Disciples: Liberation im Test - Schwierigkeit, Charakterentwicklung, Fazit, Wertung
Test 35,99 €
Im Test von Disciples: Liberation nehmen wir das Strategie-Rollenspiel von Kalypso Media mit seinen Stärken und Schwächen ganz genau unter die Lupe. Dabei entdecken wir ein durchaus gut gemachtes Dark-Fantasy-Abenteuer mit interessanten Charakteren, schwierigen Entscheidungen und gut gemachten taktischen Möglichkeiten. Letztere kommen aber wegen der mangelnden Herausforderung etwas zu kurz.
Mangelnde Herausforderung
Was zunächst nach ansprechender taktischen Tiefe klingt, kommt während des Spiels aber nur bedingt zum Zuge. Das liegt daran, dass es keine einstellbaren Schwierigkeitsgrade gibt und das Spiel schlicht zu einfach ist. Hat man einmal seine bevorzugte Truppenzusammenstellung gefunden, laufen viele der Kämpfe immer gleich ab. Wirklich gefordert wird man vom Gegner dabei nur selten. Meist vor allem, wenn der Feind einige Level höherstufiger ist als wir selbst. Immerhin lassen sich Kämpfe gegen klar unterlegene Gegner auch überspringen, solange sie nicht für die Handlung relevant sind. Trotzdem führt man noch unzählige manuelle Gefechte, die selten eine echte Gefahr darstellen.
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Quelle: PC Games
Nach einer Weile hat man einen eingespielte Kampfablauf mit seinen Lieblingseinheiten drauf, den man kaum verändern braucht, weil die entsprechende Herausforderung fehlt.
Dass die Kämpfe meist zu einfach sind, wird auch an den ultimativen Skills deutlich, die Avyanna und ihre Gefährten im Verlauf der Handlung freischalten. Diese mächtigen Fähigkeiten haben zunächst einen Cooldown von einigen Runden, bevor sie erstmals eingesetzt werden können. Allerdings dauern die Kämpfe in der Regel nie so lange, dass man überhaupt in die Gelegenheit kommt. Wir konnten die Ultimate Skills genau zweimal einsetzen, während eines Bosskampfes, der dann doch mal ein paar Runden länger ging und in einem Gefecht, wo wir vorsätzlich ein paar Runden vertrödelt haben.
Sollte man doch einmal die eine oder andere Einheit verlieren, kauft man sich halt in seiner Stadt gleichen einen ganzen Stapel neuer Truppen. Denn wenn man die Karten ordentlich erkundet und alle Gebäude einnimmt, schwimmt man spätestens ab der Mitte des Spiels in Rohstoffen. Da fragt man sich dann, wozu es den Marktplatz in der Stadt gibt, bei dem man Rohstoffe kaufen kann. Dabei ist Geld am Ende noch die seltenste Ressource. So hätten wir uns im Umkehrschluss eher die Möglichkeit gewünscht Rohstoffe verkaufen zu können. Diese Option gibt es auf dem Markt nämlich komischerweise nicht.
Quelle: PC Games
Avyanna kann umfangreich mit Ausrüstung ausgestattet werden, die ihre Werte verbessert und andere Boni verleiht. Unten seht ihr übrigens die im Überfluss vorhandenen Ressourcen.
Aufstieg einer Heldin
Ebenfalls nicht verkauft werden, können die unzähligen Ausrüstungsgegenstände, die wir im Verlauf unseres Abenteuers ansammeln. Wie es sich für eine richtige Heldin gehört, können wir Avyanna nämlich mit diversen Rüstungsteilen und Waffen ausstatten. Damit entwickeln wir ihre Charakterwerte in eine von uns bevorzugte Richtung und erlangen mit besonders mächtigen Gegenständen auch noch spezielle Boni dazu. Waffen und die sogenannten Emotionssplitter können wir neben der Heldin immerhin auch unseren Gefährten und teilweise sogar den normalen Truppen anlegen. Was dann noch übrig ist, wird in Ressourcen zerlegt, weil wir davon ja noch nicht mehr als genug haben.
Quelle: PC Games
Mit jedem Stufenaufstieg verdiente Skillpunkte werden in diesen drei Talentbäumen verteilt. Jeder mit eigenen Vorteilen und Bedingungen.
