Dune 2 - Battle for Arrakis: Die Geburtstunde der Echtzeitstrategie-Spiele - Kolumne zum 25. Geburtstag

Special Matti Sandqvist
Dune 2 - Battle for Arrakis: Die Geburtstunde der Echtzeitstrategie-Spiele - Kolumne zum 25. Geburtstag
Quelle: Westwood Studios

Herzlichen Glückwunsch, Dune 2! Das Echtzeitstrategie-Urgestein ist in diesem Dezember stolze 25 Jahre alt geworden. Unser Strategie-Experte Matti Sandqvist schreibt in seiner Kolumne, warum er den Westwood-Titel als die Geburtstunde des RTS-Genres ansieht und wie wichtig die Gefechte auf dem Wüstenplaneten für die Geschichte der Videospiele sind.

Klar, einige kritische Stimmen werden sich jetzt erheben und mir die Leviten lesen - oder gar mich steinigen wollen, wer weiß? Trotzdem bleibe ich dabei: Mit Dune 2 hat Westwood das RTS-Genre, wie wir es noch heute kennen, aus der Taufe gehoben. Zwar gab es mit dem Amiga-Klassiker Mega lo Mania und dem hier in Europa eher unbekannten Herzog 2 für Sega Mega Drive bereits Titel aus dem Strategiegenre, die auf Echtzeit-Spielmechaniken zurückgriffen. Wenn es aber es um die Standards meiner hochgeschätzten Zunft geht, hat kein anderes Studio sie in den Neunzigern so stark mitdefiniert wie eben Westwood. Nicht nur das, ich würde sogar so weit gehen und sagen, dass die allermeisten Echtzeitstrategie-Hits der vergangenen 25 Jahre weiterhin auf jenes Gameplay setzen, dass in Las Vegas federführend von den Westwood-Entwicklern Brett W. Sperry, Aaron E. Powell sowie Lyle J. Hall entworfen wurde. Eine Anekdote des ehemaligen Blizzard-Produzenten Patrick Wyatt (verantwortlich für Warcraft 1 und 2) bringt die Nähe der etlichen Konkurrenztitel meines Erachtens am besten auf den Punkt: "Ich scherzte, dass Warcraft zwar von Dune 2 inspiriert war, aber doch ein völlig anderes Spiel war - unsere Minikarte war in der oberen linken Ecke, sie hatten ihre in der unteren rechten Ecke".
Die Minimap befindet sich in Dune 2 in der unteren rechten Ecke. Quelle: abandonia.com Die Minimap befindet sich in Dune 2 in der unteren rechten Ecke. Das Erlebnis, das mir Dune 2 Anfang der Neunziger Jahre geboten hat, unterscheidet sich in meiner Erinnerung tatsächlich nur marginal von den vielen geistigen Nachfolgern. Ob Command & Conquer, Age of Empires, Total Annihilation oder Starcraft: Im Grunde genommen ging es bei allen erfolgreichen RTS-Reihen um das gleiche - nur in einem anderem Setting. Zuerst sollten wir eine Basis errichten, dann möglichst viele Einheiten anheuern, um dann zum Schluss mit den eigenen Truppen das feindliche Hauptquartier zerstören. Zwischendurch galt es noch, sich um die Ressourcen und die Verteidigung zu kümmern. Natürlich haben die Spiele nach Dune 2 die erfolgreiche Formel um weitere wichtige Zutaten wie etwa einen Mehrspielermodus, den Kriegsnebel, die Auswahl von Einheitengruppen oder 3D-Grafik erweitert, jedoch blieb das Prinzip um die Errichtung der eigenen Basis, des Ressourcensammelns und dem Anheuern einer schlagkräftigen Truppe stets gleich.

Überraschend gut

Für mich als begeisterter PC-Spieler, der etliche Stunden mit rundbasierten Spielen wie Civilization, Battle Isle und History Line verbracht hatte, war Dune 2 damals auch eine echte Offenbarung - obwohl mir beim Spielen der Wüstengefechte beileibe nicht in den Sinn kam, das hier gerade das wohl wichtigste Genre der Neunziger geboren wurde. Zum einen war ich um 1992 ein großer Fan von Frank Herberts Romantrilogie um den Wüstenplaneten und außerdem mochte ich Strategiespiele in allen Formen, Farben und Größen. Der direkte Vorgänger, der bis auf den Publisher Virgin nur sehr wenig gemein mit Dune 2 hatte, hat mich aufgrund der rätselhaften Spielmechanik eher verwirrt - eventuell war ich aber auch einfach zu jung, um das eher komplexe Adventure zu begreifen. Eine besondere Vorfreude auf den zweiten Teil hatte ich jedenfalls nicht, zumal ich das verantwortliche Studio Westwood wegen der damals gefeierten Eye of the Beholder-Reihe eher als Rollenspielschmiede angesehen habe. Ob man in Las Vegas auch gute Strategiespiele entwickeln kann, das wagte ich damals noch zu bezweifeln.

