Dying Light 2 im Test: Darum reicht es nicht zum Meisterwerk
Test
Im Test entpuppt sich Dying Light 2 als schwieriger Patient: Einerseits liefert Techland eine schicke Open World, tolle Parkour-Action und zig spannende Highlights. Doch nervige Story-Schnitzer und monotones Gameplay ziehen das Erlebnis auch immer wieder runter. Warum uns Dying Light 2 trotzdem gut gefallen hat, klären wir im Review.
Wem das alles noch nicht genug ist, findet auf der Stadtkarte auch massenhaft Nebenaktivitäten, die man aber komplett ignorieren kann. Da gibt es zum Beispiel Rennen gegen die Zeit, kleine Zufallsbegegnungen mit hilfsbedürftigen NPCs oder zombieverseuchte Gebäude, in denen ein wenig Beute auf uns wartet. Um sich einen Überblick zu verschaffen, darf man die Umgebung mit dem Fernglas absuchen und so interessante Orte markieren, den Rest entdeckt man einfach beim Erkunden. Viele Nebenquests und Aktivitäten werden übrigens erst freigeschaltet, wenn ihr in einem Stadtgebiet ein Windrad erklimmt und die Gegend einer der beiden Fraktionen zugeteilt habt. Dazu müsst ihr ein paar Strom- und Wasserwerke für eine der beiden Seiten erobern. Hier überrascht das Spiel mit Umgebungspuzzles, in denen wir zum Beispiel Stromkabel an Generatoren anschließen müssen. Das Konzept nutzt sich mit der Zeit zwar ab, doch als nette Auflockerung taugen die kleinen Rätsel allemal.
Indem man einer Fraktion so ein Gebäude zuweist, werden je nach Seite nützliche Upgrades freigeschaltet, zum Beispiel Umgebungsfallen, Geschütztürme, Sprunghilfen oder eine kräftige Armbrust.Abseits der Hauptgeschichte wirken sich diese Entscheidungen aber nicht aus, ob man der Stadt also Wasser und Strom liefert, spielt letztendlich keine Rolle. Daraus hätte man also sicher mehr machen können.
Villedor besteht übrigens aus zwei großen Stadteilen, den zweiten erreicht ihr erst nach mehreren Stunden in der Hauptquest. Dann wird auch ein bequemes Schnellreisesystem freigeschaltet, die Laufwege fallen also nie zu lang aus - prima! Ein Blick auf die Übersichtskarte zeigt außerdem noch jede Menge freie Flächen - da winken wohl schon die DLCs um die Ecke, die Techland bereits angekündigt hat.
Quelle: PC Games
Dying Light 2 im Test (PC)
Mirror's Edge lässt grüßen
Natürlich bringen die Entwickler auch wieder ihr bewährtes Parkour-System zurück, mit dem ihr genau wie in Mirror's Edge wunderbar flüssig und intuitiv durch die Welt flitzen dürft. Als topfitter Freerunner kann Aiden von Anfang an weit springen und an vielen Objekten raufklettern. Später schaltet ihr außerdem ein paar Verbesserungen und Werkzeuge frei, mit denen Aiden noch effektiver rumflitzt, tiefe Stürze überlebt oder leichter Halt findet.
Quelle: PC Games
Dying Light 2 im Test (PC)
Die Entwickler nutzen ihr Bewegungsmodell ausgiebig, überall lachen uns kreative Kletterpfade wie kleine Geschicklichkeitspuzzles entgegen. Teilweise müsst ihr da über halsbrecherische Routen auf Kirchen, Wassertürme oder ganze Hochhäuser steigen, das sorgt immer wieder für tolle Ausblicke und ein cooles Freiheitsgefühl, das so nur die wenigsten Spiele bieten können. Im späteren Spielverlauf schaltet man außerdem einen Enterhaken frei, mit dem man über Abgründe schwingen kann, zudem gibt's noch einen spaßigen Fallschirm, mit dem man sehr flott vorwärtskommt und selbst die höchsten Wolkenkratzer erkunden kann. Das Ding braucht zwar ein paar Minuten Übung, geht dann aber richtig gut von der Hand.
