Die Siedler in der Vorschau: Neu ist nicht immer gleich besser - Seite 2
Special
Nach der langen Funkstille haben wir erstmals wieder Die Siedler zu Gesicht bekommen und eine aktuelle Beta gespielt. Mit gemischten Gefühlen.
Nun fehlen nur noch die Esel, die Träger nutzen, um Waren schneller und effektiver zu transportieren, und die Werkzeuge, die wir benötigen, um neue Ingenieure auszubilden. Mehr als diese 20 genannten Waren gibt es im Spiel nicht. Zum Vergleich: Die Siedler 4 hatte nahezu doppelt so viele, und in einem Anno 1800 kommt man mit 20 Waren noch nicht einmal über die zweite Bevölkerungsstufe hinaus.
Aber selbst wenn wir es mit dem vergleichen, was uns die Entwickler noch 2019 an spannenden Systemen vorgestellt haben, ist die Oberflächlichkeit der Wirtschaft in Die Siedler nicht zu leugnen. Damals wurden die Siedler noch hungrig und legten die Arbeit bei mangelnder Versorgung nieder. Wohngebäude mussten entsprechend über Marktstände versorgt werden. Die Siedlung konnte in mehreren Stufen aufsteigen, was wiederum Upgrades für die Produktionsbetriebe freischaltete.
Bei der Bewirtschaftung der Natur durch Holzfäller, Sammler und Jäger musste auf ein ausgeglichenes Ökosystem geachtet werden. Wir lobten damals im Fazit die vielschichtigen und komplexen Wirtschaftssysteme, von denen heute nichts mehr zu sehen ist.
In diesem Artikel
Quelle: PC Games
Zwei Turmtypen dienen zur Verteidigung des eigenen Herrschaftsgebiets. Die ursprünglich mal geplanten ausgefallenen Festungsanlagen gibt es nicht mehr.
Türme und Soldaten
Ähnliches trifft auch auf den militärischen Aspekt des Spiels zu, mit positiven und negativen Aspekten. Es ist definitiv zu begrüßen, dass die ganze Heldenmechanik, die Gladiatorenkämpfe und das damit verbundene Streben nach Ruhm und Ehre dem Rotstift zum Opfer gefallen sind. Diese Features wirkten dann doch eher wie Fremdkörper in einem Siedler, bei dem es doch in ersten Linie ums Siedeln gehen soll.
Aber auch vom restlichen Militärsystem, das wir 2019 zu Gesicht bekommen haben, ist kaum noch etwas vorhanden. So gibt es keine Mauern mehr, mit denen wir unsere Siedlung befestigen könnten. Türme müssen nicht mehr bemannt werden und sie dienen auch nicht mehr wirklich der Erweiterung des eigenen Territoriums.
Quelle: PC Games
Beim Angriff auf konkurrierende Siedler sucht man taktischen Tiefgang vergebens.
Stattdessen haben wir jetzt die Wahl zwischen zwei Turmtypen, die jeweils selbstständig sich nähernde Feinde angreifen und über eine Heil- beziehungsweise Pfeilhagel-Fähigkeit verfügen. Für die Offensive bilden wir eine Armee aus sechs verschiedenen Truppentypen aus. Eine dieser Einheiten ist jeweils eine besondere Version, je nach gespieltem Volk.
So haben die Elari zum Beispiel besonders starke Armbrustschützen anstelle der sonst üblichen Bogenschützen. Zum Ausheben der Truppen errichten wir einen Trainingsplatz, eine zwielichtige Taverne sowie einen Schrein.
Auf dem Trainingsplatz bilden wir die Standard-Einheiten Krieger, Wächter und Ranger mit Hilfe unserer hergestellten Waffen aus. In der Taverne heuern wir Alchemisten und für Gebäude gefährliche Feuerwächter an. Der Schrein versorgt uns mit Ritualisten, die vor allem zur Heilung der eigenen Truppen eingesetzt werden.
