F1 24, EA Sports FC und Co.: Electronic Arts, jährliche Vollpreistitel sind aus der Zeit gefallen!
Kolumne
F1 24 ist auf dem Markt und kein schlechtes Spiel. Doch laut Redakteur Michael Grünwald hat es den Namen Vollpreistitel nicht verdient.
Noch vor Saisonbeginn muss ich außerdem seit Jahren die gleichen Fragen beantworten, die sich in irgendeiner Art und Weise auf meine vier Teamabteilungen auswirken. Sinnvoll sind weder die gestellten Fragen noch die Antwortmöglichkeiten.
Hat bis F1 22 noch der Journalist Will Buxton das Interview geführt, sitzt mir seit letztem Jahr die F1-Reporterin Natalie Pinkham gegenüber - viel mehr Veränderungen gibt's kaum. Ich bin allgemein kein Freund dieser EA-typischen Interviews und Pressekonferenzen, in denen mir lediglich unsinnige Antwortmöglichkeiten vorgesetzt werden.
Davon kann schließlich auch die FIFA-Reihe ein Lied singen. Die Präsentationen sind derart lieblos und hölzern umgesetzt, da wäre es mir deutlich lieber, ich könnte mir diese "Dialoge" mit den Medien schlichtweg sparen.
Wenn mir die Presse wenigstens unangenehme Fragen stellen würde, auf die ich in Toni-Kroos-Manier patzig antworten könnte, hätte das einen gewissen Mehrwert. Aber auf die aktuelle Art und Weise ergeben die Interviews für mich keinen Sinn.
Wo bleiben die Ideen?
Durch absolvierte Sessions und Ereignisse verdiene ich während der Saison Ressourcenpunkte, um mein Team voranzubringen - ebenfalls seit fünf Jahren unverändert. Es wäre wohl kein großer Aufwand, zumindest ein Windkanal- oder Simulator-Minispiel für mehr Abwechslung einzubauen.
Nachdem die Testfahrten in der realen Formel 1 mittlerweile stark begrenzt sind, könnten die Entwickler andere Wege schaffen, um den Rennstall voranzubringen. Schließlich bringen die Teams mehrmals im Jahr große Update-Pakete zu den Rennen. In F1 24 wirkt das nach wie vor sehr rudimentär und nach fünf Jahren mehr als angestaubt.
Das gleiche gilt für die Sequenzen vor und nach den Rennen. Die werden jährlich lediglich geringfügig überarbeitet. Die meisten Szenen in der Startaufstellung oder beim Jubeln nach der Zieldurchfahrt sind sogar absolut identisch zu den Vorgängern.
Es reicht schon, dass ich mir in der realen Formel 1 beinahe jedes Wochenende die niederländische Nationalhymne anhören muss, wenn Verstappen mal wieder ein Rennen gewonnen hat. Zumindest im Spiel wünsche ich mir da deutlich mehr Abwechslung.
Zeiten ändern sich
Den Vorwurf mache ich dabei nicht Entwicklerstudio Codemasters sondern EA. Schließlich erwartet der Publisher für jede Saison einen neuen Titel. Die Entwicklung von Spielen heutzutage darf jedoch nicht mit der von vor zwanzig Jahren gleichgesetzt werden. Der Prozess dauert aufgrund der Komplexität wesentlich länger.
Das ist ein Grund, warum jährlich erscheinende Reihen wie EA Sports FC (ehemals FIFA), Call of Duty und nun eben auch F1 zwischendurch immer wieder schwächeln. Ein Anhaltspunkt, dass bestimmte Publisher ihre Herangehensweise überdenken und nicht mehr alle zwölf Monate Vollpreistitel auf den Markt bringen sollten. Doch leider regiert Geld die Welt.
Im Fall von EA FC und Call of Duty schlagen viele Spieler aufgrund von mangelnden Konkurrenzprodukten Jahr für Jahr dennoch zu, bei F1 sehe ich das ein wenig anders. Der Markt an Rennspielen ist schließlich riesig und es kann auf Forza, Gran Turismo oder ein anderes Spiel ausgewichen werden.
Eine Idee wäre, jedes zweite Jahr anstatt des Komplettpaketes einen DLC für 20 bis 30 Euro anzubieten. Darin enthalten sind Saison-Updates, Handling-Verbesserungen und kleinere Features. Über den Modus F1 World verdienen die Macher außerdem eh noch zusätzlich mit Mikrotransaktionen im Ingame-Shop dazu.
