Elex 2 im Test - von großer Atmosphäre zur Enttäuschung
Test
Elex 2 ist das Spiel, das man von den Gothic-Machern erwartet. Das ist einerseits großartig, andererseits tappt man in all die Fehler der Vergangenheit.
Der Science-Fantasy-Aspekt der Welt ist zwar nach wie vor gewöhnungsbedürftig. Wer sich jedoch damit anfreunden kann, findet in Elex 2 eine nachvollziehbarere Welt. Wo man im Vorgänger nur ab und an ein altes Haus findet, darf man nun auch eine Stadt mit Wolkenkratzern erkunden. Einzig die Kamera stört den Entdeckerdrang. Die klebt meistens viel zu nah über Jax' Schulter und lässt sich im Menü auch nicht verändern.
Das Highlight der Erkundung sind natürlich wieder die Lager der Fraktionen. Dort wuselt das Leben und NPCs gehen ihrem geregelten Tagwerk nach. Außerdem reagieren die Bewohner auf euch. Verlauft ihr euch in fremde Wohnungen, werdet ihr mit Nachdruck wieder hinausbegleitet, und fangt ihr eine Schlägerei an, ist schnell das halbe Lager hinter euch her. Außerdem seid ihr diesmal noch viel häufiger in den Ansiedlungen der letzten Menschen unterwegs.
Lagerkoller
Eine der Neuerungen in Elex 2 ist es, dass es diesmal fünf Gilden gibt statt der üblichen drei, und das entpuppt sich beim Spielen als eine der größten Stärken. Die Fraktionen bieten nicht nur zahlreiche Quests, um sich hochzuarbeiten, sie sind auch ineinander verzahnt.
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So muss man sich beispielsweise erst einem Lager anschließen und dieses anschließend verraten, damit man sich einer anderen Fraktion anschließen kann. Das Herausfinden der Geheimnisse und Spinnen der Intrigen macht einen Großteil des Reizes aus, deshalb wollen wir hier nicht zu viel verraten.
Quelle: PC Games
Die Wüste Tavar kennt man bereits aus dem Vorgänger. Die Berserker haben sie zur grünen Oase umgewandelt
Kenner des ersten Teils werden aber einige Aha-Momente erleben. Grundsätzlich kann man die Gruppierungen in drei Hauptgilden und zwei Nebengilden unterteilen.
Zum allerersten Mal in der Geschichte der Piranha-Bytes-Spiele müsst ihr euch nicht zwingend einem Lager anschließen und könnt das Spiel sogar fraktionslos abschließen. Das macht das Leben aber eigentlich bloß schwerer, denn die stärksten Rüstungen und Waffen bekommt ihr nur innerhalb der Fraktionen und die Gilden sind nicht mehr so gut auf euch zu sprechen. Das Durchspielen als Abtrünniger war aber ein Wunsch der Fans, den Piranha Bytes endlich erfüllt.
Fantastische Atmosphäre ...
Quelle: PC Games
Mit dem Händler Ivan erleben wir eine atmosphärische Tour durch die Spielwelt.
Die Quests bestehen zwar meistens aus simplen Bring-, Hol- und Kampfaufgaben, doch sind sie immer wieder in nette Geschichten eingewoben. So müssen wir einen Händler vom Lager der Berserker in die Grotte der Morkons bringen. Anstatt nur schnöde von A nach B zu latschen, reichert Piranha Bytes den Ausflug mit kleinen Unteraufgaben an.
Wir kommen am Grab eines Freundes des Händlers vorbei, jagen etwas Essbares, schlagen ein Lager auf für die Nacht und reisen am nächsten Tag weiter. Das kann man langweilig finden, schließlich erreicht man das Ziel auf direktem Weg locker in zehn Minuten, doch steigert das die Atmosphäre ungemein.In diesen Momenten tauchen wir voll in die Welt von Magalan ab, lernen ihre Bewohner kennen und verlieren uns stundenlang in Elex 2.
Die Dialoge sind gewohnt kantig und wenn euch ein NPC nicht leiden kann, sagt er euch das auch. Über leichte Entscheidungsmöglichkeiten in den Gesprächen definiert ihr eure Gesinnung außerdem zwischen "schöpferisch" und "zerstörerisch". Großen Einfluss auf die Story hat das System aber nicht.
Leider hat sich Piranha Bytes diesmal ein paar Fehlgriffe bei der deutschen Vertonung geleistet. So kommt es immer wieder vor, dass Betonungen nicht sitzen und der Sinn eines Satzes verloren geht. Im Großen und Ganzen bereichert die Sprachausgabe aber die atmosphärische Gestaltung der Quests.
... die auf der Strecke bleibt
Quelle: PC Games
Zum Ende hin bekommen wir reihenweise solcher Quests ins Logbuch. Das ist reine Beschäftigungstherapie und Spielzeitstreckung.
Dummerweise liegt hier aber auch die größte Krux des gesamten Spiels. Der tolle atmosphärische Aufbau nimmt ab der Hälfte des Spiels kontinuierlich ab und bleibt ab dem dritten von vier Kapiteln vollends auf der Strecke. Wo wir anfangs in jedem Lager mit abwechslungsreichen Aufgaben überschüttet werden, bekommen wir zum Ende hin nur noch stumpfe Haudrauf-Quests.
Auftraggeber schicken uns am Ende nur noch von A nach B, um dort ungelogen 40-50 Gegner umzuhauen. Und das mehrmals! Stellenweise müssen wir sogar Spielzeit verstreichen lassen, bevor uns ein Hauptcharakter eine neue Aufgabe gibt, die uns in der Geschichte voranschreiten lässt. Das könnte man verschmerzen, wenn man noch ein paar Nebenquests erledigen könnte, doch die werden zum Ende hin ebenfalls rar.
Das ist dreiste Spielzeitstreckung und erstickt den Spielspaß im Keim. Gerade durch die Versprechungen Piranha Bytes', die Spielwelt dichter gestalten zu wollen, enttäuscht es enorm, dass sie erneut die Fehler der Vergangenheit wiederholen und das Ende so stark abfällt. Glücklicherweise gilt aber ebenfalls wieder, dass die Spielzeit ungleichmäßig auf die Kapitel verteilt ist. So kann man durchaus 20-30 Stunden im tollen ersten Kapitel verbringen. Insgesamt haben wir für einen kompletten Durchlauf übrigens 51 Stunden benötigt.
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