Diablo 4: Kolumne zum MMO-Aspekt
Kolumne
In seiner Kolumne zu Diablo 4 spricht PCG-Redakteur Matthias Dammes über den MMO-Aspekt des Spiels und wie ihn die Beta in dieser Hinsicht überrascht hat.
Gar nicht so schlimm
Interessant wurde es für mich, sobald ich die Mauern der Stadt hinter mir ließ. Besonders weil das Spiel gerade erst frisch gestartet ist und alle Spieler sich im Levelprozess befinden, hatte ich Schlimmstes befürchtet. Man kennt das ja aus WoW und Konsorten. Da prügeln sich dutzende Spieler um die spärlich nachspawnenden Gegner, in der Hoffnung schnell die eigenen Questziele zu erreichen. Doch zu meiner Überraschung blieb dieses Schreckensszenario aus. Klar, ich vernahm direkt in der Ferne Kampfgeräusche und auf dem Weg zu meiner nächsten Quest pflasterten bereits Leichen meinen Weg, aber es hielt sich doch alles in einem erträglichen Rahmen. Ich fand selbst immer noch mehr als genug Gegner zum Bekämpfen und wenn ich hin und wieder mit einem Spieler zusammen eine Gruppe plattgemacht habe, war das auch nicht weiter schlimm. Gerade bei den Ereignissen in der Spielwelt, eine Art kleine Minievents, ist das Ziel mit Unterstützung meist schneller erreicht. Zwar kann ich diese Events auch alleine ohne Probleme bestreiten, aber wenn mir dabei jemand hilft, beschwere ich mich auch nicht. Zumal ich nie das Gefühl bekomme, dass mir irgendwas weggenommen wird.
Eine Erkenntnis für mich selbst ist bei der ganzen Sache auch, dass ich die offene Spielwelt von Diablo 4 nicht genauso behandeln darf wie die Levels in früheren Teilen der Reihe. Es ergibt hier keinen Sinn, das Gebiet systematisch von Anfang bis Ende zu durchforsten, alles auf dem Weg plattzumachen und quasi die Karte komplett leer zu räumen. Das ist mit permanentem Respawn sowieso nicht möglich und es ist am Ende halt eine offene Spielwelt, die riesig ist. Ich muss die Oberweltkarte stattdessen eher als Verbindung zwischen den ganzen interessanten Orten wie Städten und den Dungeons betrachten, in denen ich ja eh meine Ruhe habe. Und wenn mir da bei der Reise von A nach B irgendwo ein paar Spieler über den Weg laufen, sind diese wenige Sekunden später auch schon wieder aus meiner Wahrnehmung verschwunden. Zumal ich festgestellt habe, dass mit fortschreitender Dauer der Beta, als sich die Spieler immer weiter in der Welt verteilten, auch die zufälligen Begegnungen seltener wurden.
Quelle: PC Games
Diablo 4: Beta-Kolumne
Es gab sogar Momente, wo ich richtig Spaß hatte, mit anderen Leuten eine Herausforderung anzugehen. Allem voran ist dabei natürlich der Weltboss Ashava zu nennen, dem wir uns am Samstagabend gleich zwei Mal entgegengestellt haben. Das Riesenvieh ist schon von seinem Design her nicht dafür gedacht, von Einzelspielern angegangen zu werden. Dennoch wollte ich mir natürlich potentiell großartige Beute nicht entgehen lassen. Und nachdem der erste Versuch noch nicht gelang, fand ich mich zwei Stunden später wieder am Spawnpunkt ein, um mit einigen Kollegen und diversen wildfremden Menschen dem Koloss endlich den Rest zu geben. So lange es bei diesen dosierten Ereignissen bleibt, die die Zusammenarbeit mit anderen Spieler erfordern, kann ich damit bestens leben.
Überraschendes Fazit
So fällt mein Fazit am Ende der Beta zu meinem Empfinden bezüglich der MMO-Natur von Diablo 4 nicht so aus, wie ich das in der letzten Woche noch erwartet hatte. Ich wollte eigentlich so richtig draufhauen und mich darüber aufregen, dass ich als Einzelspieler keinen Spaß mehr mit Diablo haben darf. Aber die Wahrheit ist: Ich hatte mit der Beta verdammt viel Spaß und ich freue mich jetzt so richtig auf den finalen Release des Spiels. Für mich macht Diablo 4 einfach viel richtig. Eine düstere Atmosphäre, eine Geschichte mit Potential, spaßiges Gameplay und gut sieht es dabei auch noch aus. Dass ich dabei hier und dort auf Spieler treffe, verblasst im Hintergrund.
Nun muss ich meine anhand der Beta gewonnene Einschätzung vermutlich noch mit einem Sternchen versehen. Gut möglich, dass sich das ganze Erlebnis im Endgame noch verändert. Was passiert, wenn alle Spieler auf Maximalstufe sind, wenn sich bestimmte Gebiete als bevorzugte Farmgebiete herauskristallisieren? Vielleicht kommt dann doch noch ein Punkt, an dem die Begegnungen mit anderen Spielern ein störender Faktor für mich werden. Nach allem, was ich bisher in der Beta gesehen habe, glaube ich das zwar nicht wirklich, aber völlig ausgeschlossen ist es natürlich nicht. Ich hoffe einfach mal, dass bei mir auch im fertigen Spiel die Freude am Metzeln und dem Abenteuer überwiegt und ich meinen Frieden damit machen kann, dass mir gelegentlich ein pewpew und ein HotSh0t über den Weg läuft.
