Die Siedler Vorschau: Wenn der Reboot eines Reboots am Ende ein Reboot zu viel ist
Special
Nach der langen Funkstille haben wir erstmals wieder Die Siedler zu Gesicht bekommen und eine aktuelle Beta gespielt. Was wir dabei erlebt haben, hatte überraschender Weise kaum noch etwas mit dem Spiel zu tun, was man uns vor mehr als zwei Jahren erstmals vorgestellt hat. Zahlreiche Änderungen wurden seitdem vorgenommen, viele davon nicht unbedingt zum besseren.
Im August 2019 waren wir exklusiv bei Ubisoft in Düsseldorf zu Gast, um uns erstmals das neue Siedler anzuschauen. Das Spiel wurde ein Jahr zuvor auf der Gamescom 2018 angekündigt und nun waren die Macher bereit uns endlich auch Gameplay zu zeigen. Was wir damals zu sehen bekamen, wusste durchaus zu gefallen.
Präsentierten uns die Macher doch eine gelungene Mischung als altbewährtem Siedler-Gameplay und frischen Ideen. Nach diesem Studiobesuch wurde es jedoch erstaunlich ruhig um das Projekt.
Für eine sehr lange Zeit gab es weder neue Präsentationen des Entwicklungsfortschritts noch sonstige öffentliche Wortmeldungen von Siedler-Verantwortlichen. Das ursprünglich angepeilte Release-Jahr 2020 verstrich ohne ein Update und auch 2021 ging für Siedler-Fans ereignislos ins Land. Nun meldet sich Ubisoft jedoch mit einem Paukenschlag zurück. Die Siedler lebt nicht nur, sondern soll bereits am 17. März 2022 erscheinen.
In diesem Artikel
Reboot des Reboots?
Doch was haben die Entwickler hinter den Kulissen in den letzten zweieinhalb Jahren eigentlich getan? Wir konnten uns den aktuellen Stand im Rahmen einer digitalen Präsentation sowie einer spielbaren Beta-Version anschauen. Das Spiel, welches wir dabei zu Gesicht bekamen, hatte nur noch wenig mit dem zu tun, was wir seinerzeit beim Studiobesuch erlebt haben.
Die Entwickler haben das Siedler-Reboot also noch einmal komplett auf den Kopf gestellt. Geblieben ist der hübsche grafische Unterbau mit der Snowdrop-Engine, die zum Beispiel auch in The Division zum Einsatz kommt. Auch der grundlegende Stil, der für ein wohliges Siedler-Gefühl sorgen soll, ist erhalten geblieben.
Da hören die Gemeinsamkeiten aber auch schon allmählich auf. War das Siedler von 2019 noch eine komplexe Mischung aus klassischem Siedler-Gameplay und diversen neuen Ideen, orientiert man sich nun wieder stärker an bekannten Elementen. Besonders Siedler 3 und 4 dienen den Entwicklern als Inspirationsquellen.
Das bedeutet, man siedelt mit einem von drei Völkern auf verschiedenen Karten im Skirmish-Modus oder verfolgt die Story in der Kampagne. Statt Römern, Ägyptern und Amazonen, müssen wir diesmal jedoch mit den fiktiven Elari, Maru und Jorn vorliebnehmen. Ob diese uns mit ihren Geschichten ebenso begeistern können, wird sich zeigen.
Quelle: PC Games
Unten rechts seht ihr die vier Befehle für den Ingenieur: Gebäude errichten, Landgrenzen erweitern, Rohstoffe suche und Gegenstände einsammeln.
Dem Ingenieur ist nix zu schwör
Zu Beginn einer Partie im Skirmish-Modus verfügen wir über ein zentrales Lagerhaus, ein Dutzend Militäreinheiten, einen guten Startvorrat an Trägern sowie einige Ingenieure. Letztere sind die einzige zivile Einheit, die wir als Spieler direkt kontrollieren können. Träger und die Besatzung in Produktionsgebäuden gehen ihrer Arbeit stets automatisch nach. Ingenieure werden benötigt, um neue Gebäude zu errichten.
