Dragon Quest 11 - Reisebericht aus Japan - Besuch in Luida's Bar

Special Benedikt Plass-Fleßenkämper Thomas Nickel Maik Koch
Dragon Quest 11 - Reisebericht aus Japan - Besuch in Luida's Bar
Quelle: Square Enix

Studiobesuch zu Dragon Quest 11: Wenn Square Enix nach Tokio einlädt, dann gibt's auch was zu sehen. In diesem Fall standen das Phänomen Dragon Quest und der kommende elfte Teil der Rollenspielreihe im Mittelpunkt - und ein spannendes Gespräch mit dem Schöpfer der Serie.

Locker-luftig lokalisiert

Die Präsentation findet nicht in Yuji Horiis wundervollem Geheimbüro statt, sondern ganz offiziell in den Räumen von Square Enix im quirligen Tokioter Bezirk Shinjuku. In einem aufgeräumten Konferenzsaal präsentiert uns Produzent Hokuto Okamoto den Anfang der englischen Fassung von Dragon Quest 11 und führt uns Schritt für Schritt durch die Unterschiede zum japanischen Original. Denn im Jahr 2018 ist es mit einer einfachen Übersetzung schon lange nicht mehr getan. Und gerade bei Dragon Quest, einer Reihe, die in Japan so für ihre Treue zur Tradition geschätzt wird, wäre es finanzieller Selbstmord, einfach nur die japanische Version zu übersetzen und in die westlichen Läden zu stellen.

Ein Trupp Flattergegner stellt sich unserer Party in den Weg. Doch viel können die Viecher nicht gegen uns ausrichten. Quelle: Square Enix Ein Trupp Flattergegner stellt sich unserer Party in den Weg. Doch viel können die Viecher nicht gegen uns ausrichten. Gleich der erste Eindruck macht deutlich, dass auch bei Dragon Quest 11 - trotz einer grundlegend ernsten Geschichte - Humor und Wortwitz groß geschrieben werden. In Cobblestone, dem lauschigen Heimatdorf des Helden, dreht sich alles um Gestein. Nebenfiguren sind nach Fels- und Edelsteinen benannt: Die Ziehmutter des Protagonisten hört auf den Namen Amber, eure Jugendfreundin heißt Gemma - die Entwickler ziehen das Motiv konsequent durch. Ebenfalls durchgezogen wird wieder das britische Englisch: Wie im PS2-Klassiker Dragon Quest 8 vertonen auch in Teil 11 wieder britische Sprecher die Hauptrollen - erneut mit einem Fokus auf regionale britischen Akzente. Eine solche Änderung ist für Dragon Quest 11 eine große Sache, kommt die japanische Version doch komplett ohne Sprachausgabe aus. "Dragon Quest war in Japan schon immer ein Erlebnis auf Basis von Text, und die Spieler haben sich die Art und Weise, wie die Charaktere sprechen, stets selbst vorgestellt", sagt Yuji Horii. "Wir haben uns entschieden, diese Tradition beizubehalten. Für den westlichen Release hingegen werden wir Stimmen hinzufügen, weil Japanisch in den Möglichkeiten, die Persönlichkeit eines Charakters rüberzubringen, als Sprache sehr expressiv ist, während in der vergleichsweise simplen englischen Sprache Stimmen nötig sind, um denselben Level an Emotionalität rüberzubringen."

An der Küste habt ihr euer kleines Boot vertaut. Dieb Camus erwartet euch schon. Quelle: Square Enix An der Küste habt ihr euer kleines Boot vertaut. Dieb Camus erwartet euch schon. Das bezieht sich dann auch auf die bereits erwähnten Akzente, wie Horii erläutert: "Im Japanischen ist es sehr einfach, viele Details und Persönlichkeit durch die Sprachmuster der Charaktere zu zeigen, und das müssen nicht mal regionale Dialekte sein. Im Englischen ist das komplizierter, weil die Sprache direkter und einfacher ist. Deswegen hatten wir uns für Dialekte entschieden. Wir wollen den Charakteren etwas Persönlichkeit zurückzugeben. Es gibt im Originaltext auch einige regionale Sachen, wie zum Beispiel eine Stadt, in der die Bewohner am Ende ihrer Sätze immer 'dabe' anhängen." Hokuto Okamoto ergänzt: "Solche Akzente sind gar nicht mal dazu da, um zu zeigen, dass der Charakter aus einer bestimmten Region kommt, sondern um ihm eine persönliche Eigenheit zu verleihen. Das haben wir recht oft in unseren Spielen, und es ist etwas, wofür Herr Horii sehr bekannt ist - sein Markenzeichen, die Art, wie er Charaktere entwickelt." Den Entwicklern sei bewusst, wie viele Freiheiten die westlichen Übersetzer bei ihrer alliterationsfreudigen Arbeit an Dragon Quest genießen. "Manchmal ist uns schon ein wenig mulmig zumute, wenn wir dran denken, was bei der Lokalisation alles mit unseren Texten geschieht", gibt Okamoto nervös lachend zu.


