Kleine Hilfen, Herzklopfen & eine Menge Adrenalin
Special
Der Shootermarkt ist heiß umkämpft, doch ein Hardcoretitel überzeugt. Wir checken, warum Escape from Tarkov mit Halo, CoD und Battlefield den Boden wischt.
Doch Escape from Tarkov lässt euch auch nicht ganz im Regen stehen. Theoretisch könntet ihr mit eurer Spielfigur irgendwann keine Ausrüstung mehr haben, wenn ihr eine sehr lange Pechsträhne habt. Da kommt der zweite Spielmodus zum Tragen. Ihr könnt nämlich nicht nur als eure Spielfigur nach Tarkov reisen, sondern auch als sogenannter Scavenger - kurz SCAV.
So werden die Computergegner genannt, die auf der Karte herumstreunen. Im gleichnamigen Spielmodus werdet ihr zufällig in die Haut von einem NPC gesteckt mit zufälliger Startausrüstung. Erreicht ihr mit dem dann einen Ausgang, könnt ihr euch sein gesamtes Inventar, samt Waffen, in den Stash von eurer Spielfigur legen. So bekommt ihr also wieder neue Ausrüstung für Raids mit eurem eigentlichen Charakter.
Gleichzeitig greifen euch andere SCAVs dabei aber nicht an, vor denen seid ihr also schon mal geschützt. Andersherum könnt ihr sie sogar als Hilfe nutzen, denn greift euch ein menschlicher Spieler an, dann rennt zu euren KI-Verbündeten, die dann das Feuer eröffnen.
Hier wird es aber auch wieder knifflig, denn greift ihr als SCAV einen anderen SCAV an, wird die KI in der Nähe aggressiv gegenüber euch. Herauszufinden, wer jetzt ein Computergegner ist und wer ein Mitglied von USEC oder BEARS, ist zusätzlich gar nicht mal so einfach. Benehmt ihr euch als SCAV allgemein wie die Axt im Walde und tötet einfach wahllos NPC-Verbündete, sinkt außerdem euer Karma.
In diesem Artikel
Karma-Chamäleon
Quelle: pcgames
Wie viele Kugeln noch im Magazin stecken, müsst ihr schätzen.
Das bestimmt, wie schnell ihr wieder eine SCAV-Runde spielen dürft. Am Anfang müsst ihr nämlich 20 Echtzeit-Minuten warten, bis ihr wieder Loot farmen könnt. Seid ihr ein schlechter Scavenger, erhöht sich die Zeit und ihr startet mit schlechterer Zufallsausrüstung. Andersherum verkürzt sich die Zeit und verbessert sich eure Startbewaffnung.
Ihr seht also: Escape from Tarkov schmeißt euch überall Stöcke zwischen die Beine und wir haben noch lange nicht alles abgedeckt. Beispielsweise müsst ihr euch nach einer Runde heilen, sonst geht ihr mit Verletzungen in die nächste Runde. Viele Gegenstände müsst ihr erst entdecken, denn vorher sind sie unkenntlich gemacht und das mit jedem großen Patch alle paar Monate ein kompletter Wipe stattfindet, der alle Fortschritte wieder auf null zurücksetzt ist ebenfalls für manche schwer zu verkraften.
Der Reiz des Hardcore
Quelle: pcgames
Über 6000 Stunden und kein Ende in Sicht. Escape from Tarkov begeistert seine Spiele über einen langen Zeitraum.
Doch trotzdem schafft es das Spiel regelmäßig neue Spielerrekorde aufzustellen. Genaue Zahlen gibt es zwar nicht, doch mussten mit dem letzten Update Warteschlangen vor den Servern errichtet werden. An denen stehen zu Stoßzeiten teilweise über 100.000 Leute.
Zum Vergleich: Zum Zeitpunkt dieses Beitrages kam Battlefield 2042 auf Steam nur noch auf knapp 10.000 Spieler am Tag und das nicht mal ein halbes Jahr nach Release.
Doch was ist der Reiz an einem Spiel, dass euch leiden sehen will? Das kann man vermutlich mit einem Satz beantworten: Es ist anders als die Anderen und das lässt die Fans sehr euphorisch werden. Wir haben nur eine kleine Frage ins Subreddit von Escape from Tarkov gepostet und einen Tag später hunderte Antworten von Spielern zurückbekommen, warum sie selbst nach tausenden Stunden immer noch begeistert sind vom Spiel.
Der Tenor bei diesen Spielern ist eigentlich immer dieses Gefühl, das Escape from Tarkov bietet. Es ist der komplette Gegenentwurf zu den aktuellen Shootern des Massenmarktes. Da wird schließlich stets darauf geachtet, die Spieler ständig mit Belohnungssystemen bei der Stange zu halten, damit sie auch ja nichts Negatives mit dem Spiel verbinden. Es muss ständig klingeln, sonst könnten die User abspringen und nicht mehr für Skins oder Ähnliches zahlen.
Doch genau dieses ständige Umwerben ist es, was vielen Leuten mittlerweile auf den Zeiger geht. Auch auf Mikrotransaktionen, Battle Passes oder - jetzt neu - NFTS verzichtet Escape from Tarkov konsequent, und das macht es so erfrischend. Das Spiel schert es einen Dreck, ob ihr euch zurechtfindet oder überhaupt wohl fühlt, und das ist es was es so spannend macht.
Auch auf lange Zeit. Selbst, wenn ihr irgendwann richtig gut ausgerüstet und hochgelevelt seid: Sieht euch ein Noob zuerst, seid ihr vermutlich trotzdem erledigt.
Quelle: pcgames
Gefechte sind intensiv und enden schnell.
So ist man beim Tausendsten Versuch zwar erfahrener, aber trotzdem noch genauso angespannt wie beim ersten Mal. Jede Runde erzählt so seine eigene Geschichte und die Endorphine schießen durch den Körper, wenn man halbtot aus einem Gefecht kommt und es trotzdem noch zum Ausgang schafft.
Jeder Sieg ist von einem selbst hart erarbeitet worden und das macht ihn umso süßer, und an jedem Verlust man man meist selbst Schuld, und das macht ihn umso bitterer. Doch trotzdem will man es immer wieder versuchen.
So ist auch uns passiert, dass wir am Tag zuvor alles verloren und wütend das Spiel beendet haben, nur, um am nächsten Tag doch wieder zurückzukommen. Denn diesen Adrenalinkick erlebt man sonst aktuell in wenigen Spielen.
