FIFA 22: Warum mich der Reveal schon wieder richtig sauer macht
Kolumne
Mit einem schicken Render-Trailer haben EA Sports in der vergangenen Woche FIFA 22 enthüllt. Statt ekstatischer Vorfreude herrscht bei Redakteur David Benke allerdings nur absolute Fassungslosigkeit. Warum? Das verrät er in seiner Kolumne!
Es ist gerade mal einen knappen Monat her, dass ich hier in einer weiteren Kolumne erklärt habe: Seit ich kein FIFA mehr spiele, bin ich deutlich entspannter! Jetzt haben die Macher von EA Sports einen ersten Trailer zum neuen Teil ihrer Fußball-Simulation veröffentlicht und ich kann einfach nicht anders, als mich schon wieder tierisch aufzuregen.
Was war das denn bitte für eine unterirdische Enthüllung? Was die Macher am letzten Sonntag in ihrem knapp zweiminütigen Werbevideo zeigten, kann man ja wohl nur als Frechheit bezeichnen. Als absolute Beleidigung dem Kunden gegenüber, der hier wieder einmal für komplett dumm verkauft wird.
Auf dieser Seite
Klingt toll, sagt nichts
Quelle: Electronic Arts
FIFA 22: Warum mich der Release-Trailer des EA-Kickers schon wieder sauer macht! (4)
Fangen wir doch mal mit dem Inhalt des offiziellen Reveal-Trailers an - wenn man ihn denn überhaupt so nennen kann. Denn tatsächliches Gameplay gab es hier natürlich keines zu sehen. Stattdessen bekamen wir ein paar Rendersequenzen präsentiert, immerhin In-Engine, die dann mit ein paar wackeligen Realfilmaufnahmen vermischt wurden. Und dann natürlich wieder jede Menge nichtssagende Buzzwords. Das neueste davon: Hypermotion Technology. Klingt toll, innovativ und nach einem echten Gamechanger. Was genau dahinter steckt, verrieten die Entwickler aber natürlich nicht.
Am Ende des Trailers saß ich also einfach nur da und fühlte mich genau so schlau wie vorher. Wirkliche Erkenntnisse ließen sich aus dem Video nicht ziehen. Bewegen sich Spieler jetzt anders? Läuft das Spiel künftig flüssiger? Ganz ehrlich: Keine Ahnung. Das will EA offenbar aber auch gar nicht verraten. Hauptsache ist: Das Gezeigte sieht möglichst beeindruckend aus und weckt die Begierde, am besten gleich drei Exemplare vorzubestellen.
Deja-vu
Wer's unbedingt etwas genauer wissen will, der schaut auf der Website von FIFA 22 (jetzt kaufen ) nach. Aber besser auch nicht zu genau, oder ihm geht gleich wieder der Puls durch die Decke. Denn auch hier überschlägt man sich einfach nur mit leeren Phrasen. Der neueste EA-Kicker liefert angeblich "ein völlig neues Spielerlebnis" und "revolutionäres Fußball-Gameplay". In diesem Jahr ist alles "bahnbrechend" anders - wie in den letzten Jahren eben auch. Ja, schön und gut. FIFA 22 sieht jetzt dank neuartigem Motion Capture noch schicker und flüssiger aus. Aber die Animationen waren in der Vergangenheit doch noch nie so wirklich das Problem. Das waren dann doch eher die Server, das inkonstante Gameplay oder schlecht ausbalancierte Spielmechaniken. Inwiefern an denen gearbeitet wurde, das verrät EA nur in ein paar Nebensätzen: die KI agiert nun noch taktischer, Zweikämpfe wurden optimiert und intensiviert, die Ballkontrolle läuft künftig natürlicher und nahtloser.
