Dungeons 3 im Test - Zweiter Teil - Oberwelt, Wertung und Fazit
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Dungeons 3 im Review: Kalypsos dritter Kerkerbaukasten nähert sich noch stärker seinem großen Vorbild Dungeon Keeper an - und wird damit zu einem besseren Spiel. Ob man allerdings den Humor erträgt, das steht auf einem ganz anderen Blatt.
An der Oberfläche spielt sich Dungeons 3 fast genauso wie sein Vorgänger: Anders als im Untergrund kontrollieren wir die Einheiten hier direkt, wie in einem Echtzeit-Strategiespiel à la Warcraft 3. Mit unserer mordenden Bande fackeln wir feindliche Häuser und Lager ab, unterbinden so den Nachschub an Helden-Grüppchen, die regelmäßig unseren Dungeon heimsuchen. Am wichtigsten sind aber die Orte des Guten, etwa idyllische Feenteiche oder Statuen, die wir einnehmen und zu hässlichen Orten des Bösen verwandeln. Denn nur so erhalten wir regelmäßig die neben Gold wichtigste Währung im Spiel: Boshaftigkeit. Die brauchen wir so früh wie möglich, etwa um das Truppenlimit zu erhöhen, neue Räume freizuschalten, Zaubersprüche zu lernen und dutzende Verbesserungen zu kaufen. Weil Boshaftigkeit aber nur langsam auf unser Konto tröpfelt, muss der Einsatz der kostbaren Währung wohlüberlegt sein, sonst kann es schnell passieren, dass man den Kerkerausbau unnötig ausbremst.
In diesem Artikel
Kämpfe gegen feindliche Ritter, Magier und Bogenschützen geraten gewohnt unübersichtlich, besonders die großen Einblendungen für verdiente Erfahrungspunkte verdecken oft die Sicht auf das Geschehen. Wirkliches Mikromanagement ist aber auch nicht nötig, denn jede Einheit nutzt ihre Spezialfähigkeiten automatisch und prügelt zuverlässig auf den Gegner ein. Und im Notfall fischt man seine gewünschten Einheiten einfach aus der Kreaturenauswahl heraus, beispielsweise wenn man seine Fernkämpfer gezielt auf feindliche Heiler-Einheiten hetzen will.
Dungeons 3 im Test: Vielseitige Missionsziele
Die 20 Missionen sind angenehm abwechslungsreich: Mal sollen wir mehrere Brunnen vergiften, aus denen regelmäßig Wasser herausgepumpt wird, das große Bereiche der Map unpassierbar macht. Dann müssen wir unsere Heldin unter Zeitdruck retten, bevor sie zu Tode gefoltert wird, und einen versoffenen Oger mit zahllosen Bierfässern versorgen. Oder wir fangen feindliche Nahrungslieferungen ab und hungern so die gut genährten Wachen einer feindlichen Festung aus, bis wir zum tödlichen Eroberungsschlag ausholen können. Es gibt sogar ein paar Missionen, in denen wir komplett ohne Dungeon auskommen müssen. Die abwechslungsreichen Missionsziele, die fast alle an der Oberwelt erfüllt werden, trösten auch etwas darüber hinweg, dass sich dort sonst so wenig getan hat: Wir vermissen beispielsweise die Möglichkeit, auch unter freiem Himmel Gebäude wie Wachposten oder Türme errichten zu können, zusätzliche Ressourcen und optionale Lösungswege. Hier verschenkt Dungeons 3 viel Potenzial.
Dungeons 3 im Test: Auf Dauer eintönig
Auch der Kerkerbau hat ein grundlegendes Problem: Er läuft fast immer nach dem gleichen Schema ab. Es gibt keine Karte, auf der es an Gold oder Mana mangelt, keine Situation, die uns dazu zwingt, unsere bewährte Bau- und Forschungsabfolge zu ändern. Auch gibt es leider keine Mission, in der man gegen andere Dungeon-Besitzer antreten müsste, das ist nur im Skirmish und Multiplayer möglich. Wir kämpfen also stets nur gegen Menschen, Elfen und Zwerge, müssen nie mal einen anderen Dungeon stürmen oder uns zu einer unterirdischen Festung vorgraben. Dabei hat selbst das 20 Jahre alte Dungeon Keeper vorgemacht, wie spaßig und fordernd der Kampf unter Tage sein kann!
