Was bedeutet eine European Super League für EA Sports FIFA? (Kolumne)

Kolumne David Benke
Was bedeutet eine European Super League für EA Sports FIFA? (Kolumne)
Quelle: EA

In der Sportberichterstattung herrscht gerade helle Aufregung: Die European Super League kommt! Und mit ihr einige bahnbrechende Veränderungen, wie sich der Sport in den kommenden Jahren weiterentwicklen wird. Wir versuchen, in all dem Chaos einen kühlen Kopf zu bewahren und die Frage zu klären: Was heißt die Einführung des Wettbewerbs für FIFA und PES?

Nach monatelanger Spekulation ist es nun endlich offiziell: Die European Super League kommt. Das hat das dahinterstehende Unternehmen, die ESL Company, in der heutigen Nacht auf seiner hauseigenen Website bestätigt. Damit ist nun klar: Wenn alles läuft wie vorgesehen, dürfen wir uns bereits ab nächstem Jahr über einen zusätzlichen internationalen Fußball-Wettbewerb freuen. Die ESL soll künftig unter der Woche stattfinden, also parallel zum regulären Spielbetrieb in den heimischen Ligen und in direkter Konkurrenz zu Champions und Europa League. Offiziell mit dabei sind mittlerweile schon zwölf Vereine aus insgesamt drei Ländern: die englischen Clubs Manchester United, Manchester City, FC Liverpool, FC Arsenal, FC Chelsea und Tottenham Hotspur, die spanischen Vertreter Real Madrid, Atletico Madrid und FC Barcelona sowie Juventus Turin, AC Mailand und Inter Mailand aus Italien.

Vor der ersten Saison sollen laut Aussagen der Organisatoren noch drei weitere Gründerklubs der Super League beitreten. Diese 15 Vereine sind dann permanent gesetzt, dazu kommen fünf externe Teilnehmer, die sich durch sportliche Leistungen qualifizieren. Die insgesamt 20 Klubs treten dann in zwei Gruppen in Hin- und Rückspiel gegeneinander an, danach folgt eine klassische K.O.-Phase. Auf- oder Abstiege sind nicht geplant, ebenso wenig wie ein konkreter Start: Der Spielbetrieb soll nur "so bald wie möglich" losgehen. Wohl auch, um allen Beteiligten in Corona-Zeiten eine nette Finanzspritze zu ermöglichen: Es ist von Beträgen im dreistelligen Millionenbereich Bereich die Rede.

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Lauter Widerstand, drastische Maßnahmen

Erling Haalands BVB wurde wohl ebenfalls in die Super League eingeladen, die Dortmunder lehnten allerdings dankend ab. Quelle: EA Sports Erling Haalands BVB wurde wohl ebenfalls in die Super League eingeladen, die Dortmunder lehnten allerdings dankend ab. In der internationalen Fußball-Szene werden diese Pläne indes alles andere als positiv aufgenommen. Aktuell regt sich vehementer Widerstand aus jeglichen Richtungen. Vor allem die Profitgier der Beteiligten steht in der Kritik. Die Fan-Vereinigungen der fünf Premier-League-Clubs haben sich in einem offenen Brief klar gegen eine Teilnahme ihrer Vereine in der ESL ausgesprochen. Man verrate nicht nur die eigenen Tugenden, sondern auch seine Mitglieder. Die Fußballdachverbände FIFA und UEFA kündigten bereits potenzielle Konsequenzen an: "Wir werden gemeinsam daran arbeiten, dieses zynische Projekt zu stoppen", heißt es. "Ein Projekt, das auf dem Eigeninteresse einiger weniger Klubs basiert - in einer Zeit, in der die Gesellschaft mehr Solidarität denn je benötigt." Dazu werden auch sportliche und rechtliche Schritte geprüft: Neben einer Verbannung der beteiligten Klubs von den eigenen Wettkämpfen könnte ihren Spielern auch die Möglichkeit verweigert werden, ihre Nationalmannschaften zu vertreten. Liga-Verbände wie die DFL oder EFL prüfen zudem einen Ausschluss der Super-League-Klubs aus dem eigenen Spielbetrieb.

Doch nicht nur die Welt des Fußballs wird von diesem Erdbeben erschüttert, auch in der Gaming-Welt ist das Beben zu spüren: Fußball-Simulationen gehören seit jeher zu den beliebtesten und lukrativsten Videospielen am Markt. Entsprechend heiß diskutiert wird aktuell auch die Frage: Was bedeutet eine potenzielle Super League für wie EA Sports FIFA und Konamis Pro Evolution Soccer? Beide kämpfen seit Jahren darum, der jeweils beste Vertreter ihres Genres zu sein. Die Lizenzierung von Teams und Spielern ist dabei einer der schwerwiegendsten Faktoren. Wir haben uns also mal angeschaut, wie dieser neue Wettbewerb diesen Konkurrenzkampf beeinflussen könnte. Vorweg: Eine endgültige Aussage dazu lässt sich natürlich noch nicht treffen. Die Super League befindet sich aktuell noch in der Planungsphase, mit dem Anstoß ist frühestens im August 2022 zu rechnen. Mit ziemlicher Sicherheit kann man also nur sagen, dass FIFA 22 und PES 2022 wohl weitestgehend unbetroffen bleiben und mit dem gewohnten Lizenz-Paket erscheinen werden. Über dieses Jahr hinaus sieht die Sache aber ganz anders aus.

Irreal Madrid?

