Retro-Special zu Dragon Quest für das NES - Seite 2
Special
Dragon Quest und kein Ende! Vor kurzem erst ist der bereits elfte Teil der traditionsreichen Rollenspielserie erschienen. Die unzähligen Spin-offs sind da noch gar nicht mit eingerechnet! Wir beleuchten ihre Anfänge und erzählen euch in unserer großen Retro-Reportage, wie Dragon Quest ein ganzes Genre erschaffen und maßgebend geprägt hat.
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Lizenztücken
Quelle: Andrej Sorich
Habt ihr eine gewisse Anzahl an Kämpfen gemeistert, steigt euer Held im Level auf. Statusattribute werden dabei automatisch vergeben.
Da Enix in den Vereinigten Staaten kein eigenes Büro besaß, überließ man Nintendo of America den Vertrieb. Bevor Dragon Quest 1989 aber für das NES erscheinen konnte, mussten einige Hindernisse gemeistert werden. Zuerst sollte ein neuer Name gefunden werden, da Dragon Quest bereits der Titel eines Pen&Paper-Rollenspiels war und Nintendo Rechtsstreitigkeiten mit den Herausgebern vermeiden wollte. So wurde aus Dragon Quest kurzerhand Dragon Warrior. Darüber hinaus wurden einige Anpassungen am Spiel selbst vorgenommen. So tauschte man die Charaktersprites aus und verbesserte die Animation des Helden.
Zudem wurde eine Speicherfunktion integriert. Mussten im japanischen Original lange Passwörter benutzt werden, um den Fortschritt festzuhalten, bauten die Entwickler in die US-Version von Dragon Warrior eine batteriegestützte Speicherfunktion ein. Die gleiche Vorgehensweise kam bereits bei Metroid zum Tragen, das zwei Jahre vorher in den USA veröffentlicht wurde. Zuletzt übersetzte man das gesamte Spiel in die englische Sprache und brachte es im August des Jahres 1989 auf den Markt. Doch wie bereits drei Jahre zuvor in Japan, hatte Dragon Warrior auch in den USA mit schleppenden Verkaufszahlen zu kämpfen. Nur gab es diesmal keinen Yuji Horii und kein Shonen Jump-Magazin, die einen Misserfolg hätten verhindern können.
Gratisspiel für Abonnenten
Quelle: Andrej Sorich
So nah und doch so fern: Sobald ihr auf die Oberwelt gelangt, könnt ihr in der rechten unteren Bildschirmecke das Schloss des bösen Drachenlords sehen.
Die Verantwortlichen bei Nintendo of America steckten ihre Köpfe zusammen und kamen auf eine zündende Idee: Dragon Warrior sollte fortan als Gratisspiel an jeden neuen Abonnenten der Zeitschrift Nintendo Power verschickt werden. Für nur 20 US-Dollar bekam man als neuer Leser 12 Monatsausgaben der beliebten Zeitschrift und ein brandneues Spiel gleich dazu. Die Idee ging auf. In kürzester Zeit schrieben sich fast eine halbe Million neuer Leser ein und Dragon Warrior bekam so die Aufmerksamkeit, die es verdiente. An den Erfolg, den die Reihe zwischenzeitlich in Japan genoss, kam Dragon Warrior in Amerika aber nicht heran, denn durch den verspäteten Release im Westen wirkte Dragon Warrior nicht mehr ganz zeitgemäß.
Quelle: Andrej Sorich
Die Famicom-Version besitzt eine Passwortfunktion und verlangt ein 20 Stellen langes Passwort von euch, wenn ihr euer Abenteuer fortsetzen wollt.
Spiele wie The Legend of Zelda oder das 1990 erschienene Final Fantasy des direkten Konkurrenten Squaresoft waren in den Augen vieler Kritiker entweder actionreicher oder epischer. Das ließ Enix und Nintendo aber keinesfalls kalte Füße bekommen. Man reagierte auf die Kritik und veröffentlichte die drei Nachfolger recht zeitnah - ebenfalls für das NES. Erst nach Dragon Warrior IV entschied man sich in den Chefetagen bei Enix, die Reihe nicht mehr im Westen anzubieten. Die Folge war, dass Dragon Quest V und VI exklusiv in Japan für den Super Famicom erschienen und sich dort zu den erwarteten Millionensellern entwickelten. Enix ging sogar hin und veröffentlichte Remakes der ersten Dragon Quest-Trilogie, die handlungstechnisch zusammenhängt. Dragon Quest I&II erschienen 1992 auf einer Cartridge in Japan und wurden grafisch an die 16-Bit-Ära angepasst. Vier Jahre später erlebte dann Dragon Quest III als Remake auf dem Super Famicom sein Revival. Erst am 31. Oktober 2001 erschien mit Dragon Warrior VII wieder ein Teil der Reihe im Westen, aber auch hier blieb Europa außen vor.
