Endzone im Test: Postnuklearer Überlebenskampf - Jetzt auch für Konsolen! (Update)

Test Felix Schütz
Endzone im Test: Postnuklearer Überlebenskampf - Jetzt auch für Konsolen! (Update)
Quelle: PC Games

Nach einer vorbildlichen Early-Access-Phase erreicht Endzone die Zielmarke. Das Survival-Aufbauspiel verlegt das Spielprinzip von Banished in die postnukleare Endzeit und macht im Test eine ordentliche Figur: Während wir anfangs noch entspannt vor uns hin siedeln, entpuppt sich Endzone schnell als fordernder Überlebenskampf, in dem wir ständig um unsere Dorfbewohner bangen.

Kinder brauchen außerdem ein paar Tage, bevor sie einsatzfähig sind. Anfangs dürfen sie noch keine Berufe ergreifen, packen aber zumindest beim Transport mit an. Besser ist es aber, sie in die Schule zu schicken, wo sie beispielsweise den Umgang mit Werkzeugen und Strahlenschutzanzügen lernen. Dadurch halten die Waren länger und die Produktionsbetriebe werden entlastet. Für Notfälle haben die Entwickler außerdem eine kleine Hilfe eingebaut. Gehen beispielsweise die Vorräte zur Neige, erhalten wir prompt eine Nebenaufgabe: Wir sollen schnell zwei weitere Nahrungsgebäude errichten, um den Engpass auszugleichen. Als Belohnung gibt's dann auf einen Schlag einen dicken Batzen Futter für unsere hungrigen Bewohner. Das hilft uns erst mal über die Runden, ist aber auch alles andere als logisch - denn wo kommt die viele Nahrung urplötzlich her?

Auch beim Trinkwasser tun sich manchmal Fragezeichen auf: Selbst wenn man 40 Wasserträger abstellt, um ein Dorf mit 400 Leuten zu versorgen, kann es leicht passieren, dass die Siedlung während einer Dürreperiode auf dem Trockenen sitzt. Dabei sollten die Träger doch eigentlich locker ausreichen, um die Zisternen bis unter den Rand zu füllen! Zwar verdurstet unsere Siedlung längst nicht mehr so schnell wie zu Beginn der Early-Access-Phase, doch unterm Strich fühlt sich das Balancing hier immer noch nicht ganz ausgereift an.

Bildergalerie

Magere Forschung

Der Forschungsbaum wirkt mit seinen wenigen Optionen unnötig in die Breite gezogen.  Quelle: PC Games Der Forschungsbaum wirkt mit seinen wenigen Optionen unnötig in die Breite gezogen.  Um die Siedlung auf Dauer in Schuss zu halten, sind wir auf neue Gebäude und Technologien angewiesen. Im Forschungszentrum steht dazu ein kleiner Technologiebaum bereit, in dem wir neue Gebäude und Verbesserungen freischalten. Leider ist das Angebot arg überschaubar, der Forschungsbildschirm erstreckt sich zwar über mehrere Bildschirmbreiten, kaschiert damit aber nur, dass inhaltlich kaum etwas drinsteckt. Hier hätten wir uns mehr Optionen, Entscheidungen und passive Upgrades gewünscht.

Immerhin, einige Forschungen sind sehr nützlich. Sobald etwa Windräder, Solaranlagen und Energiespeicher freigeschaltet sind, kann man eine Stromversorgung aufbauen. Gebäude werden dann unkompliziert mit Masten ans Netz angeschlossen, Kabel verlegt das Spiel automatisch. Damit man den Überblick behält, gibt's außerdem einen nützlichen Filter, der sich über die Spielgrafik legt und wichtige Infos einblendet. Die Mühe zahlt sich übrigens richtig aus: Strom sorgt für effizientere Betriebe und lässt unsere Siedler auch in der Nacht ordentlich ranklotzen.