Die Armee lässt sich wie von jedem Echtzeitstrategiespiel gewohnt direkt steuern, in Gruppen zusammenfassen und taktisch eingesetzt werden. Wirklich weitreichenden taktischen Tiefgang sollte man allerdings nicht erwarten. Solange man einige Anti-Gebäude-Einheiten in der Hinterhand hat, um eventuellen Türmen schnell ein Ende zu bereiten, braucht es nicht wirklich eine Strategie.
Um den Gegner zu bezwingen, ziehen wir mit unseren Truppen durch sein Herrschaftsgebiet, bekämpfen seine Soldaten und brennen seine Gebäude nieder. Wirklich verzichten kann man auf den militärischen Part aber leider auch nicht, da zumindest der Gegner stets auf Angriff ausgelegt ist und immer wieder mit seinen Truppen in unseren Gebieten erscheint. Zumindest eine standhafte Verteidigung ist da nötig, wenn man sonst in Ruhe vor sich hinsiedeln will.
Quo vadis Siedler?
Quelle: PC Games
Eventlocations wie diese Statue bieten Abwechslung, wenn auch nur für kurze Zeit.
Wobei sich allerdings die Frage stellt, wie lange man vor sich hinsiedeln kann, ohne dass es langweilig wird. Die beschriebene überschaubare Wirtschaft hat man nach einiger Zeit am Optimum laufen. Neben dem Krieg mit seinem Nachbarn bleibt dann nur noch die Erkundung der Karte, auf der verschiedene Eventlocations zu finden sind. So findet man am Strand ein verunglücktes Schiff, aus dem man noch ein paar Rohstoffe retten kann.
In alten Ruinen müssen zunächst einige Waren eingesetzt werden, um mit einem Schatz belohnt zu werden. Dann gibt es noch kleinere Camps, die von unabhängigen Banditen bevölkert werden. Hier kann man seine Truppen austesten, bevor es zum Angriff auf den feindlichen Siedler geht.
Für stundenlange Beschäftigung werden diese kleinen Abwechslungen aber sicher nicht sorgen. So ist der Skirmish-Modus auf Dauer wirklich nur etwas für Spieler, die ihre Herausforderung im Kampf gegen andere Mitstreiter sehen, seien es NPCs oder echte Mitspieler.
Für Einzelspieler soll es im fertigen Spiel zudem noch den Onslaught-Modus geben, in dem ihr es mit verschiedenen vordefinierten Spielsituationen zu tun bekommt, deren Lösung die Herausforderung für den Spieler darstellt. Als Hauptattraktion wird das Spiel aber auch über eine Story-Kampagne verfügen. Hier sollen alle drei Fraktionen zum Tragen kommen. Wirklich viel mehr wollten uns die Entwickler darüber aber noch nicht verraten.
Dabei wird es vermutlich von der Qualität dieser Kampagne abhängen, ob Die Siedler ein gutes Spiel wird oder nicht. Mit einer packenden Geschichte, die uns die drei Völker nahebringt und mit Spannung bei der Stange hält, könnten unsere derzeitigen Zweifel vielleicht überschattet werden.
Denn was nach dem Anspielen der Beta-Version derzeit hängen bleibt, ist der Eindruck eines ziemlich entschlackten Spiels, das mit seinem ursprünglichen Konzept nur noch wenig zu tun hat. Das Spiel orientiert sich jetzt zwar wieder stärker am klassischen Gameplay, vermittelt aber auch den Eindruck, dass es sich nicht traut, mit neuen Ideen mal etwas zu probieren. Stattdessen wurde alles dermaßen vereinfacht, dass selbst Siedler-Veteranen vermutlich eher gelangweilt als begeistert sein werden.
Ja, die ursprüngliche Form des Spiels war für Siedler-Verhältnisse recht komplex, aber das war auch erfrischend anders. Es ist zwar nachvollziehbar, dass man dies etwas zurückfahren wollte, um ein breiteres Publikum anzusprechen, aber dabei sind die Entwickler etwas zu sehr über das Ziel hinausgeschossen.
