Ich habe Dune vor den Filmen nicht gelesen - Gott sei Dank
Kolumne
Dune hat mich komplett vom Hocker gerissen! Wer die Bücher gelesen hat, wird sich an einigen Details allerdings stören - Die Vorlage nicht zu kennen, ist also von großem Vorteil!
Ihr kennt das doch sicherlich auch: Man liest ein Buch, ist begeistert, wird Fan der Reihe und dann kommt plötzlich ein Film oder eine Serie heraus. Manche freuen sich darüber, denn das ist oft der Punkt, an dem ein Franchise endlich die breite Masse erreicht und man viel einfacher Leute findet, mit denen man tiefgehende Nerd-Gespräche führen kann.
Meistens ruft die Verfilmung aber Skepsis hervor, wenn nicht gar Grauen - denn selten hält sich die Leinwandfassung an ihre literarische Vorlage und ganze Passagen fehlen oder ergeben einfach keinen Sinn mehr.
Bücher sind besser
Und das Schlimmste daran: Diese ganzen Unstimmigkeiten bekommen die Fans der Filme nicht einmal mit! Wie oft wurde mir gesagt, dass ich doch endlich die Serie zu Game of Thrones anschauen soll. Als ich es versuchte, ging mir als Bücher-Fan die ganze Charakter-Entwicklung viel zu schnell und war gar nicht mehr nachvollziehbar.
Quelle: Warner Bros., Legendary
Sämtliche Diskussionen, ob nun die Serie oder Bücher besser seien, lösten sich mit der letzten Staffel glücklicherweise in Wohlgefallen auf und ich konnte rechthaberisch und voller Mitleid kopfschüttelnd auf meine Freunde herabschauen.
Dabei weiß ich ganz genau, dass eine Bewegtbild-Adaption nicht nah am Buch sein muss, um zu funktionieren. Als ich als Jugendliche das erste Mal Das Parfüm schaute, empfand ich den Film als super cool. Später wurde ich in der Schule genötigt, das Buch zu lesen, und wieder war ich begeistert und wollte meine Eindrücke unbedingt teilen.
Meinen damaligen Freund habe ich allerdings nicht zum Lesen bekommen, also kaufte ich den Film, den ich so phänomenal in Erinnerung hatte. Beim folgenden Schauen dachte ich kurz, dass ich mich in der Version geirrt hätte, denn die Inhalte hatte ich komplett anders im Kopf. Aber nein, das Buch war einfach so viel besser, voller und runder. Im Nachgang frage ich mich, wie ich sämtliche Logiklücken übersehen und so verblendet sein konnte.
Quelle: Warner Bros., Legendary
Schauen statt Lesen
Als Filme-Schauer und Bücher-Ignorant ist man wohl einfach glücklicher. Wenn man nicht weiß, was einem fehlt, dann vermisst man schließlich auch nichts. In diesen wunderbaren Genuss der unbedarften Unwissenheit komme ich mit der aktuellen Dune-Verfilmung von Villeneuve. Während ich den ersten Film nur schon gut fand, hat mich der zweite Teil absolut vom Hocker gehauen.
Nach der Film-Vorführung für Presseleute habe ich erst einmal jeden im Saal gefragt, was er von dem Film hält, mit großer Besorgnis, dass ich komplett verblendet bin. Dabei fielen Vergleiche mit Die Rückkehr des Königs und wie toll alle das Gezeigte fanden, wie krass die Musik sei, wie sie Gänsehaut bekommen hätten, dass sich die fast drei Stunden nie gezogen haben und man jetzt unbedingt den dritten Teil sehen will.
"Gott sei Dank" dachte ich mir, dann ist meine Wahrnehmung also nicht komplett für die Tonne. Dieses Gefühl hielt allerdings nicht lange an. In meinem Austausch mit dem Kollegen Felix, der die Filmkritik für Dune 2 auf unserer Seite geschrieben hat, zeichnete sich ein gänzlich anderes Bild ab.
