Während Fans Bloodborne remastern, remastered Sony das nächste Zombiespiel

Kolumne Stefan Wilhelm
Während Fans Bloodborne remastern, remastered Sony das nächste Zombiespiel
Quelle: Sony / PC Games

Die Remaster-Maschine bei Sony rattert fröhlich weiter, nur das eine Spiel, das alle haben wollen, wird konsequent ignoriert. WARUM?

Es ist bei jeder State of Play das gleiche, traurige Erlebnis: Man liest im Vorfeld immer die gleichen Gerüchte, schminkt sich (zusammen mit den Hollow-Knight-Fans) das Clowns-Makeup ins Gesicht und setzt den Jäger-Dreispitz auf, und wofür? Für nichts. Nein, es gab wieder nichts zu Bloodborne. Kein Bluepoint-Remake, kein Remaster, einen zweiten Teil sowieso nicht. Aber nicht einmal einen 60-FPS-Patch auf PS5?

Um mal in Relation zu setzen, welche Behandlung anderen PlayStation-Größen zuteil wird: Vier (!) Mal hat der japanische Konsolenhersteller bereits das erste The Last of Us veröffentlicht, Teil 2 bekommt bald seine dritte Version. Und Days Gone (jetzt kaufen 30,93 € / 35,99 € ) auch.

DAYS GONE!

Drei Versionen! Gut, der Zombie-Shooter hat eine treue Fanbase, das weiß ich spätestens, seit das Ding im Steam-Deck-Subreddit in jedem zweiten Thread empfohlen wird. Bei Release war die Begeisterung noch eher verhalten, aber inzwischen ist Days Gone zu einem Tipp geworden, der alles andere als geheim ist. Hier mal eine PC-Version, da mal ein 60-FPS-Patch, und ach, wenn wir schon dabei sind, noch ein Remaster gefällig?

Bei aller Liebe, aber: für DAYS GONE!

Bloodborne hat einen 92er-Schnitt auf Metacritic! Das sind fast zehn Punkte mehr als bei Ghost of Tsushima, und DREImal dürft ihr raten, wie viele Versionen es davon schon gibt. Sogar das olle Until Dawn existiert in zwei Fassungen. Sony remastered so ziemlich alles, was nicht bei drei auf den Bäumen ist, wenn mal wieder Blockbuster-Flaute herrscht. Außer das eine Spiel, das alle unbedingt haben wollen.

Bloodborne ist also auf einer Stufe mit The Order 1886, wenn es um die Langzeitpflege geht. Beide sind auf ihrer Release-Plattform gefangen, ohne jemals Anpassungen für neue Hardware erhalten zu haben. Der Unterschied: The Order ist ein ganz okayer Action-Snack, Bloodborne eines der prestigeträchtigsten Spiele des letzten Jahrzehnts. Und ich weigere mich, in einer Realität zu leben, in der beides gleich (un-)wichtig ist.

Das müssen die besser wissen, schließlich bin ich wahrscheinlich der zwölf millionste Mensch, der in dieses Horn bläst. Die Leute flippen ja schon aus, wenn einer von Sonys Social-Media-Accounts auch nur das Wort "Bloodborne" in einem Post stehen hat.

Klar, das Spiel läuft problemlos auf der PS5 und ist mit dem Übergang auf die neue Konsolengeneration nun nicht "verschwunden". Aber die auf 30 FPS begrenzte Framerate samt FromSofts notorisch miesem Framepacing und die Full-HD-Auflösung ohne Kantenglättung werden der blitzschnellen und verschwenderisch detaillierten Bestienjagd einfach nicht mehr gerecht. Jedes andere From-Software-Spiel ist mit 60 Bildern auf den neuen Konsolen spielbar.

Wollt ihr wissen, warum wir für unser PS5-Pro-Vergleichsvideo ausgerechnet Bloodborne aufs Thumbnail gepackt haben? Weil Sony in einem Nebensatz Verbesserungen für bestimmte PS4-Games auf der PS5 Pro angekündigt hatte und für uns sofort klar war, nach welchem PS4-Spiel die Leute fragen würden.

Gut, dann machen wir's halt selbst! Und umsonst!

Der Fortschritt von shadPS4, dem aktuell besten PS4-Emulator für PC, wird quasi in Bloodborne-Kompatibilität gemessen, weil es das eine Spiel ist, das die Nutzer damit unbedingt zum Laufen bekommen wollen. Genau, wie es mit dem heute geläufigsten PS3-Emulator RPCS3 und Demon's Souls passiert ist.

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Bloodborne hat sogar schon eine eigene Seite auf NexusMods, einer Website für PC-Spiele-Modding, weil es aktuell zusätzliche Fixes braucht, um vernünftig auf dem Emulator zu laufen. Schlappe 1,2 Millionen Mal wurden die Mods auf der Website bereits gedownloadet.

Es ist gang und gäbe, sich Modifikationen für seine PC-Games zu besorgen, aber dass ein konsolenexklusives Spiel, das so ziemlich das genaue Gegenteil von "modifizierbar" und nur über einen Emulator nutzbar ist, auf NexusMods solche Zahlen zustande bringt, spricht eine deutliche Sprache.

Die Fans bekommen ihr 60-FPS-Bloodborne, und wenn es das letzte ist, was sie tun. Da hilft es auch nix, eine bekannte 60-FPS-Mod für die Konsolenfassung per Copyright-Takedown zu killen. Eine Community, die bereit ist, mühsam ihre Konsolen zu jailbreaken oder einen frickeligen PC-Emulator einzurichten, nur, um ihr Lieblingsspiel endllich mit einer flüssigen Bildrate zu erleben, die wird das auch irgendwie schaffen.

Bloodborne wird gerade emuliert und (nicht zwangsläufig, aber höchstwahrscheinlich doch in vielen Fällen) illegal heruntergeladen, bis die Schwarte kracht. Und Sony (oder From Software, auch wenn die nicht die Rechteinhaber sind und vermutlich keine Entscheidungsgewalt besitzen) verdient keinen Cent damit.

Falls ihr wissen wollt, wie hoch der Programmieraufwand wäre, bei Bloodborne die 60 FPS freizuschalten, lest den Tweet des Mannes, der die eben erwähnte Mod für das Spiel erstellt hat:

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Ich glaube weiterhin fest daran, dass wir noch einmal etwas zu Bloodborne sehen werden, denn wenn Sony nicht völlig bescheuert ist, was ich nicht annehme, dann müssen sie den Hype, den das Spiel immer noch genießt, einfach anzapfen. Wir reden hier nicht von einem Geheimtipp, sondern etwas, das siebeneinhalb Millionen Exemplare verkauft hat und sich auf dem Rücken von Elden Ring wie von selbst vermarkten würde.

Days Gone hat sich dezent schlechter verkauft, aber einen 60-FPS-Patch, eine PC-Version und nun ein Remaster bekommen. DAYS GO... ich hör' schon auf. Bringt ja eh nichts. Viel Spaß mit dem Remaster, liebe Days-Gone-Fans. Denkt mal an mich, wenn ihr euch zum dritten Mal durch die Zombiehorden ballert.

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