FIFA 23: Die Fußball-Simulation im Test - Seite 2
Test
Crossplay, Frauenfußball, WM-Modi: Was taugen die Neuerungen von EA Sports FIFA 23? Wir klären alles Wichtige zu Gameplay und Inhalt im ausführlichen Test.
Das gefällt natürlich nicht jedem. Gerade unter eSportlern und Streamern regt sich bereits an Kritik: FIFA 23 sei zu träge, zu unpräzise, zu schwammig. Und auch wir sind mit FIFA 23 nicht wunschlos glücklich. Gerade in der Defensive tun sich öfter mal Probleme auf. Da laufen KI-gesteuerte Verteidiger lieber vom Ball weg als zum Ball hin, der Torhüter macht nicht die kurze Ecke zu oder der Spielerwechsel will bei einem gegnerischen Konter einfach nicht richtig funktionieren. So lässt sich der letzte Mann, der vielleicht noch den entscheidenden Stopp setzen könnte, einfach nicht anwählen. Auch die Spieler-Kollisionen laufen nicht immer ganz sauber. Und trotzdem können wir uns wohl an kein FIFA erinnern, an dem wir zu Beginn so viel Spaß hatten. Bleibt nur zu hoffen, dass EA dieser Linie treu bleibt und nicht einknickt. Es wäre schon schade, wenn man mit kommenden Patches einfach zum Spielgefühl des Vorgängers zurückkehren würde.
Was hingegen noch gepatcht werden dürfte, ist das Crossplay! Das funktioniert zwar so weit einwandfrei. Ihr könnt im Hauptmenü festlegen, ob ihr gegen Spieler auf anderen Plattformen antreten wollt oder nicht. Außerdem wurde das Social Hub überarbeitet, sodass ihr jetzt auch auf der PS5 einfach eine Einladung an einen Kumpel auf der Xbox oder dem PC senden könnt. Ärgerlich sind allerdings die Einschränkungen: Crossplay funktioniert nur in Eins-gegen-eins-Modi wie Online-Saisons oder Division Rivals, nicht in Pro Clubs oder Online-Koop. Eine verpasste Chance.
In diesem Artikel
WMs und Women's Football
Nächster Punkt: Ist FIFA 23 das größte FIFA aller Zeiten? Nun, ja und nein. Ein starkes Argument dafür sind natürlich die beiden WM-Modi, die im Laufe der kommenden Monate nachgereicht werden sollen. Obendrein hat es nach mehreren Jahren Abstinenz auch die italienische Serie B zurück ins Spiel geschafft. Ergänzt wird das Gesamtpaket um ein paar einzelne Vereine wie Juventus Turin, den AFC Richmond aus der Apple-TV-Serie Ted Lasso oder den AFC Wrexham von Deadpool-Schauspieler Ryan Reynolds.
Die neuen Frauenmannschaften darf man natürlich auch nicht unter den Teppich kehren, wobei hier schon das erste große ABER kommt: Die Teams der Women's Super League und der Division 1 Féminine sind nur in Anstoß, Online-Saisons und Offline-Turnieren spielbar, einen eigenen Karrieremodus gibt es nicht. Dazu hat es EA Sports teilweise nicht mal geschafft, die komplette Startelf von Chelsea oder Olympique Lyon mit echten, gescannten Spielergesichtern auszustatten. So wirkt die Implementierung ein wenig halbgar, als sei das Ganze nur ein PR-Stunt gewesen.
Und zu allem Überfluss müssen Spieler in diesem Jahr dann auch noch einen Schwund in Sachen Lizenzen verkraften: Der SSC Neapel läuft künftig unter dem Fantasienamen "Napoli FC" auf, die gesamte Liga MX sowie die J League gibt's nur noch exklusiv in Konamis eFootball.
Quelle: PC Games
Bei den Frauen-Ligen war EA etwas geizig: Die Bundesliga ist beispielsweise nicht mit dabei.
Trauerspiel Karrieremodus
Das ist natürlich auch ein herber Verlust für den Karrieremodus. Wobei der dieses Jahr ohnehin ein wenig enttäuschend daherkommt. Normalerweise würden wir hier ausschweifend über unsere Erfahrungen als Hobby-Trainer sprechen, EA Sports hat FIFA 23 allerdings so wenige neue Manager-Features verpasst, dass man die relativ schnell abhandeln kann:
- Die neuen Menüs. Die wurden, um einen einheitlichen Look zu schaffen, an die von Ultimate Team angepasst. Ihr habt jetzt also eine zusätzliche Übersichtsleiste am unteren Bildschirmrand. Das als "Neuerung" zu verkaufen ist aber schon ein wenig dreist, zumal die Bedienung unter der neuen Nutzeroberfläche eher leidet, weil man sich als alteingesessener Veteran überhaupt nicht mehr zurechtfindet.
- Die authentischen Manager. Die sind leider nicht mehr als ein paar kosmetische Skins für euren Avatar. Sie bringen euch keinerlei spielerischen Vorteile - und es gibt auch noch lächerlich wenige davon! Aus den ersten beiden Bundesligen hat es beispielsweise nur Edin Terzic ins Spiel geschafft, ohne realistisches Gesicht natürlich.
- Die neuen Cutscenes. Wenn ein Spieler euren Verein verlässt, wird er jetzt emotional auf der Geschäftsstelle verabschiedet. Weil dabei niemand spricht, hat das alles aber eher was von Slapstick. Die Sequenzen wiederholen sich zudem schon nach kurzer Zeit viel zu oft.
- Das neue Transfer-Bewertungssystem. Das bietet keinen direkten Mehrwert und ist auch sonst ziemlich überflüssig, weil es keine damit verbundenen Manager-Ziele gibt. Ihr bekommt also nie gesagt, dass ihr etwa einen Transfer mit der Note A abschließen sollt.
- Neue Details in Create Your Club. Ihr könnt jetzt unter anderem euer Torwarttrikot auswählen oder eure Spieler im Team-Editor individuell anpassen. Das ist tatsächlich mal etwas Sinnvolles, hätte aber auch per Patch nachgereicht werden können.