Die Ordos waren auch mit von der Partie. Das Haus gehört aber nicht zum offiziellen Kanon von Dune. Quelle: mobygames.com Die Ordos waren auch mit von der Partie. Das Haus gehört aber nicht zum offiziellen Kanon von Dune. Dune 2 fühlte sich aber ab der ersten Minute so an, als ob Genre-Experten am Werk waren. Gebäude bauen, Einheiten rekrutieren und Erntemaschinen zu Spice-Feldern schicken, all das ging dank der intuitiven Maussteuerung ab der ersten Spielminute gut von der Hand. Ebenso erweiterte sich das Kriegsarsenal des Spiels passend von Mission zu Mission, so dass man die Besonderheiten der Einheiten kennenlernte und stets vor neue Herausforderungen gestellt wurde. Ebenso begeistert war ich darüber, dass viele der bekannten Einheiten aus dem Dune-Universum mit an Bord waren. Ob Carryalls, Fremen oder Sardaukar, zumindest nach meiner Vorstellung war Dune 2 verdammt nah an der Vorlage. Mich störte es auch überhaupt nicht, dass man mit dem Haus Ordos neben den Harkonnen und Atreides eine dem offiziellen Kanon nicht zugehörige Fraktion dem Spiel hinzugefügt hatte - hier war mir das Gameplay dann doch wichtiger.

Natürlich war das erste Echtzeitstrategie-Spiel nicht ohne Fehl und Tadel. Vor allem, als ich für diesen Artikel nach einer fast 20 jährigen Pause wieder einmal Dune 2 installierte und spielte, musste ich feststellen, dass einige heute gängige Features den Schlachten um Spice fehlen. So kann man in Dune 2 zum Beispiel nur einzelne Einheiten auswählen. Das führt dazu, dass jede Offensive gut geplant sein will, denn in der Hektik eines Gefechts wird man wohl kaum jedem Kampf- sowie Belagerungspanzer und Trike neue Befehle geben können. Über die Grafik war man hingegen schon damals geteilter Meinung. Die immer braunen Wüstenumgebungen passten natürlich bestens zur Vorlage, wirkten in den Augen einiger Spieler jedoch auf Dauer etwas eintönig. Auch das Fehlen des Kriegsnebels ist ein Faktor, der die Gefechte gegen die KI etwas langweilig macht. Wenn man nun mal auf dem Bildschirm stets sieht, welche Truppen der Feind gegen einen schickt, kann man recht einfach zu passenden Gegenmaßnahmen greifen - lange bevor die Gegner die eigene Basis nur im Ansatz gefährden. Ärgerlich ist zudem, dass Dune 2 noch keinen Mehrspielermodus hatte. Darüber war ich tatsächlich auch ein wenig überrascht. In meiner Erinnerung bin ich des Öfteren gegen meine Freunde angetreten - per Nullmodemkabel, versteht sich. Die Möglichkeit gab es aber erst in späteren Westwood-Titeln wie Command & Conquer.

Heute noch spielen?

Wer heute noch einmal die Magie hinter dem ersten echten Echtzeitstrategie-Spiel erleben möchte, dem rate ich eher nicht zum Kauf von Dune 2 - und das nicht nur wegen des relativ hohen Anschaffungspreises. Wie bereits angesprochen, fehlen der ursprünglichen Fassung einfach zu viele Komfortfunktionen. Stattdessen sollte man zu Fanprojekten wie Dune 2: The Golden Path oder OpenDune greifen, wenn man denn nun möglichst nah am Original bleiben möchte. Die andere Möglichkeit ist natürlich die Remastered-Version der Wüstengefechte namens Dune 2000. Hier kommt man nicht nur in den Genuss der - eher trashigen - Zwischensequenzen und einer komplett überarbeiteten Grafik, Westwood hatte für die Neuauflage von 1998 auch die Steuerung den damaligen Standards angepasst. Wer nach Dune 2000 auf Plattformen wie Steam, GOG oder Origin sucht, wird jedoch nicht fündig werden. Die Lizenzrechte liegen aktuell nicht bei einem Spiele-Publisher, sondern bei Herbert Properties LLC, den Nachkommen des Romanautors. Da Dune 2000 aber schon ziemlich alt ist und keiner wirklich Interesse an den Lizenzrechten zu haben scheint, gibt es mit Dune 2000 Gruntmods Edition rechtlich gesehen unbedenkliche Fan-Versionen der Neuauflage, die relativ problemlos auf aktuellen Spielerechnern läuft.
Dune 2000 ist eine komplett überarbeite Version aus dem Jahr 1998. Quelle: www.mobygames.com Dune 2000 ist eine komplett überarbeite Version aus dem Jahr 1998. An dieser Stelle bleibt mir nur noch über, den fleißigen Entwicklern von Westwood zu danken - nicht nur für die unzähligen Stunden, die ich mit ihren Meisterwerk verbracht habe. Eventuell hätte es auch ohne Dune 2 das Genre der Echtzeitstrategie-Spiele gegeben, aber ganz sicher nicht in der Form, wie sie in der goldenen Ära der Zunft - sprich in den Neunzigern - populär waren. Und ohne RTS-Spiele würde es so manches Entwicklerstudio, etwa Blizzard oder Relic Entertainment, nicht geben - oder zumindest wären sie sehr wahrscheinlich nicht so erfolgreich. Ebenso wären heute beliebte Genres wie etwa die MOBAs kaum denkbar und auch die eSports-Ligen wären ohne Titel wie Starcraft nicht so bedeutend. Am Ende muss ich sagen, dass Dune 2 jedenfalls in meinen Augen einen ebenso hohen Stellenwert in der Geschichte der Videsopiele hat wie Pacman, Super Mario Bros. oder Doom.

  • Print / Abo
    Apps
    PC Games 06/2026 PCGH Magazin 06/2026 play5 06/2026 N-Zone 06/2026 Linux Magazin 06/2026 LinuxUser 06/2026 Raspberry Pi Geek 07/2026
    PC Games PC Games Hardware Linux Magazin Raspberry Pi Geek Computec Kiosk