FIFA 23: Kein krönender Abschluss - Die FIFA-Serie hätte ein besseres Ende verdient
Kolumne
Nach 30 Jahren findet die FIFA-Serie in diesem Herbst ihr Ende: Mit FIFA 23 erscheint offiziell der letzte Teil der Fußballsimulation, bevor Electronic Arts sie künftig unter dem Namen EA Sports FC weiterlaufen lässt. Zum krönenden Abschluss wollen die Macher nochmal das bestmögliche Spielerlebnis liefern. Warum das nicht geklappt hat, erklärt Redakteur David Benke in seiner Kolumne.
Mit FIFA 23 geht in diesem Herbst eine Ära zu Ende: Nach 30 Jahren, über 100 Millionen verkauften Einheiten und Gewinnen, die wohl weit in die Milliarden gehen, schickt Electronic Arts seine Sportsimulation vorzeitig in Rente. Oder besser gesagt: den Namen seiner Sportsimulation. Nachdem man sich mit dem Fußball-Weltverband nicht auf einen neuen Lizenz-Deal einigen konnte, geht die Serie 2023 unter dem Titel EA Sports FC weiter. FIFA 23 ist also der letzte Ableger, auf dessen Cover die ikonischen vier Buchstaben prangen werden. Entsprechend wollen die Macher zum Abschied nochmal alles raushauen und sich mit einem großen Knall verabschieden. FIFA 23 muss etwas Besonderes sein. Das größte, schönste und natürlich beste FIFA, das jemals veröffentlicht wurde.
Nachdem die Macher jetzt aber erste Details zu Inhalten, Gameplay und Modi veröffentlicht haben, kann ich nur sagen: So komplett überzeugt bin ich davon noch nicht.
In diesem Artikel
Viel Schönes dabei
Versteht mich nicht falsch: Beim Serienfinale ist EA Sports wirklich in die Vollen gegangen. Es gibt jetzt Crossplay, gleich zwei WM-Modi und einen größeren Fokus aufs Thema Frauenfußball. Die PC-Version ist endlich auf demselben Niveau wie die der Current-Gen-Konsolen. Die Präsentation ist noch schicker, sogar die Grashalme auf dem virtuellen Rasen haben eine Schönheitskur spendiert bekommen.
Und trotzdem bleibt bei mir so ein wenig der fade Beigeschmack, dass da irgendwie noch mehr drin gewesen wäre. Für mich war EA Sports in vielen Bereichen einfach zu halbherzig. Da wurden Dinge einfach nicht konsequent zu Ende gedacht. Das fängt schon beim Gameplay an. Da sind zwar ein paar spannende Detail-Veränderungen dabei: Die neuen Power Shots schauen zum Beispiel ganz spaßig aus und könnten dem Offensivspiel eine zusätzliche Facette verleihen. Eck-, Straf- und Freistößen wurde ein neuer Anstrich verpasst, was gerade mit Blick auf die WM-Modi nicht so dumm ist. Da wird ja sicherlich das eine oder andere Spiel ins Elfmeterschießen gehen. Standards intuitiver und weniger fummelig zu gestalten, sollte sich also auszahlen.
Crossplay mit Kompromissen
Quelle: EA Sports
Der Pro Clubs Modus unterstützt keinerlei Crossplay.
Aber abgesehen davon sucht man die großen Innovationen doch wieder mit der Lupe. Stattdessen hatte ich beim Anspielen das Gefühl, einfach nur FIFA 22 mit ein paar Extras zu spielen - und keinen komplett neuen Titel. Was vielleicht auch daran liegen könnte, dass EA Sports nochmal dieselben Features anpreist wie letztes Jahr: HyperMotion. Realistischere Animationen. Mehr Kontrolle beim Dribbeln. Irgendwas Bahnbrechendes war da nicht dabei, sondern nur die üblichen Kandidaten aus dem Buzzword-Bingo, die halt eben einmal neu zusammengewürfelt wurden.
Auch abseits des Platzes hat EA Sports einige Chancen liegen lassen, zum Beispiel in Sachen Crossplay: Da bieten einem die Macher nach fast 30 Jahren endlich die Möglichkeit, über mehrere Plattformen hinweg mit seinen Freunden zu spielen. Und dann funktioniert das nur mit Einschränkungen! Okay gut, dass Current Gen und Old Gen nicht zusammen zocken können, da kann man nicht drüber meckern. Das ist ja rein der Fairness geschuldet.
Aber warum gibt's Crossplay nicht wenigstens in allen Modi? Durch die Entscheidung, sich allein auf 1-gegen-1-Matches in Ultimate Team und Online-Saisons zu konzentrieren, schauen wieder mal Tausende Spieler doof in die Röhre. Zum Beispiel Leute, die gerne mit ihren Freunden im Online-Koop zusammenspielen wollen. Oder die gesamte Pro-Clubs-Community, die sich bereits mit einem offenen Brief an die Entwickler gewandt hat, weil sie sich mal wieder kollektiv ignoriert fühlt.