Neben der Ausrüstung entwickelt sich Avyanna aber natürlich auch Rollenspiel-typisch über Level und Talentbäume weiter. Bis zu 80 Stufen können wir aufsteigen und erhalten dabei stets einen Skillpunkt. Diese investieren wir in die drei Stränge Kampf, Nephilim und Magie. Zusätzlich wählen wir ab einer bestimmten Levelstufe eine von vier Klassen, die sich auf unterschiedliche Art und Weisen auf Kämpfe mit Waffen, Magie oder das Führen der Truppen spezialisieren. Die Klassenwahl hat dann auch Auswirkungen auf die Verfügbarkeit einiger Skills in den Talentbäumen. Gleiches gilt auch für das Ansehen bei den Fraktionen. Stehen wir in der Gunst bei den Elfen, können wir zum Beispiel spezielle Fähigkeiten für den Umgang mit Elfeneinheiten freischalten.
Eine ganz besondere Rolle unter unseren Truppen nehmen die bereits erwähnten Gefährten ein. Bei ihnen handelt es sich um Story-relevante Charaktere, die wir im Verlauf unseres Abenteuers treffen. Haben wir sie überzeugt, sich uns anzuschließen, stehen sie als spezielle Kämpfer für unsere Kampfformation zur Verfügung. Neben Avyanna können immer zwei Gefährten aktiv am Kampfgeschehen teilnehmen. Darüber hinaus dienen diese Charaktere aber auch als wichtige Figuren bei der Interaktion mit den vier Fraktionen. Für jedes Volk lassen sich zwei Begleiter finden. Diese mischen sich dann auch immer wieder ein, wenn es zu Auseinandersetzungen mit entsprechenden Gruppierungen kommt. Zusätzliche können wir in unserer Stadt Yllian immer wieder mit den Gefährten sprechen.
Quelle: PC Games
Bis zu neun Gefährten der unterschiedlichsten Couleur könnt ihr um euch versammeln. In der Burg von Yllien könnt ihr mit ihnen sprechen.
Spaßbremse
Leider sind diese Gespräche nicht vertont. Die eigentlich gelungene (englische) Sprachausgabe wurde nicht auf das ganze Spiel, sondern nur auf die Hauptstory angewandt. So müssen wir ungefähr 50 Prozent der Texte und Dialoge selbst lesen. Immerhin schafft es das Spiel trotzdem uns einen gewissen Charme der einzelnen Charaktere näherzubringen. Gerade aus Rollenspiel-technischer Sicht, mit seiner Erzählung, den Charakteren, der Charakterentwicklung über Skills und Ausrüstung sowie den häufig sehr schwierigen Entscheidungen, die Auswirkungen auf Fraktionsansehen und den Storyverlauf haben, funktioniert Disciples: Liberation hervorragend.
Beinahe würden wir das auch über den technischen Unterbau sagen. Die Grafik ist zweckmäßig hübsch, ohne groß hervorzustechen. Das Spiel läuft dabei angenehm flüssig und im Großen und Ganzen fehlerfrei. Es ist uns einmal passiert, dass sich eine Dialogstelle wiederholt hat, einmal wurde ein Kampf nicht richtig geladen und wir mussten neu laden. Das große Aber folgt erst bei der Betrachtung der Versionen auf PS4 und PS5. Auf diesen Plattformen gibt es nämlich einen Bug im dritten großen Bosskampf gegen Ende der rund 80-stündigen Reise, der es derzeit unmöglich macht, das Spiel zu beenden. Während eines bestimmten Angriffes dieses Bosses friert das Geschehen unweigerlich ein und es ist kein Weiterkommen möglich. Einige Spieler berichten sogar, dass in der Folge dieses Freezes ihre Spielstände unbrauchbar wurden. Dieser doch signifikante Fehler ist auch jetzt knapp einen Monat nach Release noch nicht behoben. Daher müssen wir die Playstation-Versionen entsprechend abwerten. Hoffentlich lässt ein erlösender Patch nicht mehr zu lange auf sich warten.
Update (18.11.2021): Am 18.11. haben die Entwickler ein neues Update für Disciples: Liberation veröffentlicht. Neben diversen Bugfixes hat das Team damit auf PS4 und PS5 auch den im Test beschriebenen Bug behoben, der ein Durchspielen des Spiels verhinderte. Wir haben daher die Abwertung auf diesen beiden Plattformen zurückgenommen und die Wertung an die anderen Plattformen angepasst.
