Was für ein Genre wird das überhaupt?

Special Thomas Szedlak
Mikkelsen als Anführer der Airborne Ranger: 
Der Charakter von Mikkelsen ist über Nabelschnüre mit seinen Soldaten verbunden und steuert sie so. (PS4)
Quelle: Kojima Productions

Death Stranding: Ein bisschen wie Uncharted oder The Division. Aber mit viel Kojima-Touch und der Engine von Horizon: Zero Dawn.

Ein Actionspiel, nur anders

Hideo Kojima kitzelt der Drang, neue Genres zu erkunden: "Metal Gear war ein Actionspiel, bei dem es ums Verstecken ging. Taktisch vorgehen, die Dunkelheit suchen, nicht gleich angreifen. Heute würde man das als Stealth-Game klassifizieren. In dieser Hinsicht wird auch Death Stranding ein Actionspiel, nur anders als erwartet."
Das Voodoo-Baby: 
Diese Plastikpuppe mit abgerissenem Bein dient als Peilsender und verrät Mikkelsens Truppen den Aufenthalt von del Toro. (PS4) Quelle: Kojima Productions Das Voodoo-Baby: Diese Plastikpuppe mit abgerissenem Bein dient als Peilsender und verrät Mikkelsens Truppen den Aufenthalt von del Toro. (PS4) Mensch oder Roboter? 
Das Baby kommt in einer künstlichen Fruchtblase zur Welt. (PS4) Quelle: Kojima Productions Mensch oder Roboter? Das Baby kommt in einer künstlichen Fruchtblase zur Welt. (PS4)
Norman Reedus' Charakter muss herausfinden, wie er in dieser Welt gelandet ist. Warum er nackt ist und mit Öl beschmiert. Was diese merkwürdigen Handabdrücke im schwarzen Sand ihm sagen wollen, die offensichtlich die Richtung vorgeben. Und was es mit dem Baby auf sich hat, das mit durchtrennter Nabelschnur nun plötzlich in den Armen von Guillermo del Toro liegt. Der versucht hektisch, es zu verstecken und zu retten. 'Das Baby befindet sich dabei in einer Art künstlichen Fruchtblase, die wohl den Uterus einer Frau imitieren soll. Wenn das Baby sich dreht und unruhig wird, lässt del Toro über das Ventil eine Flüssigkeit einlaufen. Es handelt sich um ein echtes oder ein Klonbaby, jedenfalls keine Robo-Puppe, wobei auch diese an den beiden vorbeischwimmt. Bei der Puppe scheint es sich um einen Peilsender zu handeln, der rötlich leuchtet und mit dem Fötus in der Hightech-Fruchtblase kommuniziert.

Als das Baby und die Puppe ein Auge zudrücken, wird die Kommandoeinheit von Mikkelsen alarmiert. Dieser gibt Befehl zum Ausschwärmen, seine Soldaten legen ihre Waffen an und durchkämmen den Tunnel. Doch auch hier ist vieles sonderbar: Mikkelsen kann seinen taktischen Kampfhelm mit Nachtvisier auf magische Weise verschwinden lassen, so als handle es sich dabei nur um eine Projektion oder Tarnung. Gehört Mikkelsen zu den fliegenden gottgleichen ­Figuren, die bereits in der Weltpremiere von Death Stranding über Norman ­Reedus geschwirrt sind? Er scheint jedenfalls kein Mensch zu sein, sonst hätte er nicht diese mysteriösen ­Fähigkeiten. "Er ist der Antagonist", bestätigt Hideo Kojima. Viel mehr lässt er sich an diesem heißen Sommertag in Los Angeles leider nicht zur Story entlocken.

Technik-Bombe: 
Achtet mal auf die feinen Barthaare, den dezenten Schweiß und die Spiegelungen im Auge. (PS4) Quelle: YouTube Technik-Bombe: Achtet mal auf die feinen Barthaare, den dezenten Schweiß und die Spiegelungen im Auge. (PS4) Traumfabrik: 
In Los Angeles finden die aufwendigen Performance-Capturing-Aufnahmen statt. (PS4) Quelle: Kojima Productions Traumfabrik: In Los Angeles finden die aufwendigen Performance-Capturing-Aufnahmen statt. (PS4)

Eine neue Form des Koops

Bemerkenswert ist, dass Reedus und del Toro beide keine Nabelschnur tragen, ergo von der Konnektivität dieser Welt ausgeschlossen sind. Bei Reedus wurde diese offensichtlich operativ entfernt, sonst hätte er nicht diese große, kreuzförmige Narbe und keinen Bauchnabel. "Ihr spielt mich nicht nur, ihr werdet zu mir", sagt der The Walking Dead-Star selbst. Er klingt so kryptisch wie Kojima. Der Creative Director selbst hat bereits verraten, dass sich "­Death Stranding im Singleplayer spielen lässt, aber auch eine neue Erfahrung von Koop bieten soll.

Kojima sieht dabei das ganze Projekt als geschlossene Erfahrung: "Das Spiel hat begonnen", tweetete er kurz nach der Weltpremiere. Für ihn liegt der Spaß nicht nur im eigentlichen digitalen Kunstwerk, sondern vielmehr darin, dass die Leute sich auf Reddit, Youtube und überall im Netz die Köpfe heiß diskutieren. Diese Form von Zusammenarbeit soll auch den Koop vorantreiben. Hier gibt sich Kojima ebenfalls kryptisch, aber es geht nicht nur darum, die Action zusammen zu bestreiten und Gegner zu besiegen, sondern auch, die Rätsel der Spielwelt gemeinsam zu lösen. Death Stranding scheint also eher offen gestaltet zu sein, mehr wie The Phantom Pain, weniger wie die linearen Metal Gear-Teile vorher.

Wie bei jedem Kojima-Spiel wirft der japanische Maestro mehr ­Fragen auf, als er Antworten gibt: Was zur Hölle hat es mit diesen Panzern auf sich, an denen Tentakel festgebunden sind? Auch davon führen Nabelschnüre zu den Soldaten, die über die Brücke laufen. Die Tanks könnten als Mutterschiff dienen. Senden wir vielleicht sogar unsere eigenen Truppen aus und ­befehligen mehr als selbst zu schießen? Es bleibt spannend, mysteriös und ein bisschen verwirrend. Wie immer bei einem Werk von Hideo Kojima.

Entwickler: Kojima Productions | Hersteller: Sony

Meinung

Bildergalerie

  1. Seite 1 Kojima-eske Welt
  2. Seite 2 Was für ein Genre wird das überhaupt?
  • Print / Abo
    Apps
    PC Games 08/2026 PCGH Magazin 08/2026 play5 08/2026 N-Zone 08/2026 Linux Magazin 08/2026 LinuxUser 08/2026 Raspberry Pi Geek 09/2026
    PC Games PC Games Hardware Linux Magazin Raspberry Pi Geek Computec Kiosk