Der Kino-Hit Dune 2 hat ein großes Problem - und es nervt mich gewaltig!
Kolumne
Denis Villeneuve, der Mann hinter Dune, ist ganz klar einer der spannendsten Filmemacher der heutigen Kinowelt. Doch mit dem Mega-Hit kommt der Regisseur an seine Grenzen. Unser Redakteur Maci Naeem Cheema findet: Dune 2 hat enttäuscht.
Wer sich viel mit Filmen im Allgemeinen und speziell den Werken von Denis Villeneuve auseinandergesetzt hat, der weiß: Man könnte sagen, der Filmemacher steht für das Gegenteil der modernen Kinowelt. Statt mit hohem Einsatz von Special-Effects von einem Ereignis zum nächsten zu sprinten, fokussiert sich Villeneuve auf überaus langatmiges Storytelling, hingebungsvolle Kameraarbeit und einen ausgeprägten Sinn für visuelle Spielereien. Das alles wird dann gepaart mit einem wirklich guten Skript, Dialogen, die hängen bleiben und - ganz besonders wichtig - einem starken emotionalen Aufbau. Und genau der fehlt enorm in Dune 2, wenn ihr mich fragt.
Teil 1 funktioniert, Dune 2 hingegen weniger - wie das?
Und ja, auch schon beim ersten Dune von 2021 hab' ich mich anfangs schwergetan bei der Einordnung. Es ist nicht so, dass mich der Erstling enttäuscht hätte. Ganz im Gegenteil! In meiner damaligen Filmkritik für PC Games wurde viel geschwärmt, was primär daran lag, dass ich die intensive Origin-Erfahrung als sehr, sehr rund empfand - etwas, was mir schon wichtig ist, würde ich behaupten. Dune 1 ist ein unglaublich visuell prächtiger Liebesbrief an die Wüste von Arrakis. Und ans Kino selbst. Mit Dune 2 ist das eine ganz andere Sache.
Quelle: Warner Bros., Legendary
Denis Villeneuve steht für langatmiges und bildgewaltiges Kino - Dialoge sind dabei nur Nebensache und bei Weitem nicht so relevant, wie die visuelle Ebene seiner Werke. Ein Problem? Hm.
Wir kommen endlich zu Dune 2, yay: Zuerst einmal, ja, was ist Dune 2 nur für ein atemberaubend schöner und spaßiger Kinofilm! Ernsthaft, das Kinoerlebnis Dune 2 hat so viele "Magic Moments" wie zehn große 0815-Kinofilme nicht mal vereint auf die Leinwand bringen. Aber, ABER: Dennoch fehlt es mir enorm am emotionalen Aufbau und der Schlagkraft. Und das gilt nicht für die gesamte, allumfassende Erfahrung Dune 2, vielmehr bezieht es sich auf den offensichtlichen Kernpunkt, den Villeneuve bewusst ins Zentrum gerückt hat. Die Liebe, ja.
Wenn wir mal Dune 2 runterbrechen auf das, was die emotionale Reise am Ende tatsächlich formt, dann ist das die Beziehung zwischen Paul Atreides (Timothée Chalamet) und Chani (Zendaya). Es ist keine Abenteuerreise in einer fremden Welt und auch kein politisch verzwicktes Machtspiel. Auf die liebevolle Einführung des von Sandwürmern und Hitze durchfluteten Wüstenplaneten und seiner Bewohner (Teil 1) folgt das schmerzhafte Entreißen.
Achtung, Achtung: Spoiler-Warnung! Wer Dune 2 noch nicht gesehen hat, wird sich diese Überraschung gleich möglicherweise versauen.
Wie schmerzhaft ist Dune 2? Geht so, Digga
Während die Romantik sich in Teil 1 noch auf das weit entfernte Schmachten und die unbestreitbare Schönheit der Wüste bezieht, nimmt sie in Teil 2 die Beziehung von Paul & Chani in Fokus und trägt sie ins leuchtende, emotionale Zentrum des Films - könnte man meinen. Doch aus dem angekündigten Liebesflug über Arrakis wird eher eine ungewöhnlich hektisch wirkende Bahnfahrt, bei der das emotionale Investment des Publikums schon vor drei Stationen ausgestiegen ist. Mal Hand aufs Herz und ganz ehrlich antworten: Juckt euch die Beziehung der beiden wirklich? Bricht es euch das Herz, dass Chani mit ansehen muss, wie Paul sich dem größeren, politischen Machtspiel der Galaxie hingibt? Bei mir passiert da nämlich gar nix.
