Deliver us Mars im Test
Test
Wir sind zum Test von Deliver us Mars zum roten Planeten geflogen und haben Kathy Johannson bei ihrem Abenteuer über die Schultern geschaut. Erlebt haben wir ein packendes Adventure, das vor allem im Hinblick auf Storytelling und Inszenierung gegenüber dem Vorgänger hervorragend weiter entwickelt hat.
Marsbergsteiger
Das seichte Adventure-Gameplay des Vorgängers bildet auch diesmal die Grundlage unseres Spielerlebnisses. Die Macher haben sich aber zusätzlich an ein paar neuen Ansätzen versucht. Einerseits wurde diesmal auf Action-Elemente wie Zeitdruck oder die hektische Suche nach Sauerstoff verzichtet. Es gibt zwar noch Bereiche des Spiels, in denen wir auf die begrenzten Sauerstoffvorräte unseres Anzugs angewiesen sind. Es ist uns aber während des ganzen Spiels nie passiert, dass wir in hektische Panik verfallen sind, weil unser Vorrat kurz vor dem Ende stand. Sobald wir einen Raum betreten, werden die Tanks automatisch wieder aufgefüllt.
Andererseits gibt es neue Gameplay-Elemente, allen voran die Klettermechanik. Auf der unwirtlichen Marsoberfläche kommen wir nicht immer einfach zu Fuß oder mit dem Rover weiter. Dann heißt es Steigeisen auspacken und an der Wand entlang kraxeln. Dabei haben wir die volle Kontrolle über die Bewegungen von Kathy. Mit zwei verschiedenen Tasten krallen wir uns mit dem rechten und linken Arm in der Wand fest. Danach müssen wir einen Arm loslassen, diesen ein Stück weiterbewegen und wieder festkrallen. Dann lösen wir den anderen Arm von der Wand und ziehen ihn nach. So bewegen wir uns Stück für Stück in die gewünschte Richtung. Das ist beim ersten Mal zwar etwas gewöhnungsbedürftig, geht aber auch zügig in ein befriedigendes Spielgefühl über.
Quelle: Frontier Foundry
Deliver us Mars im Test. (9)
Bei den Puzzles versuchen die Entwickler, dem Spieler etwas mehr Gehirnschmalz abzuverlangen als im ersten Teil. Dazu kommen diesmal hauptsächlich Energiestrahlen zum Einsatz, die wir geschickt auf Empfänger lenken müssen. Dabei gilt es meist zu beachten, ob die richtige Menge Energie am Ziel ankommt. Eventuell muss der Strahl aufgesplittet werden, um mehrere Empfänger zu versorgen. Das ist zwar teilweise deutlich herausfordernder und wird auch im Spielverlauf immer komplexer, dafür fehlt es aber an Abwechslung. Abgesehen von ein paar kniffligen Kletterpassagen beschränken sich die Rätsel auf diese Energiespielchen. Hier wäre deutlich mehr drin gewesen.
Stimmungsvoller roter Planet
Gut gelungen ist erneut die grafische Darstellung, die für ein Indie-Spiel hervorragend ist. Mithilfe der Unreal Engine lassen die Entwickler den Mars mit schicker Beleuchtung und stimmungsvollen Umgebungen erstrahlen. Die Animationen von Protagonistin Kathy und den anderen Charakteren wirken an einigen Stellen zwar noch immer etwas unsauber, aber durch den Einsatz von Motion-Capturing sind deutliche Fortschritte zum Vorgänger zu erkennen. Ein wenig mehr Feinschliff hätte der Technik allgemein nicht geschadet. So kommt es vereinzelt zu flackernden Texturen und unschönen Pop-ups. Weiterhin haben wir vereinzelt Bugs bei der Interaktivität von Rätselobjekten beobachtet. So ist es uns zweimal passiert, dass wir bei einem Puzzle einen Fehler gemacht haben, diesen aber nicht mehr beheben konnten, weil wir mit dem entsprechenden Objekt nicht mehr interagieren konnten. Da konnten wir uns nur mit dem Laden des letzten Checkpoints behelfen.
Bildergalerie
Gut gefallen hat uns dagegen wieder die tolle musikalische Untermalung, die immer wieder für die richtige Stimmung sorgt. Wie schon der Vorgänger lebt auch Deliver us Mars von seiner tollen Atmosphäre, ergänzt diese diesmal aber auch mit einer gut inszenierten Erzählung. Die deutlich persönlichere Geschichte, in der die Zerrissenheit einer Familie auch symbolhaft für den Überlebenskampf der Menschheit und deren unterschiedliche Ansichten über die Zukunft steht, hat uns von der ersten Minute an fasziniert. Da stört es auch gar nicht, dass es hier nicht an jeder Ecke rumst und knallt.
Deliver us the Moon wird von niederländischen Studio Keoken Interactive entwickelt und von Frontier Developments vertrieben. Das Spiel erscheint am 2. Februar 2023 für PC, PS4, PS5, Xbox One und Xbox Series. Es ist als Standard-Version zum Preis von knapp 30 Euro sowie als Deluxe Edition mit digitalem Soundtrack für 35 Euro erhältlich.
