Dead or Alive 6: Weniger Oberweiten-Gewackel, mehr Gameplay-Finesse
Special
Auf einem Anspiel-Event in München prügelten wir uns drei Stunden lang durch die Modi von Dead or Alive 6. Welche konsequenten Weiterentwicklungen euch erwarten und ob die Reduzierung übersexualisierter Outfits eine gute Design-Entscheidung ist, lest ihr in unserer Vorschau.
Knappe Outfits, extravagante Körbchengrößen, zackiges Gameplay sowie interaktive Arenen vollgestopft mit Gefahrenzonen - mit dieser Mischung eroberte Dead or Alive im November 1996 die Herzen von Beat-'em-Up-Enthusiasten weltweit.
Und rettete ganz nebenbei die Jahresbilanz des damals strauchelnden Publishers Tecmo. Seither hat die Serie vier namhafte Fortsetzungen, diverse Neuauflagen sowie schlüpfrige Spin-offs hervorgebracht, in denen die Heldinnen in hauchdünnen Outfits unter anderem Beach-Volleyball spielen und sich lasziv am Pool räkeln. Mit Dead or Alive 6 (jetzt kaufen 29,00 € ) steht der nächste Teil der Prügelspielreihe für PS4, Xbox One und PC in den Startlöchern. Glaubt man dem Entwickler Team Ninja, dann wurde der Anzüglichkeitsfaktor ein Stück weit zurückgedreht, während man bei Gameplay, Präsentation und Umfang eine ordentliche Schippe drauflegte. Ob dem tatsächlich so ist, konnten wir auf einer mehrstündigen Hands-on-Veranstaltung in Planegg nahe München selbst herausfinden.
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Maskenbruch und T-Shirt-Riss
36 spielbare Charaktere - mit diesem XXL-Figurenaufgebot begeisterte Team Ninja in Dead or Alive 5: Last Round. Die Vorab-Fassung von Dead or
Quelle: Tecmo Inc.
Obwohl Nyotengu (links im Bild) bereits 1018 Jahre auf dem Buckel hat, sieht sie noch ziemlich knackig aus. Drunken Fighter Brad Wong hat dagegen schon weiße Haare.
Alive 6 bietet bisher zwar nur 26 verschiedene Recken (zukünftige DLC-Charaktere nicht eingerechnet), doch auch die haben es bereits faustdick hinter den Ohren. Ein Grund hierfür ist die Tatsache, dass die visuelle Darstellung dank neuer Grafik-Engine einen spürbaren Schritt nach vorne macht. Egal, ob Schmutz, Dreck, Schweiß, Schattendarstellung, Texturen oder Gesichtsausdrücke, die Kämpferinnen und Kämpfer sehen großartig aus. Obendrein verfügen sie erstmals über ein Schadensmodell. Dieses greift immer dann, wenn eine Figur eine besonders intensive Abfolge von Schlägen kassiert hat. Im Falle von Auftragskillerin Christie zum Beispiel zerreißt ein Teil ihres Hemds, woraufhin ihr Bauchnabel zu sehen ist. Zudem kassiert sie diverse Schrammen im Gesicht.
Noch einen Schritt weiter geht Team Ninja bei Super-Ninja Hayabusa. Ihm zerbricht die Gesichtsmaske - in Zeitlupe und inklusive Blutspritzer, damit das Ganze noch spektakulärer rüberkommt. Richtig gelesen, auch in Dead or Alive gibt's ab sofort durch die Luft fliegenden Lebenssaft! Im Gegensatz zu Mortal Kombat 11 handelt es sich hierbei gleichwohl um ein eher sparsam eingesetztes Stilmittel, das ihr auf Wunsch zudem jederzeit abschalten könnt. Insgesamt betrachtet ist das Schadensmodell eine interessante Ergänzung, die den Duellen mehr
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Team Ninja schraubt zwar den Sex-Appeal ein Stück weit zurück, einige Kostüme sind aber immer noch ziemlich freizügig.
Wucht und Intensität verleiht. Für das finale Spiel wünschen wir uns allerdings noch mehr Vielfalt, denn bisher scheint jede Figur nur über ein oder zwei Trefferzonen zu verfügen, an denen Schäden dann auch tatsächlich zu sehen sind.
Doch zurück zu den Charakteren. Hier stechen sofort die Newcomer Nico und Diego ins Auge. Letzterer wuchs in New York auf, ist ein Held bei den Kids seines Stadtteils und finanziert seinen Lebensunterhalt mit Straßenkämpfen. Diegos Kampfstil ist entsprechend ruppig und kombiniert unter anderem den Einsatz von Kinnhaken, Grätschen sowie wuchtigen Kopf- und Schulterstößen. Ganz anders die 18-jährige Nico: Die zierlich gebaute Wissenschaftlerin steht im Dienst der zwielichtigen, von Schurke Victor Donovan gegründeten Organisation MIST und zählt zu den Schlüsselfiguren der Story. Nebst ihrer Begeisterung für Technik gilt die gebürtige Finnin als leidenschaftliche Verfechterin der südostasiatischen Kampfsport-Kunst Pencak Silat. Clever: Um sich im Kampf noch schneller zu bewegen und noch kraftvoller zuzuschlagen, setzt Nico auf die verstärkende Kraft von elektromagnetischen Ringen an ihren Händen.
Abseits davon sind natürlich auch die üblichen Verdächtigen wie Ayane, Helena, Jann Lee, Marie Rose, Rig oder Tina (um nur einige zu nennen) mit an Bord und allesamt mit dem Story-Modus verwoben. Apropos Story: Hier dreht sich diesmal vieles um Serien-Urgestein Raidou. Der frühere Ninja wurde einst von DOATEC in einen Cyborg verwandelt. Jetzt jedoch hat die Schattenorganisation MIST ihn gefangen genommen, um ihn für seine Zwecke zu missbrauchen.
