Everspace 2 im Test: Freelancer trifft Diablo - auch auf PS5 ein Brett!
Test
Raus aus dem Early Access und rein in unserer Test-Labor: Everspace 2 ist fertig! Felix hat sich 50 Stunden lang durch den Space-Shooter geballert und erklärt im Test, warum sich Everspace 2 vielleicht nicht für jeden Spielertyp eignet - und warum es trotzdem ziemlich großartig geworden ist.
Am Grundprinzip der Kämpfe hat sich seit dem letzten Everspace wenig geändert: Mit Energiewaffen zerfetzt man zuerst die Schilde des Gegners, danach gibt man ihm mit Kinetikgeschossen den Rest. Auch die vielen Raketen und Minen halten leider keine Überraschungen bereit. Dafür gibt es aber ein paar aktive Fähigkeiten, die man im Spielverlauf weiter ausbauen kann: Energieschilde wehren dann zum Beispiel Treffer ab, Computerviren springen von Gegner zu Gegner und mit Schub- oder Teleporterfähigkeiten lässt sich schnell die Flucht zu ergreifen - auch hier gibt sich das Spiel betont arcadig und zugänglich.
Besonders spaßig sind die Kämpfe gegen Raumstationen. Hier muss man feindliche Torpedos abschießen, Abfangjäger aufs Korn nehmen, mit dem Booster durchs Sperrfeuer düsen, unterwegs noch Bomben auffangen und sie dann auf Geschütze und strategische Ziele zurückschleudern. Sobald die ersten Treibstofftanks explodieren und mir dabei die Lasergeschosse um die Ohren fliegen, jauchzt mein innerer Han Solo vor Freude. Juhuuuu!
Die unterschiedlichen Schiffstypen sorgen dabei für ein bisschen Abwechslung. Es gibt insgesamt neun unterschiedliche Klassen in mehreren Qualitätsstufen. Der Fuhrpark reicht vom blitzschnellen Jäger (Panzerung wie Backpapier!) bis zum trägen Stahlklotz, der Raketen verballert, ohne sich um Munition zu scheren. Alle Schiffe unterscheiden sich spürbar, manche haben mehr Waffenaufhängungen, andere sind wendiger, außerdem verfügt jede Klasse über passive Boni und eine aktive Superwaffe, durch die man dann etwa kurzzeitig Blitze verschießt - damit lassen sich im Ernstfall auch mal ganze Gegnergruppen rösten. Mein persönlicher Favorit ist die mittelschwere Vindicator-Klasse: Die kommt zwar nur langsam vom Fleck, kann aus Raumschrott aber kleine Drohnen erschaffen, die dann automatisch mitkämpfen - im Grunde der Totenbeschwörer des Weltalls!
Quelle: PC Games
Hat hier jemand Nekro gesagt? Die Vidicator-Klasse bastelt aus besiegten Gegnern nützliche Drohnen
Quelle: PC Games
Jede Schiffsklasse verfügt über eine besondere Spezialfähigkeit.
Loot-Shooter im Weltall
Und das ist nicht die einzige Gemeinsamkeit mit Diablo, auch das Beutesystem kommt mir bekannt vor: Besiegte Gegner hinterlassen in schöner Regelmäßigkeit wertvolles Loot, darunter verschiedenste Ressourcen, aber auch neue Schilde, Waffen, Rüstungen, Antriebe, Scanner und einiges mehr, natürlich in mehreren Qualitätsstufen. Das ganze Zeug landet in einem aufgeräumten Inventar, wo man sein Schiff nach Lust und Laune ausstatten kann - selbst mitten im Gefecht. Die Attribute auf den Gegenständen sind zwar nicht sonderlich abwechslungsreich, doch der Sammeltrieb war bei mir trotzdem schnell geweckt: Auch nach vielen Stunden macht es einfach Spaß, eine neue Waffe auszutesten oder mit dem unkomplizierten Crafting-System einen seltenen Gegenstand aufzuwerten. Etwas mehr Vielfalt und abgefahrene Attribute hätten aber sicher gut getan - vielleicht kann Rockfish einfach noch etwas nachliefern?
Quelle: PC Games
Das Beutesystem ist nicht komplex, aber ausreichend.
Natürlich darf man sich auch bei Händlern mit neuer Ausrüstung eindecken. Wer hier etwas Zeit investiert, kann auch gleich noch ein paar Handelswaren günstig einkaufen, um sie dann an anderen Raumstationen gewinnbringend zu verticken. Das Handelssystem ist zwar überaus einfach gestrickt, doch wer schnell reichen werden möchte, hat zumindest die Möglichkeit dazu.
Neben ein paar wenigen Set-Gegenständen (aus denen hätte man mehr machen können!) gibt es auch besonders mächtige Legendäre Items, erkennbar an ihrer goldenen Farbe. In meiner Spielzeit habe ich nur sehr wenige davon entdeckt, die meisten davon sind nämlich für das Endgame und den Albtraum-Schwierigkeitsgrad reserviert, der erst nach dem Ende der Hauptquest freigeschaltet wird. Dafür sind ihre Statuswerte aber jenseits von Gut und Böse, zumal die Legendarys auch besondere Eigenschaften haben - nur schade, dass man im Hauptspiel so wenig davon mitbekommt!
Quelle: PC Games
Großkampfschiffe werfen ordentlich Beute ab.
Erkundung und Rätsel
Spaßige Kämpfe und motivierende Beute, damit würden sich die meisten Action-Spiele zufriedengeben. Doch den Entwicklern hat das offenbar nicht gereicht: Jede von Hand gebaute Location bietet auch massig optionale Inhalte zum Erkunden. Dort gibt es dann unter anderem Rohstoffe, die ihr mit eurer Waffe einsacken könnt. Riesige Wracks, in denen Beutekiste treiben. Versteckte Behälter, die man nur über Audiosignale orten kann.
Quelle: PC Games
Wer mag, kann sich viele Stunden nur mit Erkunden und Schatzsuche beschäftigen.
Oder verschlossene Truhen, für die man kleine Puzzles knacken muss: Mal sind das einfache Schalterrätsel, mal muss man Batterien oder Energiekugeln sammeln und zur passenden Konsole bringen. Es gibt Laser, die man mit Spiegeln umlenken muss. Sprengsätze, um Asteroiden voller Rohstoffe hochzujagen. Energieschilde, die man nur abschalten kann, indem man eine Schwachstelle in der Nähe zerstört. Alien-Runen, die ich zusammensuchen und dann noch korrekt ausrichten muss. Und es gibt sogar enge Zugangsschächte, in die ich dann eine kleine Drohne hineinschicken darf, oft noch gepaart mit Geschicklichkeitseinlagen. Ist irgendwas davon wirklich tiefgängig? Nö! Aber ich wüsste auf Anhieb kein anderes Weltallspiel, das mir so viel Erkundung und sogar Adventure-Elemente liefert! Vieles davon lernt man übrigens in der Hauptquest kennen, doch der Löwenanteil der Rätsel ist optional und für diejenigen reserviert, die am liebsten sorgfältig die Umgebung erkunden, anstatt gleich zum nächsten Questmarker zu fliegen. Und zu dieser Gruppe zähle ich definitiv.
