. Schließlich ist es der Nachfolger des geistigen Vaters von Fallout. Lange hatte Brian Fargo gekämpft, um das Spiel zu realisieren - und um Electronic Arts die Rechte abzuluchsen. In Wasteland 2 macht sich eine Gruppe Desert Ranger auf, um den Tod eines Kameraden und ein mysteriöses Funksignal zu untersuchen, wodurch sich eine große Bedrohung offenbart. Mit Iso-Perspektive und einem von Fallout Tactics inspirierten Kampfsystem ist Wasteland 2 ein echtes Nostalgiefest.
Quelle: Troika
Arcanum
Arcanum: Von Dampfmaschinen und Magie
Arcanum ist sicher kein Meisterwerk und hat einige ziemliche grobe Fehler. Aber es verkörpert viele der Tugenden, die das ursprüngliche Fallout ausmachen. Das kommt nicht von ungefähr, stehen doch Tim Cain und sein Studio Troika dahinter. Postapokalypse gibt's hier aber nicht, sondern eine Fantasy-Welt, in der Technik und Magie aufeinandertreffen. Als Überlebender eines Zeppelinabsturzes muss der Spieler herausfinden, wer ihn beinahe umgebracht hat. Dabei erwarten euch wahlweise Runden- oder Echtzeitkämpfe, viele Dialoge und ein durchaus faszinierendes Universum.