Dino-Alarm!
Interaktive, mehrstufige Arenen waren schon immer ein Markenzeichen der Dead or Alive-Reihe, und sie feiern auch diesmal ihr Comeback. Das Trainings-Szenario ausgeklammert, zählten wir in der Preview-Fassung insgesamt 13 verschiedene Schauplätze. In "Throwdown" zum Beispiel findet
Quelle: Tecmo Inc.
Die 18-jährige Nico verstärkt die meisten ihrer Spezialattacken mithilfe elektromagnetischer Ringe an jeder Hand.
das Kräftemessen der Spielfiguren in einer düsteren Hinterhofgasse statt. Der Clou aus Leveldesign-Sicht: Die jubelnden Zuschauer am Rand wollen unbedingt, dass der Kampf weitergeht, und schubsen jeden zurück in die Arena, der sich in ihre Nähe verirrt. Dieses Schubsen jedoch bringt den Betroffenen kurzzeitig aus dem Konzept und eröffnet dem Gegner ein Zeitfenster für fiese Konter. Witzige Idee!
Noch besser gefiel uns "Lost Paradise". Gemeint ist ein von Jurrasic Park inspirierter Freizeitpark. Zerstört man hier eines von drei großen Dinosaurier-Eiern, flattert sofort die Mutter des schlüpfenden Flugsauriers heran, packt den Störenfried, zerrt ihn einige Sekunden in die Luft und lässt ihn dann aus mehreren Metern Höhe fallen.
Weitere Arenen entführen euch auf die Flaniermeile vor einem schicken Kasino, in eine Wrestling-Arena, auf ein rauschendes, chinesisches Straßenfest oder ein ramponiertes Piratenschiff - famos animierter Riesenkraken-Angriff inklusive.
Kampfsystem-Tuning
Schläge kontern Würfe, Würfe eignen sich am besten gegen Griffe und mit Griffen hat man die besten Chancen gegen Schläge: Dieses Schere-Stein-Papier-Prinzip bildete bereits in Dead or Alive 5 die Grundlage des Kampfsystems und kehrt auch in Dead or Alive 6 zurück. Die daran andockenden
Quelle: Tecmo Inc.
Bruchschlag versenkt! Das brandneue Schadenssystem sorgt unter anderem dafür, dass die Maske von Hayabusa bei ständigen Gegentreffern komplett zersplittert.
Spielmechaniken wurden allerdings überarbeitet, verfeinert und um neue Elemente ergänzt. Da wäre zum einen die neue "Break Gauge"-Anzeige. Sie befindet sich unter dem Lebensenergiebalken und füllt sich, wenn wir Treffer landen, Treffer kassieren, Attacken blocken und vieles mehr. Hat der Balken sein Maximum erreicht, steht ein sogenannter Break Blow (Vorwärts + R1) zur Verfügung. Break Blows sind immer dann nützlich, wenn uns ein Gegner mit mittleren und hohen Attacken in die Enge treibt und dringend ein Befreiungsschlag her muss. Das Gegenstück dazu ist der Break Hold (Rückwärts + R1). Einmal ausgelöst, kontern wir mit einem Break Hold sowohl niedrige als auch mittlere und hohe Attacken. Natürlich immer vorausgesetzt, es steht noch genug Balkenenergie zur Verfügung.
Ein weiteres, taktisch wertvolles Manöver hört auf den Namen Fatal Rush. Auch hier ist die Durchführung im Grunde genommen ein Kinderspiel und sehr einsteigerfreundlich. Kurz viermal hintereinander auf die R1-Taste tippen, schon feuert die eigene Spielfigur eine sehenswert choreografierte Kombo in Richtung Gegner ab, die es durchaus in sich hat. Eine gefüllte "Break Gauge"-Leiste setzt der Fatal Rush übrigens nicht voraus, wohl aber, dass der erste Treffer der Schlagabfolge sein Ziel trifft und nicht abgeblockt wird.
Toller Trainingsmodus
Wem all das immer noch zu kompliziert klingt, den können wir beruhigen. Dead or Alive 6 bietet einen durchdachten Trainingsmodus mit insgesamt 40 Kapiteln. Jedes Kapitel untergliedert sich in zahlreiche, beliebig oft wiederholbare Einzellektionen. Seien es nun Würfe, Seitwärtsschritte oder die
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Verausgabt sich ein Charakter zu sehr, beginnt er zu schwitzen. Dank neuer Grafik-Engine sieht das Ergebnis ziemlich beindruckend aus.
korrekte Ausführung einer kritischen Betäubung (Stun genannt) - hier bleibt wirklich keine Frage unbeantwortet. Im "Freien Training" dürfen wir das Gelernte zudem im Kampf gegen individuell konfigurierbare KI-Gegner solange einstudieren, bis wirklich jeder Handgriff sitzt. Wer sich gezielt für härtere Gegner und Online-Duelle vorbereiten möchte, sollte sich derweil den brandneuen DoA-Quest-Modus vormerken. Jede der insgesamt 98 DoA-Quests konfrontiert euch mit drei verschiedenen Mini-Herausforderungen. "Führe einen Bodenangriff aus", "Verursache 60 Schadenspunkte", "Schließe die Quest in unter 50 Sekunden ab" - die Aufgaben beginnen einfach, steigern den Schwierigkeitsgrad aber kontinuierlich. Der Lerneffekt ist entsprechend hoch und wird pro abgeschlossener Quest mit maximal drei Sternen belohnt, die neue Quests freischalten. Ein fordernder Zeitvertreib! Und ein weiterer Grund, warum DoA 6 der vielfältigste Serienteil werden könnte.
