Tolle Helden, starker Humor: Die Dispatch-Demo wird auf Steam gefeiert - völlig zu Recht
Special
Als hätte man The Boys mit Stromberg vermixt: So cool wie in dieser Demo waren Superhelden schon lange nicht mehr!
Vom Schurken zum Superhelden
Viel wichtiger ist, wen ich auf welche Mission schicke. Denn zu Beginn ist meine Schurkentruppe noch eine ziemliche Gurkentruppe, die viele Stärken, aber auch eklatante Schwächen mit sich bringt.
Der zynische Sonar ähnelt zum Beispiel einer riesigen Fledermaus - er ist schnell und beweglich, versetzt die Bürger aber auch in Angst und Schrecken. Er kann also problemlos eine Katze vom Baum holen, sollte aber besser keine Geiselnahme entschärfen. Der riesige Golem ist dagegen äußerst robust, was ihn zum idealen Schutzschild für Zivilisten macht - doch Außenwirkung ist keine Stärke von dem Klotz, weshalb er Fernsehkameras lieber vermeiden sollte.
Auch die sechs anderen Schurken haben ihre Höhen und Tiefen. Der reizbare Flambae gibt zum Beispiel eine gute Eskorte ab, verlässt aber manchmal unerlaubt die Basis. Die junge Prism begeistert ihre Fans auf Social Media, taugt aber wenig im Zweikampf. Und die mürrische Invisigal kann sich unsichtbar machen, was perfekt ist, um Einsätze zu meistern, in denen man besser ungesehen bleibt - doch wenn es schnell gehen muss, ist sie die falsche Wahl.
Bildergalerie
Damit ich die richtigen Leute losschicke, sehe ich bei jedem Einsatz anhand von Schlagworten, welche Talente besonders gebraucht werden. Alle Helden verfügt außerdem über fünf verschiedene Attribute, die ihre Erfolgsaussichten beeinflussen. Gelingt ihnen ein Auftrag, sammeln sie Erfahrung und verbessern ihre Fähigkeiten - scheitern sie, nagt das an ihrem Selbstwertgefühl, außerdem müssen sie sich von ihren Verletzungen erholen und fallen für eine kurze Weile aus.
Das alles spielt sich in der Demo noch ausgesprochen simpel, allerdings ist die Schnupperfassung gerade mal eine halbe Stunde lang - man bekommt also nicht mehr als einen kleinen Vorgeschmack. Zum Beispiel muss man in manchen Einsätzen auch kurze Entscheidungen über Textfenster treffen. Also Risiko abwägen und das Beste hoffen.
Manchmal soll man dann auch ein kurzes Hacking-Minispiel hinter sich bringen, das bislang aber noch arg lustlos daherkommt. Im Grunde muss man da nur ein paar einfache Tastenkombinationen eingeben, viel Überlegung ist nicht gefragt. Ob das Gameplay in der Vollversion noch spannender und fordernder wird? Schön wär's! Gerade die Charakterentwicklung der Superschurken birgt schließlich jede Menge Potenzial.
Quelle: AdHoc Studio
Doch selbst wenn Dispatch am Ende nur ein oberflächlicher Notruf-Simulator ohne viel Abwechslung wird - ich werde es trotzdem spielen, wenn's fertig ist. Und das hat es vor allem seiner starken Inszenierung zu verdanken, die es selbst mit ein paar animierten Serien aufnehmen kann.
Edle Präsentation wie im Animationsfilm
Ich war nach dem großartigen Trailer noch ziemlich skeptisch, ob das Spiel am Ende wirklich so gut aussieht. Aber irgendwie hat es das Team geschafft, diesen Look durchzuziehen. Obwohl bei AdHoc Studio einige Veteranen von Telltale arbeiten, ist davon erfreulich wenig zu spüren, der Stil wirkt eigenständig und kommt ohne Altlasten daher: Dispatch setzt auf einen detailreichen Comic-Look mit ausdrucksstarken Figuren und tollen Animationen - das Ergebnis wirkt streckenweise nicht wie ein Spiel, sondern wie ein Animationsfilm.
Ich weiß natürlich nicht, ob sich das durch das gesamte Spiel zieht, doch die Demo macht zumindest Lust auf mehr: Von Telltales alter, klobiger Engine ist die Präsentation nämlich so weit entfernt wie Superman von einem Bänderriss.
Und dann kommen auch schon die englischen Sprecher ins Spiel: Mit Aaron Paul (Breaking Bad, Westworld, Black Mirror) in der Hauptrolle haben sich die Entwickler einen echten Hochkaräter geangelt - er macht schon in der Demo einen fabelhaften Job. Aber auch in den Nebenrollen finden sich massenhaft Talente, darunter sogar der Filmstar Jeffrey Wright (The Batman, Casino Royale).
Selbst bei schlecht geschriebenen Dialogen wäre das vermutlich noch hörenswert. Doch zum Glück ist das nicht der Fall: Alle Gespräche in der Demo sind auf den Punkt geschrieben, unterhaltsam und alles andere als langweilig. Das würde ich mir vermutlich auch einfach als Serie anschauen.
Wird Dispatch deshalb am Ende ein wirklich gutes Spiel? Keine Ahnung! Aber ich bin mir sicher, es wird - auf die eine oder andere Art - ein sehr unterhaltsames Erlebnis. Wird es Robert gelingen, aus den ehemaligen Schurken ein gut funktionierendes Heldenteam zu schmieden? Wird er eines Tages seinen Mecha-Anzug zurückerlangen und selbst wieder auf Streife gehen? Und was wird eigentlich aus dem Kumpel am Pissoir - ist es der Beginn einer wunderbaren Bromance? Ich freue mich darauf, das alles rauszufinden! Dispatch soll noch 2025 für PC erscheinen. Auf Steam könnt ihr euch das Spiel bereits auf eure Wunschliste setzen. Die Demo war im Rahmen des Steam-Next-Fest spielbar.