Sobald Träger die nötigen Ressourcen an die Baustelle gebracht haben, legen die Fachkräfte los. Darüber hinaus übernehmen die Ingenieure aber auch noch die Aufgaben, die früher Einheiten wie die Geologen und Pioniere erledigt haben. Wir schicken sie also zum Beispiel los, um durch das Versetzen von Grenzsteinen unser Herrschaftsgebiet zu vergrößern und um Rohstoffvorkommen aufzudecken.
Quelle: PC Games
Eine Holzfällerhütte, ein Sägewerk, und schon steht die Hälfte der grundlegenden Rohstoffversorgung.
Zunächst kümmern wir uns aber um die Versorgung mit Baustoffen. Dazu errichten wir einen Steinbruch an ein paar Steinvorkommen sowie eine Holzfällerhütte und ein Sägewerk in der Nähe eines Waldes. Da es sich in beiden Fällen zunächst um begrenzte Rohstoffvorkommen handelt, gilt es später auf dauerhafte Steinminen sowie die Holzwirtschaft im Umfeld eines nachwachsenden Waldes umzustellen.
Mit einem steten Zufluss an Brettern und Steinen hat man allerdings auch schon alles, was man dauerhaft zur Errichtung von Gebäuden benötigt. Komplizierter wird es nicht mehr. Allgemein ist die Warenwirtschaft überschaubar.
Nach den ersten Schritten machen wir uns im Grunde bereits an die Herstellung von Waffen für den Krieg gegen unsere Widersacher. Dazu benötigen wir Kohle und Erz, die zu Barren verarbeitet werden. Diese verwandelt die Schmiede wiederum auf Wunsch in Schwerter, Bögen oder Äxte. Ja, auch Bögen werden in der Siedler-Welt aus Eisen hergestellt.
Ein zusätzliches Gebäude für einen Bogner, der Holz verbraucht, um die Fernkampfwaffen herzustellen, hätte hier deutlich mehr Sinn ergeben. Davon, dass der Schmied eigentlich auch Holz für Schwert- und Axtgriffe geliefert werden müssten, fangen wir gar nicht erst an. Es wird nämlich sehr schnell deutlich, dass das Wirtschaftssystem von Die Siedler ja nicht zu komplex werden soll.
Planwirtschaft
Quelle: PC Games
Nahrungsmittel wie Brot stellen wir in erster Linie her, um andere Betriebe zu pushen.
Die beschriebene Warenkette zur Waffenherstellung ist bereits das "komplizierteste", was euch im Spiel erwarten wird. Neben Stein, Kohle und Erz lassen sich in Minen noch Edelsteine und Gold, abbauen. Beide kommen auch bei der Rekrutierung von Militäreinheiten zum Einsatz. Die Edelsteine direkt und das Gold nachdem es zu Münzen verarbeitet wurde.
Letztere werden zudem genutzt, um in einer Akademie Forschungen zur Verbesserung der einzelnen Kampfeinheiten freizuschalten. Damit haben wir im Grunde schon den Großteil der Siedler-Wirtschaft abgedeckt.
Wir können zusätzlich noch Nahrung herstellen. Fischer fangen Fische, Sammler sammeln Beeren, Jäger liefern Fleisch und in einer dreistufigen Kette von der Farm über die Mühle bis zum Bäcker entstehen Brote.
Die Fressalien dienen aber nicht der Versorgung der Bevölkerung, sondern werden verbraucht, wenn wir in den anderen Produktionsbetrieben den Boost-Modus für verdoppelte Produktionsgeschwindigkeit aktivieren. Das ist also eher etwas für die Optimierung der eigenen Produktion und nichts, was zu Spielbeginn fürs Überleben der Siedlung notwendig wäre.
Weiter geht's auf Seite 2!
