Death Stranding: Ein bisschen wie Uncharted oder The Division. Aber mit viel Kojima-Touch und der Engine von Horizon: Zero Dawn.
Schneeweiß glänzt das Haar von Mads Mikkelsen in der ersten Demo zu Death Stranding. Die Kamera enthüllt nur langsam sein Antlitz, fährt von den Strähnen runter zu diesen durchdringenden Augen, die schon seinen Charakter als Le Chiffre (Casino Royale) und Hannibal Lecter ausgezeichnet haben. Mysteriös und furchteinflößend, ein Mann, der mit seinen Blicken töten könnte.
In diesem Artikel
Quelle: Twitter / Hideo Kojima
WTF!?
Ein Panzer, aus dem fleischige Tentakel schießen - so was kann auch nur Kojima einfallen. (PS4)
Quelle: Kojima Productions
Hightech trifft auf Zweiter Weltkrieg:
Die Soldaten scheinen in einer Zeitblase gefangen zu sein, denn moderne Delta Forces treffen auf Repetiergewehre. (PS4)
Quelle: Kojima Productions
Reedus und die Öl-Katastrophe:
Norman Reedus' noch namenlose Figur strandet in einer Welt, in der Delfine und andere Meeressäuger in Städte gespült werden. (PS4)
Nur Sekunden vorher hat er die Night-Vision-Goggles der amerikanischen Delta-Force-Spezialeinheit abgenommen. Doch wen spielt er, wer ist sein Gegner und wie passt das alles in diese verkorkste, merkwürdige, wir möchten fast sagen Kojima-eske Welt? Eine Welt, in der Regenbögen auf dem Kopf stehen. In der Airborne-Ranger mit Repetiergewehren aus dem Zweiten Weltkrieg auf Hightech-Truppen treffen, die wiederum von britischen Jagdflugzeugen des Typen Sopwith F-1 Camel unterstützt werden, die aber eher um 1918 geflogen sind und nicht mehr 1941. Und was sollen diese Tentakel darstellen, die ganze Panzer umschlingen? Und dass alle Soldaten über eine schwarze Nabelschnur miteinander verbunden sind? In Los Angeles hat uns Maestro Hideo Kojima Details verraten.
Kojima war schon immer ein Meister der Symbolik und es ist wichtig, bei seinen Vorführungen auf jedes noch so kleine Detail zu achten: Der umgedrehte Regenbogen ist ein meteorologisches Phänomen, das auch in der echten Welt zu finden ist, wenn auch nicht so stark. Es handelt sich dabei um einen Halo, der meist bei Eisnebel oder Polarschnee auftritt. Ein subtiler Hinweis auf eine Verschiebung der Wetterverhältnisse in der Welt von Death Stranding.
Zudem scheint es dort Ebbe und Flut zu geben, die ein Gemisch aus Wasser und Öl über den Strand bis in die ausgebombte Stadt schwemmen. Das würde erklären, warum all diese Delfine vor den Toren der Stadt respektive an der Brückenmauer verendet sind. Umweltschutz liegt Kojima am Herzen, Öl-Katastrophen unserer realen Welt dienen als Referenz.Es ist die gleiche Welt, in der auch Norman Reedus' noch namenloser Charakter angeschwemmt wird.
Referenzen zu Westworld
Kojima zeigt sich begeistert von der HBO-Serie Westworld, die sich rund um einen fiktionalen Western dreht. Alle Charaktere dort sind sogenannte Hosts, lebensecht aussehende und reagierende Roboter. Vermögende Amerikaner kaufen sich ein Ticket, wählen zwischen der Seite des strahlenden Helden und des Bösewichts und treten ein in diesen verruchten Western, in dem sie Frauen verführen oder auch einfach nur Cowboys erschießen können.
Kojima erwähnt speziell die zweite Episode, in der Anthony Hopkins in seiner Rolle gefragt wird, warum die Leute diese Scheinwelt besuchen. Antwort: "Sie kommen nicht hierher, um herauszufinden, wer sie sind. Das wissen sie schon. Sie sind hier, weil sie wissen wollen, was noch in ihnen steckt und zu was sie werden könnten." Kojima beschreibt das als "exakte Theorie seines eigenen Game-Designs." Können wir uns hier vielleicht dem Bösen anschließen oder uns entscheiden, es zu bekämpfen? Das wäre mal eine interessante Alternative zum klassischen Gamedesign. Zuletzt wirklich ausgelebt hat dieses Prinzip Biowares Knights of the Old Republic oder auch Peter Molyneux' Fable 3.
Quelle: Kojima Productions
Guillermo und das Baby:
Hollywood-Regisseur del Toro spielt einen Politiker, der versucht, das Baby in dieser künstlichen Fruchtblase zu retten. (PS4)
Quelle: Kojima Productions
Feines Technikgerüst:
Das Spiel nutzt die Decima-Engine von Guerrilla Games, die auch bei Horizon: Zero Dawn zum Einsatz kommt. (PS4)
Wen spielt del Toro?
Hollywood-Regisseur Guillermo del Toro und Hideo Kojima wurden gute Freunde, als sie sich 2004 nach dem Screening zu Hellboy in Tokio auf eine Partie Karaoke trafen. "Er singt viel und isst wenig. Ich esse umso mehr, singe dafür weniger gut. Das passt", erzählte uns del Toro einmal bei einem Gespräch in Los Angeles. Das Trio del Toro, Kojima und Reedus wollten eigentlich zusammen Silent Hills entwickeln, doch das Projekt wurde von Konami bekanntlich gestoppt. Davon lässt sich del Toro allerdings nicht aufhalten. "Es ist wie ein Fluch: Ich arbeite mit THQ, die gehen pleite. Ich arbeite mit Hideo, das Projekt wird eingestellt. Wir riskieren zwar, dass ihm dieses Mal die Zähne ausfallen, aber egal. Ich würde alles mit diesem Typen machen."
Besonders beeindruckt hat den mexikanischen Regisseur von Horror-Werken wie Pans Labyrinth und Sci-Fi-Blockbustern Marke Pacific Rim Psycho Mantis aus dem Metal Gear-Original: "Als der plötzlich mein Gedächtnis gelesen hat, hatte ich das erste Mal richtig Schiss in einem Videospiel. Die Daten aus der Konsole zu saugen und für die KI zu verwenden, war unfassbar brillant."
Del Toros Name in Death Stranding wurde noch nicht enthüllt, wir können uns aber ungefähr vorstellen, wen er repräsentiert. Er trägt einen Pin am Revers seines Jackets mit der Aufschrift "Bridges: United States of America". Haben wir es hier vielleicht mit einer Art Waterworld zu tun, einer überschwemmten Version der Vereinigten Staaten? Denn der Pin zeigt eine ganz andere Kartografie des Landes, quasi eine geschrumpfte Version der USA. Solche Pins tragen in der Regel Präsidenten, Senatoren oder auch Bürgermeister, insofern scheint del Toro einen Politiker zu spielen. Dazu würden auch die schwarze Seidenkrawatte und der Anzug passen.
"Wir haben Guillermo einen 3D-Scan verpasst und nutzen auch seine Stimme. Das Full-Performance-Motion-Capturing übernimmt allerdings ein Schauspieler", erzählt Kojima, der grinsend ergänzt: "Ich möchte ihm nicht zu viel Zeit stehlen. Er ist ein leidenschaftlicher Typ, aber er soll sich auf seine Filme konzentrieren." Del Toro dreht gerade Pacific Rim: Uprising.
