Der Computer-Komponist Sam Miller spricht mit uns über seine Arbeit. Der Künstler erklärt, wie er die Musikstücke der Gaming-Helden aus der komprimierten ROM-Ära heute noch rettet.
Musikstücke aus der 8- und 16-Bit-Ära gelten für viele Gaming-Veteranen als die Melodien ihrer Kindheit. Noch heute lauschen sie den Stücken aus Legend of Zelda, Super Metroid, Secret of Mana und vielen anderen Spielen. Obwohl dieser Sound stark hinter dem zurückblieb, was selbst die damalige Technik möglich gemacht hätte.
Sam Miller alias JamminSamMiller beschäftigt sich viel mit Musik aus dieser Ära. Im Interview erklärt er uns einige Details zum Thema Kompression und Co. Er selbst wuchs in den USA, in New Orleans auf, wohnt aber mittlerweile in Barcelona. Er lebt davon, Musik zu komponieren - sowohl für Social Media als auch für Videospiele.
Quelle: PC Games
Die Donkey-Kong-Country-Teile lassen sich auch heute noch sehr gut spielen. Für Spieler ohne Nostalgie wäre eine grafisch und musikalisch überarbeitete Version dennoch schön.
Besondere Bekanntheit erlangte Sam durch seinen YouTube-Kanal, mit dessen Werbeeinnahmen er unter anderem seine Rechnungen bezahlt. Dort veröffentlicht er neben seinen Originalstücken vor allem Restaurationen von Videospielen aus den Neunzigern.
Gerade bei den Soundtracks der Spiele von Donkey Kong Country erzielt er mitunter sogar mehr Aufrufe als Kanäle, welche die Originalfassung hochladen. Sein beliebtestes Werk heißt Aquatic Ambiance aus dem ersten DKC mit über 10 Millionen Klicks.
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Warum braucht es Restaurationen?
Es gibt zwar auch für Musikstücke außerhalb der Gamingszene verbesserte Mischungen und Cover, allerdings handelt es sich bei den Datenträger Read-Only Memories - kurz ROMs - um eine ganz andere Herausforderung. Denn die Qualität der Tracks kommt nicht von schlechtem Aufnahmeequipment, sondern durch eine beispielslose Kompressionstechnik.
Sam erklärt: Um Speicherplatz zu sparen, luden Entwickler nicht etwa Mp3-Dateien oder ähnliche Formate auf die ROMs, sondern programmierten die Aufnahme einer einzelnen Note des Instruments. Dann spielte ein Algorithmus das Musikstück "live" während der jeweiligen Levels ab.
Auch wenn es interessant sein könnte, diese Methode heute zu wiederholen, bleibt es ein Relikt der Vergangenheit. Moderne Titel benötigen in 30 Jahren wahrscheinlich keine Restauration mehr. Zumindest erfordern sie keinen vergleichbaren Aufwand.
Im Gegensatz zu einer renovierungsbedürftigen MP3-Datei müssen Künstler bei den ROM-Stücken jedes Mal das Werk komplett von null aufbauen. Sam benutzt dafür unter anderem das Programm SPCTool, um in die Dateien der ROMs einen tieferen Blick werfen zu können.
Quelle: Nintendo
Das sind Bilder, die wir hören können. Neben der Musik ist auch das restliche Sounddesign ikonisch. Beides finden wir heute immer noch in der Internetkultur - zum Beispiel in Memes.
Wie ein Archäologe staubt er die alten Codes und Skripte ab, um die Algorithmen und Namen der benutzten Instrumente aus den Spielen zu bergen. Mit dieser Informationsbeschaffung beginnt die Arbeit aber erst. Im Anschluss muss Sam die von den Entwicklern benutzten Instrumente im Internet finden.
Danach öffnet er sein Kompositionsprogramm Fruity Loops Studio. Der Künstler fügt dabei alle Instrumente ein und baut aus den Komponenten die komplette Melodie neu zusammen, teils nach Gefühl, teils anhand der Algorithmen. Das Ergebnis ist eine fertige, restaurierte Aufnahme mit besserer Tonqualität.
Wie stehen Entwickler und Urheber dazu?
Gerade Nintendo trägt allerdings einen Ruf als Firma, die mit Klagen um sich wirft. Sam haben sie bis jetzt in Ruhe gelassen. Eine Restauration wirkt zwar nicht wie ein Cover, aber das Urheberrecht sieht hier keinen Unterschied.
Es gilt als Cover, sobald der Interpret alle Aufnahmen neu erstellt. Solange Sam also eine mechanische Lizenz erwirbt, kann er seine Restaurierungen veröffentlichen. Der Verkauf ist ihm jedoch nicht gestattet.
Selbst Juristen können bei dem Thema Probleme bekommen und die Regelung kann je nach Land nochmal variieren. Wer ein Musikstück lizenziert hat, darf stattdessen auch Sams moderne Version davon für seine eigenen Veröffentlichungen nutzen. Er erlaubt es denjenigen, die ihn namentlich als Coverersteller erwähnen.