Ein Herz für Spieler: Auf Konamis PES-Reihe wird die European Super League wahrscheinlich geringere Auswirkungen haben als auf FIFA. Quelle: PC Games Ein Herz für Spieler: Auf Konamis PES-Reihe wird die European Super League wahrscheinlich geringere Auswirkungen haben als auf FIFA. Rechnen wir mal mit dem Worst Case der absehbaren Szenarien: Die European Super League wird wirklich umgesetzt, die Fußball-Verbände halten konsequent ihr Wort und ziehen ihre Strafmaßnahmen durch. Die 20 teilnehmenden Clubs werden sowohl aus der Champions League als auch der Europa League und ihren heimischen Wettbewerben ausgeschlossen. Die Spieler von FC Barcelona, Juventus Turin oder Manchester United dürfen künftig weder an Welt- noch Europameisterschaften teilnehmen. Die Auswirkungen dieser Schritte wären für PES tatsächlich noch halbwegs verkraftbar. Mit den drei genannten Teams, aber auch diversen anderen kolportierten Teilnehmern der Super League, hat Entwickler Konami nämlich bereits Exklusiv-Deals. Heißt: Sie wären weiterhin mit ihrem offiziellen Namen, ihrem Kader, ihren Trikots, Logos und Stadien im Spiel vertreten. Nur eben nicht mehr in ihren entsprechenden Ligen, sondern vielleicht unter "Rest der Welt". Doch selbst das ließe sich noch ändern: Schließlich verfügt Pro Evolution Soccer seit jeher über einen umfangreichen Editor. Die Community könnte sich Mannschaften und Wettbewerbe also einfach selbst zusammenbauen.

Bei FIFA sähe die Angelegenheit hingegen etwas anders aus: Premier League, La Liga und Serie A müssten dauerhaft ohne die Klubs der ESL auskommen, die Nationalmannschaften Englands, Spaniens und Italiens ohne deren Spieler. Das könnte einigen Spielmodi des EA-Kickers das Rückgrat brechen. Der Ultimate-Team-Modus wäre ohne Lionel Messi oder Cristiano Ronaldo beispielsweise ziemlich unbrauchbar - oder zumindest für viele Fans deutlich unattraktiver. Zumal die beiden ja nicht mal mehr Messi oder Ronaldo genannt würden. Mit dem Rauschmiss aus der FIFA ginge nämlich auch der Rausschmiss aus der FIFPro einher - der internationalen Spielergewerkschaft, die sich um die Rechte der Profi-Athleten kümmert. Mit der hat Electronic Arts seit jeher einen Deal, der es erlaubt, die Namen und Gesichter der über 65.000 Mitglieder zu nutzen. Das wäre CR7 dann aber nicht mehr - er hieße dann also vielleicht notgedrungen Christopher Rolando.

Neue Lizenzen braucht das Land!

Einzige Möglichkeit für EA Sports, die Rechte an Spielern und Vereinen der Super League zu behalten, wäre für die offizielle Videospiel-Lizenz des neuen Wettbewerbs zu bieten. Die wird in Zukunft zweifelsohne separat verkauft. Schließlich geht es allen Beteiligten ja nur darum, möglichst viel Kohle zu scheffeln. Da passt ein zugehöriges Videospiel ja geradezu perfekt ins Konzept. Wie teuer dieses Paket ausfallen würde, lässt sich freilich nicht sagen. Es würde aber sicher kostspielig werden. Schließlich müsste sich EA gegen Konkurrenten wie eben Konami oder auch 2K Sports durchsetzen, die diese Chance nutzen könnten, um sich auf den Fußball-Markt zu drängen. Gut möglich also, dass auf die gut 100 bis 150 Millionen US-Dollar, die das Unternehmen angeblich jährlich für Partnerschaften und Lizenz-Deals zahlt, ein paar Millionen oben drauf kämen.
Nur in FIFA könnt ihr auf die Jagd nach dem ikonischen Henkelpott gehen. Für viele Spieler ein wichtiges Kaufkriterium. Quelle: PC Games Liverpool und Tottenham im Kampf um die Champions-League-Krone? Das Bild könnte in künftigen FIFAs eventuell nicht mehr möglich sein.

Selbst dann bliebe aber fraglich, wie denn die FIFA selbst dazu stehen würde, dass Electronic Arts Geschäfte mit einem direkten Konkurrenten macht. Der Verband könnte genauso gut missbilligen, wenn nicht gar verbieten, dass die verräterischen Vereine in einem Spiel auftauchen, auf dessen Cover sein Name prangt. Und wenn EA die jahrzehntelange, fruchtbare Zusammenarbeit nicht aufs Spiel setzen will, dann böte sich eigentlich nur noch eine Option: nachgeben und einen komplett neuen Titel herausbringen, so etwas wie "EA Sports European Super League" - das offizielle Spiel zum Wettbewerb. Mit eigenen Spielmodi, eigenem Ingame-Ökosystem und eigenen Mikrotransaktionen - zusätzlich zu denen der FIFA-Reihe. Dieses Szenario klingt allerdings so alptraumhaft, dass wir uns es gar nicht erst vorstellen wollen. Hoffen wir lieber, dass es mit der Super League nie so weit kommen wird und dieses vollkommen aberwitzige, Fan-unfreundliche, geldgiere Projekt einfach wieder schnellstmöglich verschwindet. Nicht nur für FIFA-Fans, sondern auch für alle jene, die den Fußball in seiner wahren Form leben und lieben...

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