Zwischen Emotion, Rätseln und lebendiger Digiwelt - das sind die Stärken und Schwächen von Digimon Story Time Stranger.
Leider fehlt es Digimon Story Time Stranger an manchen Quality-of-Life-Features. Versteht mich nicht falsch - Time Stranger ist voll mit Kleinigkeiten wie Klamottenläden, Supermärkten, und es gibt sogar ein eigenes Trading-Card-Game, das man gegen NPCs auf der Straße spielen kann. Ich hätte mir aber etwas mehr vom Alltag eines Teenagers gewünscht - eben so, wie es auch im Anime passiert. Ich möchte den nervigen Kampf zwischen Schule und Freizeit haben. Stattdessen bin ich als Agent unterwegs, der selbst von den neugewonnenen Freunden immer nur "Agent" genannt wird und in den wichtigen Zwischensequenzen nur anteilslos danebensteht.
Quelle: PC Games
Die Kämpfe sind auch nach vielen Stunden immer noch unterhaltsam.
Ist ja aber auch klar, immerhin hat der Typ keine eigene Stimme. Alle dürfen reden, nur ich nicht. Da fühle ich mich manchmal wie das fünfte Rad am Wagen. Immerhin gleichen das die teils sehr emotionalen Geschichten unserer Begleiter aus. Dennoch fühle ich mich machtlos, wenn mein stummer Typ neben seinen Freunden steht, die gerade ihr Herz ausschütten. Fehlt nur noch, dass der Agent mit den Worten "Na ja, muss dann auch wieder" umdreht und abdampft.
Endlich eine schöne Digiwelt
Zwischen all der Emotionalität und den Kämpfen warten immer wieder kleine Rätsel auf die Entdeckertruppe und Nebenmissionen ersetzen die Filler-Folgen von damals. Und genauso wie damals sind auch die Inhalte der Nebenmissionen eher banal, aber nie langweilig. Die wenigen Rätselpassagen sind nicht wirklich herausfordernd, lockern das Spiel aber immerhin hin und wieder auf.
Die Fülle an Digimon in der großen, offenen Spielwelt machen das Spiel immersiv. Die Welt der Menschen ist zwar schön gestaltet, doch die meisten NPCs stehen eher wie leblose Hüllen in der Gegend herum. Ganz anders sieht es in der Digiwelt aus. Jedes kleine Monster ist clever platziert und erzählen kleine Geschichten, die mal voller Gags und mal belanglos sind.
Quelle: PC Games
Die Zwischensequenzen sind immer unterhaltsam - auch wenn sie manchmal etwas an den Haaren herbeigezogen sind.
Die Geschichten rund um die Titanen und die Olympischen Zwölf habe ich übrigens bewusst außen vor gelassen. Das liegt vor allem daran, dass sie zwar den Kern der Geschichte bilden, das wahre Erlebnis in Time Stranger aber durch das rundherum entsteht.
Digimon Story Time Stranger ist das Spiel, auf das Digimon-Fans seit Jahren gewartet haben und das Spiel, das Digimon-Fans verdient haben. Es bringt alte und neue Fans zusammen, auch wenn immer noch etwas Luft nach oben ist. Wenn ich mir etwas wünschen dürfte, dann wäre es noch mehr Rollenspiel - mehr Alltag eines Digiritter und weniger vom klassischen Job eines Agenten. Die Geschichte der ersten beiden Digimon-Adventure-Staffeln wären dafür doch eigentlich wie gemacht.
