Nicht einmal die als Rollenspieler und Abenteurer bekannten Entwickler der Westwood Studios selbst ahnen, dass sie 1992 mit Dune 2 ein bahnbre- chendes Genre erfinden ...
Lächelnd räkelt sich Großväterchen Dune der Zwote im Schaukelstuhl, ein Glas Rotwein in der Hand, auf den Knien das Familienalbum. »Ach, der kleine Command & Conquer. Wie viel Spaß wir zusammen hatten«, erzählt Opa Dune dem Kater zu seinen Füßen. »Und da sind ja auch die Enkel, Alarmstufe Rot und Generäle. Und die Nachbarn, die WarCrafts, mit ihrem Sohnemann StarCraft. Ein netter Junge.« Er blättert und blättert. Hier sind sie alle versammelt: Dark Reign und Total Annihilation, Age of Empires und Empire Earth, bis hin zu den jungen Wilden: WarCraft 3, Battle Realms und wiederum deren Kinder. Ein beeindruckender Stammbaum, auf den der Urvater der Echtzeit-Strategie blicken kann.
Die richtigen Zutaten gefunden
Dune 2 ist beileibe nicht das erste Strategiespiel. Nicht einmal das erste, das nicht Zug um Zug abläuft, wie damals noch die meisten. Aber es ist das erste, das alle bis heute gültigen Elemente des Genres vereint: Ressourcen gewinnen, Basis bauen, Armeen rekrutieren, den Gegner in Massenschlachten plätten. Alles im temporeichen Echtzeit-Ablauf.
Der Rohstoff, um den sich im Dune-Universum alles dreht, ist das Spice. Eine orange- rote Pflanze, die in der Einöde des namensgebenden Wüstenplaneten gedeiht. Gigantische Erntemaschinen bringen das Spice von den Dünen in die Raffinerien und damit Kleingeld aufs Konto. Das wiederum wird in den Ausbau des Feldlagers gesteckt oder in neue Einheiten investiert: Panzer, Raketenwerfer, Sturmtruppen. Oberstes Ziel: den Gegner mit allen Mitteln vertreiben. Komplexere Aufgaben bleiben späteren Strategiegenerationen vorbehalten.
Atreides gegen Harkonnen
Drei Häuser kämpfen um die Vorherrschaft auf dem Wüstenplaneten: Die aus der Buchvorlage bekannten Atreides und Harkonnen, und die extra für das Spiel aus der Taufe gehobenen Ordos. Jede Partei greift auf ein, zwei Extratruppen zurück. Die Atreides etwa haben mit den Ornithoptern als einzige eine Luftwaffe, die Ordos fahren dafür Gaswerfer auf, die gegnerische Verbände zum Seitenwechsel verleiten. Ansonsten spielen sich die drei Fraktionen respektive Kampagnen weitgehend gleich.
Verglichen mit heutigen Vertretern der Gattung wirkt Dune 2 etwas hektisch, was hauptsächlich an der Steuerung liegt. Da es nicht möglich ist, mehrere Einheiten gleichzeitig zu selektieren (gab's erstmals bei Command & Conquer) oder Gruppen zu erstellen, muss man jedem Panzer einzeln den Einsatzbefehl erteilen. Das atmosphärische Szenario allerdings hat aber immer noch nichts von seinem Glanz verloren.
Der Wüstenplanet heute
Wer heute Arrakis erobern möchte, versucht am besten eine der beiden Neuauflagen. Dune 2000 von 1998 frischt dabei dank der Engine von Command &Conquer 3 vor allem die Grafik auf, behält das Flair des Originals aber bei und punktet darüber hinaus mit Echtfilmsequenzen. Einen ganz eigenen Charme entwickelt Emperor -- Die Schlacht um Dune von 2001. Nicht nur weil es die Pixeloptik der Vorgänger gegen 3D-Grafik tauscht, sondern das Dune-Universum auch um zahlreiche neue Einheiten erweitert und den Echtzeit-Schlachten einen rudimentären Rundenmodus à la Risiko zur Seite stellt.
Rüdiger Steidle