Mensch gegen Wetter

Eine der wichtigsten Forschungen ist aber die Wetterkontrollstation. Dank ihr können wir unsere Siedler anweisen, Felder und Regenspeicher automatisch mit Plastikplanen abzudecken, wenn sich mal wieder ein Saurer Regenschauer ankündigt. Auf diese Weise halten wir die Strahlenbelastung in Nahrung und Trinkwasser möglichst gering. Regen und Dürreperioden werden jederzeit am unteren Bildschirmrand eingeblendet, ähnlich wie in Frostpunk sollte man hier also vorausplanen und Vorräte einlagern. Das ist auch bitter nötig, denn sobald die Feuchtigkeit im Boden versiegt, gehen nicht nur unsere Felder, sondern auch sämtliche Kräuter, Beeren und Pilze in den Wäldern ein.
Wer eine Wetterstation errichtet, kann Felder und Wasserspeicher zum Schutz vor saurem Regen abdecken lassen. Quelle: PC Games Wer eine Wetterstation errichtet, kann Felder und Wasserspeicher zum Schutz vor saurem Regen abdecken lassen. Die verheerenden Sandstürme treten dagegen ohne Vorwarnung auf, sie fegen schlagartig über unsere Siedlung hinweg, verteilen Strahlung und beschädigen sämtliche Gebäude. Baumeister kümmern sich dann zwar automatisch um die Reparatur, allerdings werden dafür viele Rohstoffe fällig, was in großen Dörfern schnell ausarten kann. Immerhin: Wir dürfen von Hand festlegen, welche Hütten zuerst zusammengeflickt werden, auf Wunsch setzen wir die Reparaturen auch komplett aus. Trotzdem sind Sandstürme vor allem in späteren Spielphasen ein echtes Ärgernis, gegen das im Grunde kein Kraut gewachsen ist. Kommen dann noch tagelange Trockenphasen hinzu, scheint es fast, als würde das Spiel mit allen Mitteln versuchen, uns am Fortschritt zu hindern - da wäre weniger manchmal mehr gewesen.

Neues Feature: Die Plünderer

Mit der Release-Version haben die Entwickler noch ein Überraschungs-Feature eingebaut: Von Zeit zu Zeit melden sich nun feindselige NPCs zu Wort, die einen heftigen Tribut einfordern. Wer den Preis nicht zahlen kann oder will, muss mit ansehen, wie eine marodierende Bande auf der Karte spawnt und sich in Richtung unserer Siedlung aufmacht. In einem engeren Radius rauben die Gegner dann Ressourcen und zerstören Gebäude. Als Gegenmaßnahme kann man Wachtürme erforschen, Munitionsfabriken und Barrikaden errichten und Siedler zu Milizen abstellen, die Angriffe zurückschlagen sollen. In der Theorie ein gutes Feature, in der Praxis aber noch stark ausbaufähig, schon allein da man Milizen nicht wie in einem klassischen Strategiespiel positionieren darf. Wir fanden es im Test deutlich einfacher, den Tribut zu zahlen, als sich mit den Gegnern rumzuschlagen.
Plünderer ziehen durch unsere Siedlung, rauben Ressourcen und zerstören Gebäude. Quelle: PC Games Plünderer ziehen durch unsere Siedlung, rauben Ressourcen und zerstören Gebäude.

Auf Erkundungstour

Wenn wir bei Expeditionen die richtigen Leute im Team haben, können wir viele Ressourcen erbeuten. Quelle: PC Games Wenn wir bei Expeditionen die richtigen Leute im Team haben, können wir viele Ressourcen erbeuten. Wesentlich besser gefallen uns dafür die Expeditionen, die Endzone einen Hauch von Rollenspiel verpassen. Überall auf der Karte befinden sich verfallene Tankstellen, Krankenhäuser und andere Ruinen, die wir zunächst von einem Kundschafter begutachten lassen. Anschließend stellen wir eine kleine Mannschaft zusammen, statten sie mit Werkzeugen, Proviant und Schutzkleidung aus und schicken sie zum Zielort. Dort meldet sich unser Trupp über Funk und wartet auf Anweisungen: Sollen unsere Leute versuchen, in den Keller vorzudringen? Oder lieber die Tür zum ersten Stock aufstemmen? Im Dachgeschoss brennt Licht, soll jemand nachsehen? Bei solchen Entscheidungen kommen auch die unterschiedlichen Stärken der Teammitglieder ins Spiel. Ein Pflanzenexperte kann beispielsweise nützliche Samen erkennen, während ein Wirt in der Lage ist, Spirituosen von giftiger Plörre zu unterscheiden. Wenn alles gut geht, macht sich unser Team am Ende mit vollen Rucksäcken auf den Heimweg. Eine nette Abwechslung, die sich obendrein lohnt - davon hätte es ruhig noch mehr sein dürfen!

Nicht modern, aber stimmungsvoll

Während die Musikuntermalung mit ihren fast einschläfernden Melodien enttäuscht, hinterlässt die Grafik einen deutlich besseren Eindruck: Technisch ist Endzone zwar kein Hingucker, doch die stimmungsvolle Gestaltung gleicht das locker wieder aus. Viele Häuser und Betriebe zeigen liebevolle Details und sind sauber texturiert, wer genau hinschaut, kann den Bewohnern beim Arbeiten zusehen oder erkennt Regentropfen, die auf die Wellblechdächer prasseln. Das Ergebnis kann natürlich nicht mit einem Grafikmonster wie Anno mithalten, geht aber völlig in Ordnung. Einzig die Performance zeigte sich in unserem Test noch etwas wackelig, da gibt es schönere Aufbauspiele, die deutlich flüssiger laufen.

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