Dragon Quest: Die Reise des verwunschenen Königs

Test

Nehmen Sie Urlaub oder lassen Sie sich krankschreiben und dann auf ins Abenteuer: Japans bestes Rollenspiel kommt endlich auch nach Deutschland!

S ehr majestätisch wirkt Trode ja nicht: klein, grün, spitze Ohren und ein breites Mundwerk, aus dem vornehmlich Gemecker und Genörgel ertönt... Trotzdem hatte Trode mal das Sagen im Schloss Trodain -- bis der fiese Hofnarr Dhoulmagus das magische Zepter gemopst und dem König seinen aktuellen "Look" angehext hat. Prinzessin Medea wiederum trappelt als Pferd umher.Nur der Held, eine von Trodes Palastwachen, ist von Dhoulmagus' fiesem Fluch verschont geblieben und zieht jetzt mit dem quengeligen König, seiner Tochter und dem unterwegs aufgegabelten Exbanditen Yangus durch das Land, um den Übeltäter zur Strecke zu bringen. Unterwegs trifft die Gruppe interessante Leute. Manche bitten um Hilfe, andere sind auf Ärger aus und wieder andere haben ebenfalls ein Hühnchen mit dem geschminkten Übeltäter zu rupfen und schließen sich Ihrer Gruppe an, etwa die aufbrausende Magierin Jessica und der leichtlebige Charmeur Angelo. kämpfen und forschen...

Meist gehen Sie typischen Rollenspiel-Aktivitäten nach: In Städten plaudern Sie mit Passanten und kaufen feine Ausrüstung. Auf der gewaltigen Weltkarte suchen Sie Ihr nächstes Ziel oder streunen ein wenig herum, um die Umgebung zu erforschen. In Dungeons dagegen halten Sie immer Ausschau nach Schatzkisten und wetzen schon mal die Klinge für den dicken Boss, der Sie meistens am Ende der verwinkelten Katakomben erwartet.

Kämpfe beginnen -- wie es die japanische Tradition will -- nach dem Zufallsprinzip. Das Bild wird weiß, Sie sehen Ihre Widersacher zunächst von vorne und wählen Ihre Aktionen aus: Ziehen Sie dem bissigen Troll mit dem Schwert einen Scheitel, versengen Sie ihm mit lodernder Feuermagie den Pelz, oder heilen Sie erst mal einen etwas angeschlagenen Mitstreiter? Haben Sie die Befehle erteilt, werden die Aktionen in schwungvollen Kamerabewegungen eingefangen. Das sieht toll aus und geht angenehm flott. Dank taktischer Elemente wie Status-verändernder Magie oder dem interessanten Konzentrationssystem, mit dem Sie eine Runde aussetzen und danach besonders hart zuschlagen, sind die Kämpfe schön anspruchsvoll.

...war niemals spassiger!

Im Grunde sind die Zutaten von "Dragon Quest" recht klassisch. Warum also die hohe Wertung? Nun, niemals zuvor wurden die etablierten Rollenspiel-Elemente so perfekt gemischt und durchdacht implementiert -- hier passt einfach alles! Der Schwierigkeitsgrad ist stets fordernd, aber äußerst fair, die Mischung aus Handlungssequenzen und eigentlichem Spiel wunderbar ausgewogen. Darüber hinaus wirkt die riesige Welt sehr harmonisch und lädt zum Erforschen ein. Hinzu gesellen sich unverschämt witzige Monster, extrem sympathische Protagonisten und eine Story, die auf die "Final Fantasy"-typischen radikalen Wendungen alle zehn Stunden verzichtet und dafür umso mehr Wert auf die Charakterzeichnung der Truppenmitglieder legt. Wie im Flug vergehen die 60 bis 70 Stunden, bis Sie den letzten Obermotz zu Gesicht bekommen. Und selbst dann erwarten Sie noch einige interessante Subquests, Ausrüstungsgegenstände und Story-Enthüllungen.

Die PAL-Anpassung ist gut, Square-Enix hat sich die Kritik an früheren "Final Fantasy"-Lokalisierungen zu Herzen genommen. Nicht zuletzt deshalb gehört "Dragon Quest" in jede gut sortierte Spielesammlung. Auch RPG-Abstinenzler werden sich der Faszination des Mammut-Abenteuers kaum entziehen können! tn n

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