Zwei Jahrzehnte später
Quelle: Andrej Sorich
1993 erschien mit Dragon Quest I & II ein Remake der beiden ersten Famicom-Abenteuer auf einer Cartridge für Super Famicom. Natürlich wurde die Spielgrafik an die 16-Bit-Ära angepasst. 1999 wurden Dragon Warrior I & II zudem für GBA neu aufgelegt.
Am 13. April 2006 war es dann endlich so weit. 20 Jahre nach Erscheinen des ersten Teils in Japan erfolgte der Release von Dragon Quest VIII: Die Reise des verwunschenen Königs in Deutschland für die Playstation 2. Es war das erste Spiel, das den westlichen Namen Dragon Warrior ablegte und komplett in 3D erstrahlte. Nintendo-Fans mussten lange neidisch auf Playstation-2-Besitzer schielen, da die Serie wie erwähnt erst mehr als zwei Jahre später in Europa erstmals mit Die Chronik der Erkorenen auf eine Nintendo-Konsole gelangte. Dabei handelte es sich um den Start eines Deals über drei Titel zwischen Nintendo und Square Enix. Dragon Quest IV bis VI wurden im Zuge des Deals als aufbereitete Remakes für den Nintendo DS veröffentlicht, bevor Dragon Quest IX 2010 sogar exklusiv auf Nintendos Handheld erschien.
Grundstein für ein Genre
Quelle: Andrej Sorich
Der Schleim ist der erste Gegner, der euch auf der Oberweltkarte in Dragon Quest begegnet. Inzwischen dient er als Markenzeichen für die gesamte Reihe.
Als mit Dragon Quest VIII der erste Ableger in Europa und speziell bei uns in Deutschland erschien, waren wir mehr als verwöhnt im Genre der japanischen Rollenspiele. Durch Titel wie Lufia, Final Fantasy VII oder Tales of Symphonia hatten wir farbenfrohe Welten mit zufallsgenerierten Kämpfen und dunklen Verliesen kennen und lieben gelernt. Wir verbrachten Hunderte Stunden damit, unsere Helden aufzustufen, immer auf der Suche nach den besten Items, den stärksten Waffen oder den mächtigsten Rüstungen. Doch war vielen nicht klar, dass all diese Spielelemente schon Ende der 80er-Jahre mit Dragon Quest ihren Ursprung fanden.
Es war nicht Squaresoft mit Final Fantasy, das den Grundstein für ein ganzes Genre legte, sondern zwei Hobby-Entwickler, die in Japan an einem Wettbewerb der Firma Enix teilnahmen. Damals wusste sicherlich keiner von beiden, dass ihr gemeinsames Werk die Spielelandschaft für immer verändern würde. Koichi Nakamura und Yuji Horii erschufen mit Dragon Quest im Alleingang das Genre der japanischen Rollenspiele und prägen es bis heute mit. Mit Dragon Quest XI befindet sich schon der nächste Teil für PS4 und 3DS in Entwicklung. Gerüchte ranken sich sogar um einen Release für Nintendos NX-Konsole. Wir dürfen gespannt sein, was die beiden Entwickler für uns in petto haben.
Meinung Andrej Sorich
"Ein Rollenspiel, das Geschichte schrieb!"
Ich bin mit den Rollenspielen der Firma Squaresoft aufgewachsen. Spiele wie Final Fantasy VI, Secret of Mana oder Chrono Trigger beeindruckten mich damals sehr. Natürlich kannte ich auch einige Enix-Titel wie Terranigma oder Illusion of Time auf dem SNES, aber warm wurde ich damit nie so richtig. Dragon Quest oder Dragon Warrior waren in den 90er-Jahren kein Begriff für mich, da sie leider nur als teurer Import bezogen werden konnten. Als Schüler war das Budget aber knapp und so vertrieb ich mir mit besagten Squaresoft-RPGs meine freie Zeit. Wie viele andere Spieler in Europa bin ich daher erst mit Dragon Quest VIII auf PS2 mit der Reihe in Kontakt gekommen. Zu dieser Zeit war ich bereits passionierter JRPG-Fan und mochte auch Dragon Quest VIII ganz gerne. Im Anschluss fing ich an, mich mit den Vorgängern zu beschäftigen und stellte fest, dass das erste Dragon Quest all die Dinge, die ich an JRPGs über Jahre hinweg lieben lernte, bereits Ende der 80er-Jahre eingeführt hatte. Das, was Nintendo mit The Legend of Zelda und dem Action-Adventure vollbrachte, gelang Enix mit Dragon Quest: ein komplett neues Genre zu erschaffen und weitreichend zu prägen. Dafür verdienen allen voran Koichi Nakamura und Yuji Horii großen Respekt.
