Endzone im Test: Postnuklearer Überlebenskampf - Jetzt auch für Konsolen! (Update)

Test Felix Schütz
Endzone im Test: Postnuklearer Überlebenskampf - Jetzt auch für Konsolen! (Update)
Quelle: PC Games

Endzone verlegt das Spielprinzip von Banished in die postnukleare Endzeit und macht im Test eine ordentliche Figur: Während wir anfangs noch entspannt vor uns hin siedeln, entpuppt sich Endzone schnell als fordernder Überlebenskampf, in dem wir ständig um unsere Dorfbewohner bangen. Update: Der Test umfasst jetzt auch die Survivor Edition für PS5 und Xbox Series S/X!

Wer Early-Access-Spiele kauft, geht immer ein Risiko ein: Halten die Entwickler ihre Versprechen? Muss ich ewig auf den Release warten? Sind am Ende auch alle Features an Bord? Doch Gently Mad Studios zeigt, wie man's richtig macht: Das Wiesbadener Team hat Endzone: A World Apart vor knapp einem Jahr veröffentlicht, als Early-Access-Version inklusive transparenter Roadmap. Mit regelmäßigen Updates hielt man die Fans bei der Stange, Features wurden ergänzt, das Interface überarbeitet, die Balance verbessert. Seit dem 18. März ist Endzone offiziell fertig - im Test prüfen wir, was sich seit unserer letzten Vorschau alles getan hat.

Update: DLCS und Konsolenversion
Mittlerweile wurde Endzone um zwei DLCs erweitert, das erste Add-on Prosperity haben wir hier für euch getestet. Die zweite Erweiterung Distant Places ist seit 17. Mai 2022 erhältlich und fügt dem Spiel neue Erkundungsoptionen hinzu. Seit dem 19. Mai 2022 ist Endzone: Survivor Edition für Xbox Series S/X und PS5 erhältlich. Diese Ausgabe kostet ca. 50 Euro und umfasst neben dem Hauptspiel auch die erste Erweiterung Prosperity. Wir haben alle Infos zu den Konsolenumsetzungen auf der dritten Artikelseite angefügt.

Aufbau trifft Survival

Der Indie-Hit Banished hat bei Gently Mad offensichtlich Eindruck hinterlassen. Endzone folgt nämlich einem ähnlichen Muster, verfrachtet das Konzept aber in ein Setting mit Fallout-Beigeschmack: In Endzone hat ein Atomkrieg die Menschheit von der Bildfläche gefegt, die wenigen Überlebenden zogen sich in unterirdische Bunker zurück. Erst 150 Jahre später trauen sich die Menschen wieder an die Oberfläche und beginnen damit, in der postnuklearen Wildnis bescheidene Siedlungen aufzubauen. Erfrischend: Anders als in Wasteland 3 gibt's hier ausnahmsweise mal keine Monster, Mutanten oder durchgeknallte Roboter. Die Gefahr geht vielmehr von radioaktiver Strahlung, saurem Regen, widrigem Wetter und marodierenden Banden aus, das Setting ist damit deutlich realistischer als bei anderen Endzeit-Spielen. Auch der Umfang geht für den schmalen Kaufpreis (24 Euro) völlig in Ordnung: Endzone bietet zwar keine Story-Kampagne, aber zumindest ein umfangreiches Tutorial, als Herzstück einen Überlebensmodus (freies Spiel) und mehrere Szenarien mit verschiedenen Missionszielen.
Endzone spielt sich gemächlich, entpuppt sich aber schnell als kniffliger Überlebenskampf. Quelle: PC Games Endzone spielt sich gemächlich, entpuppt sich aber schnell als kniffliger Überlebenskampf.

Jeder hat seine Aufgabe

Das Grundprinzip bleibt immer gleich: Wir starten mit ein paar Siedlern, einem Dorfzentrum und einer Handvoll Rohstoffen, die wir in erste Bauprojekte stecken. Am Anfang steht die Wasserversorgung, dazu braucht es eine Zisterne und einen Steg an einem nahegelegenen See. Dann müssen wir noch einige Arbeitskräfte als Wasserträger einteilen, die das kühle Nass ins Lager schöpfen, denn von alleine rühren die Bewohner keinen Finger. Das Job-Menü brauchen wir ab hier im Grunde nicht mehr schließen, denn in Endzone ist man rund um die Uhr damit beschäftigt, die richtige Anzahl an Leuten auf die passenden Berufe zu verteilen. Dieses Mikromanagement wird zwar manchmal mühsam, doch dafür agieren die Einwohner relativ zuverlässig. Und wer sich doch mal wundert, warum ein Rohbau nicht fertiggestellt oder eine Ressource nicht abgeholt wird, kann sich jeden zugewiesenen Arbeiter sogar im Detail anzeigen lassen, inklusive Inventar und Marschroute. Das macht das Geschehen gerade in den ersten Spielphasen nachvollziehbar.
Schnell füllt sich unser Lager nun mit Leben: Sammler und Jäger besorgen Kräuter und Nahrung aus den Wäldern, Fischer werfen am See die Angel aus. Holzfäller schaffen Bretter heran oder forsten gerodete Waldflächen auf. Auf Feldern lassen Bauern verschiedenes Obst und Gemüse gedeihen, Hirten halten Hasen und Hühner im Stall. Und Schrottsammler ziehen derweil los, um Schutt und Müllberge nach brauchbaren Rohstoffen zu durchsuchen. Besonders praktisch: Ist eine Ressource an einem Ort abgeerntet, müssen wir das Gebäude nicht gleich abreißen und woanders neu errichten - stattdessen verschieben wir einfach den Arbeitsbereich. Clever!