Klingt vertraut? Das könnte daran liegen, dass das, was EA hier anpreist, auch genauso gut der Werbetext für FIFA 21 sein könnte. Zur Erinnerung: Das versprach damals mit dem Agilen Dribbling eine reaktionsschnellere und engere Ballführung. Ein natürliches Kollisionssystem sorgte für flüssigere Spielerinteraktionen, die Positioning Personality für noch größere Spielintelligenz. Auch in Sachen Modi fährt EA wieder die Schiene "Aus alt mach neu". Im Karrieremodus dürft ihr nun etwa einen eigenen Verein erstellen und mit ihm das internationale Fußball-Geschäft aufmischen. Wieder einmal. Denn die Möglichkeit gab es bereits in früheren Spielen der Reihe. Von FIFA 11 bis FIFA 15 konntet ihr im Creation Center eigene Teams mit individuellen Wappen und Trikots zusammenbauen. Die durften dann sogar mit der weltweiten Community geteilt werden! Ein weiteres Feature also, das erst gestrichen und jetzt als bahnbrechendes Upgrade wiederverkauft wird.
Quelle: EA Sports
FIFA 22: Warum mich der Release-Trailer des EA-Kickers schon wieder sauer macht! (5)
Upgrade gibt's nicht
Apropos Upgrade: Hier hat sich EA Sports die vielleicht größte Dreistigkeit erlaubt. Wer am Computer auf Verbesserungen wie Hypermotion und Co. hofft, der schaut doof in die Röhre. Nachdem die Origin-Version von FIFA 21 bereits keinen Next-Gen-Patch bekam, angeblich, um die Systemanforderungen möglichst niedrig zu halten, kriegen PC-Spieler nun erneut nur die Old-Gen-Fassung serviert. Eine absolut unverständliche Entscheidung, schließlich sollte ein ordentlicher Rechner doch allemal in der Lage sein, mit der neuen Konsolengeneration mitzuhalten. Dass die bestmögliche Version von FIFA 22 dafür dann auf Google Stadia läuft, einer Plattform, die mehr tot als lebendig ist, setzt der ganzen Sache nur noch die Krone auf.
Quelle: EA Sports
FIFA 22: Warum mich der Release-Trailer des EA-Kickers schon wieder sauer macht! (3)
Ja und dann haben wir noch immer nicht über das kostenpflichtige Next-Gen-Upgrade für die Konsolen gesprochen! Denn auch hier zeigt sich EA Sports wieder mal von seiner schlechtesten Seite. Wer im Herbst erst mal auf der PS4 oder der Xbox One loslegen und später dann auf die PS5 oder die Series X wechseln möchte, der wird dieses Jahr ordentlich zur Kasse gebeten. Electronic Arts haben nämlich ihr Dual Entitlement Programm, also ihren "Beide-Versionen-Anspruch" überarbeitet. Bei Star Wars Jedi: Fallen Order oder auch FIFA 21 war der noch kostenlos im Preis der Standard-Edition mitinbegriffen. Nun werden satte 30 Euro fällig! Upgraden könnt ihr nur die Ultimate Edition. Und die schlägt mit 100 statt der normalen 70 Euro zu Buche! Zwar gibt's dafür auch noch vier Tage Early-Access-Zugang, 4600 FIFA Points und eine paar zusätzliche Spieler-Items für FIFA Ultimate Team. Dreist bleiben die Geschäftspraktiken von Electronic Arts aber in jedem Fall. Hier sollen ganz offensichtlich Leute dazu getrieben werden, möglichst viel Geld auszugeben. Und das, obwohl alleine mit Mikrotransaktion bereits jährliche Milliardenumsätze gemacht werden!
Kurzum: Mit FIFA 22 hat EA in meinen Augen einen neuen Tiefpunkt erreicht. Bleibt nur zu hoffen, dass ihnen ihre Raffgier noch schön um die Ohren fliegt - wie auch schon bei der Lootbox-Kontroverse um Star Wars: Battlefront 2. Eine solche Unverschämtheit den Spielern gegenüber darf man dieser Firma nämlich nicht nochmal durchgehen lassen.
