Diablo 2 Resurrected: Warum ich es nur der Story wegen spiele

Kolumne Carlo Siebenhüner
Diablo 2 Resurrected: Warum ich es nur der Story wegen spiele
Quelle: Blizzard

Diablo 2: Resurrected ist erschienen und Redakteur Carlo Siebenhüner freut sich wie Bolle auf das Spiel. Doch nicht wegen der unverwüstlichen Suchtspirale, sondern wegen der Story! Ja, Diablo hat einen überraschend tiefen Unterbau in seiner Geschichte und den unterschätzen sehr viele.

"Ich weiß nur, als er lockte, musste ich ihm folgen. Von dieser Stunde an reisten wir gemeinsam. Nach Osten... Stets nach Osten..."
Das ist ein Zitat aus dem Intro von Diablo 2, das auch nach 20 Jahren immer noch tief in mein Gehirn gebrannt ist. Nicht nur, weil ich wie so viele andere Diablo 2 bis zum Abwinken gezockt und deswegen das Intro gefühlte 1000 Mal gesehen habe. Nein, auch weil mich diese Eröffnungssequenz inhaltlich extrem gefesselt hat.

Im Gegensatz zu vielen anderen da draußen, die Crit-Schaden und 13% besseren Lootdrop in ihrer Ausrüstung vergleichen, denke ich über die Geschichte und die Welt von Diablo nach. Ich würde sogar einen Schritt weitergehen und sagen: Gameplay und Lootspirale schön und gut. Der eigentliche Grund, warum ich Diablo zocke, ist aber die Story und die erschaffene Fantasywelt.

Das erste Fundament: Die Welt

Das liegt vor allem an zwei Dingen. Die Stimmung, die die Spiele aufbauen und das umfangreiche World Building. Da runzeln jetzt sicher einige die Stirn. Als ich das Thema in der Redaktion angesprochen habe, mussten auch alteingesessene Fans angestrengt nachdenken, um überhaupt noch auf Erinnerungen an die Geschichte zu kommen. Viel mehr als "Irgendwas mit Himmel und Hölle und dazwischen kloppe ich Viecher kaputt!" kam dann aber auch nicht. Im Grunde ist das nicht falsch, doch steckt in Diablo ein tiefer Unterbau. Um einen Einblick in dieses Story-Konstrukt zu erhalten, reißen wir die Entstehung der Menschheit in Diablo hier mal kurz ab.

Himmel und Hölle befinden sich im ewigen Konflikt Quelle: .Blizzard Himmel und Hölle befinden sich im ewigen Konflikt Die beginnt erst einmal ohne ebendiese. Die Welt bestand aus 2 Ebenen. Auf der einen Seite der Himmel mit Engeln, Paradies und Co. Auf der anderen Seite die brennenden Höllen mit all ihren Qualen. Diese Fraktionen befinden sich in einem ewigen Krieg, der immer wieder entflammt. Doch ein paar Engel und Dämonen hatten irgendwann keine Lust mehr auf Krieg und erschufen sich selbst eine dritte Existenzebene, in der sie gemeinsam leben konnten. Angeführt wurden sie vom Engel Inarius und der Dämonin Lilith und ihre Zufluchtsebene nannten sie Sanktuario. Geschützt vor den Blicken der anderen Ebenen waren sie durch den riesigen Weltenstein.

Wie das so ist, wenn zwei Wesensarten friedlich miteinander leben, kommen die sich näher und springen in die Kiste. Engel und Dämonen vermischen sich also und daraus entsteht eine dritte Rasse: Die Nephalem, besser bekannt als die Menschheit. Diese Mischrasse ist sehr mächtig. Teilweise übertreffen sie sogar die Kräfte der Engel und Dämonen. Das kann natürlich nicht ewig gut gehen und irgendwann versuchen dann Himmel und Hölle diese dritte Rasse auf ihre Seite zu ziehen. Damit man den ewigen Krieg ein für alle Mal beenden kann. Das funktioniert aber nur bedingt, da sich beide Seiten gegenseitig sabotieren.
Die Dämonin Lillith wird in Diablo 4 noch eine wichtige Rolle spielen Quelle: Blizzard Die Dämonin Lillith wird in Diablo 4 noch eine wichtige Rolle spielen
An einem Punkt greifen die Engel in die Macht des Weltensteines ein und verändern ihn so, dass die Menschheit mit jeder Generation an Macht verliert. Nur noch selten brechen die Nephalem-Kräfte durch und diese Menschen steigen dann meist auch zu Helden auf. Ein paar von diesen Nephalem kennt ihr übrigens, denn das sind die Charaktere, die ihr spielt! Der ein oder andere wird bei ein paar Begriffen sicherlich aufgehorcht haben, da sie in den Spielen mehr oder weniger prominent auftauchen, wie Inarius, der Weltenstein, die Nephalem. Die Dämonin Lilith wird in Diablo 4 sogar eine ganz prominente Rolle spielen.

Was sollte eurer Meinung nach eine prominente Rolle in Diablo spielen und was haltet ihr vom Remaster Diablo 2: Resurrected? Stimmt mit ab in unserer großen Umfrage.