Ein Problem kommt selten allein

Alle Gebäude werden auf einem Raster platziert.  Quelle: PC Games Alle Gebäude werden auf einem Raster platziert.  Mit der Siedlung wachsen auch die Ansprüche: Kräuter werden beispielsweise nur im Sanitätshaus zu Arznei verarbeitet. Und Schnaps lässt sich zwar mit Obst herstellen, das uns dann aber als Nahrung fehlt. Dekontaminierer reinigen derweil verstrahlte Depots, Tote müssen beerdigt werden und Felder brauchen Bewässerung, sobald der Regen ausbleibt. Wenn es hart auf hart kommt, kann auch der Handelsposten helfen, hier tauschen wir Produkte und Rohstoffe gegen dringend benötigte Waren ein. Am wichtigsten sind aber die Recycling-Hütten, dort wird Schrott in vier Komponenten getrennt, die wir dringend für weitere Produkte brauchen.

So wird Metall zu Werkzeugen verarbeitet, ohne die nach einer Weile gar nichts mehr geht. Stoffe wandern dagegen zum Schneider, der daraus einfache Schutzkleidung zusammenflickt. Die ist auch bitter nötig, denn Strahlung ist in Endzone ein allgegenwärtiger Gegner. Laufen unsere Bewohner ungeschützt durch die verstrahlte Wildnis, erkranken sie, werden langsamer, unfruchtbar und sterben früher! Aktivkohlemasken bieten zwar besseren Schutz, doch für den passenden Rohstoff muss erst mal ein Köhler her, der Baumstämme verfeuert. Dadurch steigt natürlich uach der Holzverbrauch an, was zusätzliches Werkzeug und Personal verschlingt. Und wer hochwertige Strahlenschutzanzüge basteln will, braucht obendrein noch Plastik, wofür ein weiterer Recycler nötig ist. Kurzum: Es ist immer was zu tun.

Hauptsache gute Laune

Produktivität ist aber nicht alles. Wenn man beispielsweise eine lärmende Werkstatt neben einer Wohnhütte errichtet, lassen die genervten Nachbarn die Köpfe hängen. Legt man eine Wohngruppe dagegen rund um einen Marktplatz oder ein geselliges Lagerfeuer an, steigt die Zufriedenheit. Und die ist wichtig! Glückliche Siedler sind schneller, effektiver und leben länger. Gleichzeitig sollte man aber auch die Warenketten im Hinterkopf behalten. Holz muss beispielsweise von der Holzfällerhütte ins Lager oder zum Köhler gebracht werden - längere Laufwege kosten wertvolle Arbeitszeit. Siedler müssen außerdem täglich essen und trinken. Um Zeit zu sparen, installieren wir deshalb an Schlüsselpositionen einige Essensausgaben und Wasserhähne. Für die müssen wir allerdings weitere Arbeitskräfte als Logistiker einteilen, die uns dafür an anderer Stelle fehlen.
Wer zufriedene Siedler haben will, sollte keine lauten Betriebe neben Wohnstätten errichten. Quelle: PC Games Wer zufriedene Siedler haben will, sollte keine lauten Betriebe neben Wohnstätten errichten.

Riskante Familienplanung

Neue Einwohner gibt's entweder über optionale Nebenaufgaben oder auf natürlichem Wege. Dazu müssen wir aber erst die passenden Behausungen errichten. In größeren Lagern können wir zwar jede Menge Siedler unterbringen, doch genießen sie dort keinerlei Privatsphäre und zeugen deshalb keinen Nachwuchs. Errichten wir stattdessen kleinere Hütten, ziehen dort vor allem Paare ein, die mit Vollgas Familien gründen. Aber Vorsicht: Wer viele Häuser baut, riskiert zu schnelles Wachstum. Dann gehen die Vorräte zur Neige, Krankheiten lassen sich kaum noch eindämmen, Schutzkleidung und Werkzeuge werden knapp. Ähnlich wie in Banished fährt man seine Siedlung damit ruck, zuck gegen die Wand.

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