In diesem Artikel
Schreie in der Nacht
Auch die Tag- und Nachtwechsel kehren zurück und folgen wieder einem simplen Grundprinzip: Tagsüber ist man relativ sicher, weil die lahmen Zombies meistens nur am Boden rumschlurfen und Aiden kaum hinterherkommen. Solange man da nicht aus Versehen etwas in die Luft jagt und mit dem Lärm stärkere Feinde anlockt, droht praktisch keine Gefahr. Lediglich Innenräume sollte man meiden, weil sich tagsüber besonders viele Untote im Dunkeln aufhalten - vor allem in den Dark Zones, in denen uns mordsgefährliche Schattenjäger-Zombies mit wenigen Hieben plattmachen.
Sobald die Nacht hereinbricht, ändert sich diese ganze Dynamik, ab hier kann man Innenräume relativ problemlos erkunden und muss sich nicht mühsam an den Gegnern vorbeischleichen. Dafür tummeln sich nun stärkere Zombies auf den Straßen, vor allem die gefährlichen Heuler, die uns schlimmstenfalls eine ganze Gegnerhorde auf den Hals hetzen. Dann heißt es Beine in die Hand nehmen und so schnell wie möglich ein Lager auf den Dächern erreichen! Die Schlafplätze sind nämlich mit UV-Lampen gesichert und damit die einzigen Orte, die einem nachts zuverlässigen Schutz bieten.
Zusätzlich müsst ihr in der Dunkelheit auch auf eure Immunität achten, die ohne Sonnenlicht ständig abnimmt. Ist der Timer abgelaufen, gibt Aiden aufgrund einer Infektion den Löffel ab. Das sorgt gerade in den Anfangsstunden für zusätzlichen Nervenkitzel, wird nach einer Weile aber eher zur Nebensache, da eure Immunität mit jedem Levelaufstieg wächst. Unterwegs findet ihr außerdem mehr als genug Booster, mit denen ihr verbrauchte Immunität auffüllen könnt und in vielen Gebäuden stehen UV-Lampen bereit, an denen sich Aiden schnell wieder erholt hat.
Quelle: PC Games
Dying Light 2 im Test (PC)
Was uns überrascht hat: Grundsätzlich kann man die Nacht auch einfach vermeiden, wenn man keinen Bock darauf hat: Ihr könnt euch einfach ins Bett legen und bis zum Sonnenaufgang warten. Nur für manche Sidequests kommt ihr um die Nachteinsätze nicht herum. Allerdings habt ihr dann auch deutlich bessere Chancen, von Zombies wertvolle Trophäen abzustauben, von denen ihr wahre Unmengen fürs Handwerk braucht. Sobald ihr also stark genug seid, können sich Nachtausflüge durchaus lohnen.
Mensch, ärger mich nicht!
Die fauligen Einwohner stellen aber natürlich nicht die einzige Gefahr dar, ihr bekommt es auch immer wieder mit menschlichen Gegnern wie Abtrünnigen und Banditen zu tun. Die gehen logischerweise etwas anders vor als Zombies, sie greifen von der Seite an, nutzen Fernwaffen und rufen auch mal Verstärkung herbei. Die KI ist allerdings nicht die hellste, wer da von einer erhöhten Position aus angreift, hat in der Regel ein leichtes Spiel.
Quelle: PC Games
Dying Light 2 im Test (PC)
Hin und wieder gibt es auch kurze Bosskämpfe gegen extra starke Schurken oder dicke Zombie-Brocken. Nachts kann man außerdem Jagd auf besondere Infizierte machen, die deutlich mehr auf dem Kasten haben als der Rest der Gammelbande. Allerdings sind die Bosskämpfe nie wirklich knifflig, auf normaler Stufe war uns das Spiel eher zu leicht. Auch fällt die Gegnerauswahl überraschend dünn aus, für ein so umfangreiches Spiel hätte es ruhig mehr Vielfalt sein dürfen.
Waffen: War das schon alles?
Das deftige Nahkampfsystem ist den Entwicklern dafür wieder richtig gut gelungen. Zuschlagen, blocken, ausweichen, das alles geht flüssig von der Hand und auch das Trefferfeedback ist schön wuchtig geraten. Das Spielgefühl ist betont actionorientiert, fast schon arcadig, ihr braucht also keine Survival-Simulation wie in einem Kingdom Come befürchten - selbst genaues Zielen ist kein Muss. Es gibt zwar ein paar fortgeschrittene Attacken wie Sprungangriffe oder eine Wirbelattacke, doch überlebenswichtig ist keine davon: In Dying Light 2 darf man sich auch einfach hemmungslos durchprügeln, zumindest bis Aiden die Puste ausgeht.