Luida's Bar - Das Mekka für Dragon Quest-Fans

Ein Besuch in Luida's Bar - Die Top-Adresse für Dragon Quest-Fans Quelle: Medienagentur plassma / Thomas Nickel Ein Besuch in Luida's Bar - Die Top-Adresse für Dragon Quest-Fans Dragon Quest-Wein, Slime-Bentos, grinsende Nikuman: Ein Besuch von Luida's Bar im Tokioter Stadtteil Roppongi ist für Dragon Quest-Fans Pflicht. Quelle: Medienagentur plassma / Thomas Nickel Dragon Quest-Wein, Slime-Bentos, grinsende Nikuman: Ein Besuch von Luida's Bar im Tokioter Stadtteil Roppongi ist für Dragon Quest-Fans Pflicht. Unser Weg durch Tokio führt uns unter anderem ins quirlige Viertel Roppongi, der für seine Clubs und seinen hohen Anteil an Ausländern bekannt ist. Und seit ein paar Jahren auch für Luida's Bar. Pop-up- und Themenbars zu Spielen oder Animes sind in Japan keine Seltenheit, aber meist bleiben diese nur für wenige Monate geöffnet. Nicht so Luida's Bar: Die Kneipe wurde einer Herberge aus Dragon Quest 9 namens "Zum Rastenden Recken" nachempfunden und kommt mit ihrer hölzernen Bar und den Buntglasscheiben sehr europäisch daher. Auf der Speisekarte stehen trotzdem eher japanische Spezialitäten - allesamt mit Dragon Quest-Bezug, wie ihr unseren Fotos entnehmen könnt. Direkt nebenan gibt es noch einen zweiten Ort mit starkem Bezug zu Dragon Quest: Einer der zahlreichen Pasela Resort-Karaoke-Clubs beherbergt einen Raum, der nur für das MMORPG Dragon Quest 10 reserviert ist. Den können eingespielte Partys mieten und dann im passenden Ambiente gemeinsam ins Online-Abenteuer ziehen. Unnötig zu erwähnen, dass wir in Europa und den USA von solchen coolen Spielräumen oder Kneipen mit Gaming-Bezug nur träumen können.


Optimierungen für den Westen

Eine sorgfältige Bearbeitung von Texten ist nur ein kleiner Teil von alldem, was für die westliche Fassung mit Dragon Quest 11 geschieht. Wie bei Dragon Quest 8 wird auch hier das komplette Menüsystem umgekrempelt und ordentlich aufgehübscht: Entspricht die Bedienung in Japan in Dragon Quest 11 macht seinem Namen alle Ehre: Schon früh im Verlauf der Geschichte trefft ihr auf dieses feuerspeiende Schuppentier. Quelle: Square Enix Dragon Quest 11 macht seinem Namen alle Ehre: Schon früh im Verlauf der Geschichte trefft ihr auf dieses feuerspeiende Schuppentier. Sachen Präsentation und Aufbau immer noch den 8-Bit-Wurzeln der Serie, basiert das Menü in der lokalisierten Version nun auf Icons statt auf Text, ist aufgeräumter und folgt eher westlichen Spielgewohnheiten. Hinzu kommen noch zahlreiche weitere nützliche Komfortfunktionen: In der lokalisierten Version werdet ihr in Städten rennen dürfen, und wenn ihr stillsteht, könnt ihr in die Ego-Perspektive wechseln und mit der Kamera sogar an interessante Punkte, Monster und Personen heranzoomen - eine Option, die in der japanischen Fassung aus Gründen der Altersfreigabe gestrichen wurde. Warum eigentlich? Das erklärt uns ein sichtlich peinlich berührter Hokuto Okamoto: "Nein, es ist nicht so, dass die Möglichkeit der Ego-Perspektive in Japan automatisch für eine höhere Alterseinstufung sorgt. Aber wir haben ein paar sehr, sagen wir, naturalistisch modellierte weibliche Figuren im Spiel. Und wenn der Spieler nun aus der Ich-Ansicht ranzoomen kann, dann..." Ah. Okay. Wir haben verstanden.

Das Orchester bleibt stumm

Auf eine Sache, mit der wir eigentlich fest gerechnet hatten, müssen wir dann aber doch verzichten: Im Gegensatz zu Dragon Quest 8 wird Dragon Quest 11 in Europa und den USA nicht mit einem komplett orchestralen Soundtrack aufwarten. Die gut komponierten, aber klanglich eher blechernen Samples der japanischen Version untermalen auch die lokalisierte Fassung - das ist durchaus bedauerlich und wird auch Koichi Sugiyamas Kompositionen nicht wirklich gerecht. Und noch eine Ankündigung - oder besser das Fehlen einer solchen - sorgte bei den anwesenden Pressevertretern für lange Gesichter: Zur angekündigten Switch-Portierung konnte (oder wollte) man bei Square Enix noch nichts sagen, daher ist es eher unwahrscheinlich, dass diese gleichzeitig mit der PS4-Fassung in Europa erscheint. Eine 3DS-Version bekommen wir hierzulande jedoch definitiv nicht zu sehen. Mit ihrem optionalen Pixel-Look kitzelte diese ganz massiv den Nostalgieknochen der japanischen Spieler. Da der aber bei Europas Dragon Quest-Gemeinde weniger ausgeprägt scheint und Square Enix Dragon Quest auch eher als HD-Premium-Marke sieht, passt diese Version nicht so wirklich ins Konzept und wird daher in Fernost bleiben. Für 3DS-Fans ist das äußerst schade. Doch vermutlich können wir schon froh sein, dass überhaupt eine Version von Dragon Quest 11 ihren Weg in den Westen findet und die Macher diese für den hiesigen Markt auch noch so liebevoll überarbeiten.

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