Quelle: PC Games
Immer wieder greifen feindliche Helden unseren Dungeon an. Truppennachschub ist darum Pflicht!
Auch das Truppenangebot mit seinen neun Basiseinheiten ist zu überschaubar: Anders als im Vorgänger gibt es nur noch zwei Einheiten, die sich zu neuen Truppentypen aufwerten lassen. Alle anderen Viecher, die sich aus den Bereichen Horde, Dämonen und Untoten rekrutieren, bleiben immer gleich. Es gibt zwar noch drei besonders mächtige Titaneneinheiten, von denen man nur jeweils eine besitzen darf - doch bis man sie im Forschungsbaum freigeschaltet hat, ist die eigene Armee ohnehin stark genug, um den Gegner locker zu überrennen. Eine zusätzliche Fraktion wie im Vorgänger, in dem man auch die Dämonen spielen konnte, gibt es diesmal nicht. Immerhin können wir aber feindliche Helden gefangen nehmen und bis zu fünf von ihnen durch Folter in unsere Reihen aufnehmen - dadurch erweitert sich das Truppenangebot leicht.
Dungeons 3 im Test: Skirmish, Koop und Multiplayer
Nach der Kampagne, die zwischen 15 und 20 Stunden in Anspruch nimmt, lockt Dungeons 3 mit einem Skirmish- sowie einem Mehrspielermodus, in dem die Karten zufällig generiert werden, was etwas mehr Abwechslung versprechen soll. Im Multiplayer steht mit "Duell" leider nur ein Modus zur Verfügung, hier treten bis zu vier Spieler gegeneinander an und streiten sich um Bösartigkeitsinseln - wer 4.000 Punkte Boshaftigkeit gesammelt hat, gewinnt. Eigentlich eine spaßige Angelegenheit, allerdings habt ihr nicht die Möglichkeit, die feindlichen Dungeons zu stürmen, sondern dürft nur deren Eingänge angreifen. Das war im Vorgängerspiel anders, hier konnte man seine Truppen noch durch die mit Fallen gespickten Gänge des Gegners lenken und schließlich das feindliche Dungeonherz zerstören. Ein unnötiger Rückschritt - hoffentlich liefert Realmforge hier noch weitere Modi und Updates nach, immerhin sind die Spieler seit Dungeons 2 mehr Umfang gewohnt!
Quelle: PC Games
Im Gegensatz zu Dungeons 2 haben Kreaturen nur wenige, dafür klare Aufgaben – hier basteln unsere Orks aus Werkzeugkisten neue Fallen und Türen.
Löblich dagegen: In Dungeons 3 darf man sämtliche Kampagnenmissionen auch zu zweit im Online-Koop-Modus bestreiten - dazu lenkt jeder Spieler eine eigene Hand des Bösen und genießt exakt die gleichen Rechte wie der andere Spieler. Ein schöner Bonus, da man sich die Aufgaben so bequem aufteilen kann - allerdings ist auch reichlich Absprache nötig, um so einen effektiven Kerker in Gang zu bringen.
Dungeons 3 im Test: Aufpolierte Technik
Obwohl Dungeons 3 mit seinem comichaften, farbenfrohen Stil grafisch kaum hübscher wirkt als sein schicker Vorgänger, hat sich die Technik spürbar verbessert. Vorbei die Zeiten, in denen Mikroruckler und nachladende Texturen beim Ebenenwechsel für ein unsauberes Spielerlebnis sorgten: Dungeons 3 lief im Test flüssig und stabil, nur wenn man sehr viele Kreaturen auf einmal abwirft, tritt stets ein kurzer Ruckler auf.
Dungeons 3 erscheint auch für PS4 und Xbox One. Die Konsolenfassungen lagen uns noch nicht zum Test vor.
Metacritic bewertet das Spiel mit 75%.