Auf Wunsch noch tiefer in den Kaninchenbau

Diese Entstehung der Welt ist jedoch nur ein kleiner Teil der Lore. Wer möchte, kann noch viel tiefer eintauchen, zum Beispiel mit der Ursprungsgeschichte des Universums mit dem Drachen Tathamet und dem Gott Anu. Helfen können da die acht Romane im Diablo-Universum und die drei Chroniken mit vielen Hintergründen, die im Laufe der Jahre veröffentlicht wurden.

In den Spielen fehlt davon leider sehr viel. Nur in den fantastischen Zwischensequenzen glänzt die Story. Spätestens seit Diablo 2 gehören die zu den Highlights der Serie und zumindest für mich sind sie mehr Belohnung nach einem erfolgreichen Bosskampf, als ein Legendary Item. Das sind alles keine Oscar-verdächtigen Storys, doch für mich funktioniert es, wenn der schwächliche Marius in naiver Leichtgläubigkeit die Übel der Hölle auf die Welt loslässt. Nicht zuletzt, weil diese Storys und diese Welt mit einer unverkennbaren Grundstimmung transportiert werden - die zweite Säule, auf der Diablo für mich steht.

Das zweite Fundament: Die Stimmung

Diese Welt hat so einen herrlich morbiden und düsteren Charme. Das ist klare Dark Fantasy, doch trotzdem finde ich, dass mir kein anderes Fantasyuniversum aus der Stilrichtung so eine Stimmung bietet. Der Großteil der Menschheit in Sanktuario ist schwach und ein Spielball des Himmels und der Hölle. Gerade die Übel der Unterwelt sind ständig dabei, blutige und grausame Rituale durchzuführen, um ihre Machenschaften umzusetzen.

Blutbrunnen und grausige Rituale findet man in Diablo an jeder Ecke. Quelle: Blizzard Blutbrunnen und grausige Rituale findet man in Diablo an jeder Ecke. Diablo nimmt da sehr viele Anleihen aus dem Körperhorror mit Blut und Innereien, ohne aber in Ekel umzuschlagen. Es ist immer seltsam faszinierend, in was für Formen sich die Monster jetzt wieder verwandeln. Doch auch bei den hohen Himmeln ist nicht alles super. Der Angiris-Rat besteht zwar aus den edelsten Tugenden wie Hoffnung, Gerechtigkeit oder Weisheit, aber auch das verdreht sich gerade in Diablo 3 ins Negative. Beispielhaft ist da Imperius - die Verkörperung des Heldenmuts - der so verblendet in seinem Stolz ist, dass er sich nicht helfen lassen will und in blinde Wut verfällt.

Nicht einmal die Helden sind vor dem Übel der Welt geschützt. Was viele nicht wissen ist, dass die Heldentruppe aus Diablo 1 aus Jägerin, Magier und Krieger in Diablo 2 wieder auftauchen - als Gegner! Die Jägerin trifft man bereits nach kurzer Zeit im zweiten Teil. Sie wurde von Andariel korrumpiert und treibt ihr Unwesen auf dem Friedhof der Schwesternschaft als "Blutrabe". Der Magier ist verrückt geworden und irrt in der geheimen Zuflucht umher als "Der Geisterbeschwörer". Zu guter Letzt gibt es noch den Krieger, der uns in allen Zwischensequenzen begleitet, denn in der Endsequenz von Diablo 1 haut er sich den Seelenstein von Die Jägerin aus Diablo 1 ist kein gutes Schicksal vergönnt. Sie triebt ihr Unwesen als 'Blutrabe' auf dem Friedhof der Schwesternschaft.  Quelle: Blizzard Die Jägerin aus Diablo 1 ist kein gutes Schicksal vergönnt. Sie triebt ihr Unwesen als "Blutrabe" auf dem Friedhof der Schwesternschaft.  Diablo in die Stirn, um ihn eigentlich in sich gefangenzuhalten. Natürlich geht das nicht gut und er wird immer mehr vom Bösen korrumpiert, bis er dann als dunkler Wanderer umherzieht. Ihr seht: Niemand ist sicher in der Welt von Diablo.

Diese Stimmung überträgt sich auch in die Umgebung. Die Welt ist trostlos, dreckig und kantig. Es scheint nie die Sonne, außer in der Wüste, wo sie wiederum todbringend ist. Menschen sind meistens rau, argwöhnisch und vorsichtig, weil sie von ihrer Umwelt gezeichnet sind und als Spieler ist man ebenfalls immer auf der Hut, weil hinter der nächsten Ecke vielleicht ein starker Gegner lauert.

Mehr Achtung für die Story

Das ist fantastisch und bildet mit dem umfassenden World-Building ein düsteres Fantasyuniversum, wie ich es so in der Popkultur an keiner anderen Stelle sehe. Wenn ihr also das nächste Mal Diablo 2: Resurrected anwerft, dann achtet doch etwas mehr auf die kleinen Geschichten oder die große Haupthandlung. Vielleicht schaut ihr auch in die zahlreichen Wikis im Netz für die Backstory. Es lohnt sich, die Details aufzusaugen und mit dem Wissen in die Spiele zu gehen. Dadurch wird Diablo nur noch dichter und noch besser.

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