Darksiders Genesis im Test: Gute Ansätze, unausgegorene Ausführung

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Darksiders Genesis im Test: Gute Ansätze, unausgegorene Ausführung
Quelle: PC Games

Ein neues Darksiders kommt für den PC. Im Prequel zu den anderen drei Teilen lernt ihr den vierten Reiter Strife so richtig kennen. Diesmal wird's aber kein Action-Adventure, sondern ein Diablo-Klon. Ob Darksiders: Genesis mit der etablierten Blizzard-Marke mithalten kann? Das klären wir im Test für euch.

Die lange Wartezeit auf Diablo 4 ertragt ihr nicht mehr und wollt jetzt sofort wieder ein Hack 'n Slay haben? Dann könnte für euch jetzt die Zeit gekommen sein, denn am 5. Dezember 2019 bekommt ihr von THQ Nordic und Airship Syndicate den neuesten Darksiders-Teil auf dem PC geboten.

Eine Story zum Vergessen

Die letzten drei Darksiders-Teile fokussierten sich jeweils auf die drei Reiter: War, Death und Fury. Genesis grenzt sich davon ab und ist ein Prequel zu den bisherigen Ereignissen. Mit War und dem neuen Charakter Strife - dem vierten Reiter - stellt ihr euch Luzifer. Vorher müsst ihr aber noch eine Vielzahl an anderen Höllenfürsten niedermähen, wobei euch die eher nebensächliche Story durch Zwischensequenzen und die Dialoge zwischen War und Strife erzählt wird. Sollten euch die Zwischensequenzen und Dialoge nicht reichen, könnt ihr im Spielmenü über den Punkt Journal mehr über die Gegner und die anderen Reiter nachlesen. Relevant ist das im ganzen Spiel jedoch nicht.

Auf Kriegsfuß mit Strife

Der Fokus liegt ganz klar auf dem Gameplay, wie in Diablo eben auch. Doch schon bei der Wahl der Charaktere haben die Entwickler viel Potential verschenkt. Ihr könnt zwar mit War und Strife spielen, doch Fury und Death sind "anderweitig beschäftigt" und glänzen durch Abwesenheit. Das ist Strife ist mit seinen beiden Knarren eigentlich ein Fernkämpfer, kann aber mit den kleinen Klingenwaffen auch aus der Nähe austeilen. Quelle: PC Games Strife ist mit seinen beiden Knarren eigentlich ein Fernkämpfer, kann aber mit den kleinen Klingenwaffen auch aus der Nähe austeilen. aber auch kein Weltuntergang, denn das Gameplay mit War ist wirklich spaßig. Wie schon im ersten Darksiders-Teil beweist der kriegerische Reiter wie stark er ist oder dass er gut mit dem gigantischen Schwert umgehen kann und seine anderen Waffen wie die Vorpalklinge oder der Tremorhandschuh ihren Nutzen haben. Dagegen stinkt der neue Reiter Strife ziemlich ab. Er ist schwächer als War, dafür aber schneller und für seine Knarren gibt es immer mal wieder neue Munition mit verschiedenen Perks. Wirklich Spaß macht das Kämpfen mit ihm aber dennoch nicht.

Beide Reiter haben ein treues Pferd dabei, das jedoch in manchen Gebieten nicht geritten werden kann. Dafür sind eure Attacken zu Ross wesentlich stärker. Ihr bekommt außerdem im Verlauf des Spiels neue Fähigkeiten für den Kampf und Sekundärwaffen für das Lösen von Rätseln. Eure primären Waffen - Wars Schwert und Strifes Knarren sowie Klingenwaffen könnt ihr aber weder ändern noch aufbessern.

Das soll durch die Zornfähigkeiten und die Chaosgestalt kompensiert werden. Durch das Sammeln von gelben Kugeln steigt euer Zorn und während ihr auf die Feinde einkloppt, füllt sich euer Chaos-Meter. Das wurde dann doch aus den Vorgängern übernommen und passt auch immer noch gut zum Darksiders-Kampfstil. Dagegen ist die Steuerung leider nicht ausgereift. Zu Anfang empfiehlt euch das Spiel, ein Gamepad zu benutzen. Die Tastenbelegung ist jedoch besonders für die Verwendung von Fähigkeiten und das Aktivieren der Chaosgestalt so wenig intuitiv gelegt und zu ähnlich, dass wir im Eifer des Gefechts öfter die Chaosgestalt auslösten, statt eine der Zornfähigkeiten zu verwenden. Dazu kommt, dass das Aiming mit Strifes Knarren und Wars Vorpalklinge nicht sehr genau ist und vor allem im Kampf während des Ausweichens kaum exakt genutzt werden kann. Wenn ihr euch jedoch ein wenig an die Steuerung gewöhnt hab, findet ihr einen gewissen Dreh, die Macken zu umgehen, doch intuitiv geht anders.

Gemeinsam sind wir stark

Im lokalen Koop-Modus müsst ihr euch mit einem Splitscreen begnügen. Quelle: PC Games Im lokalen Koop-Modus müsst ihr euch mit einem Splitscreen begnügen. Wenn ihr den Singleplayer-Modus wählt, müsst ihr euch nicht auf einen der beiden Charaktere festlegen, sondern könnt jederzeit durchwechseln. Dabei verschwindet der andere Charakter, ihr habt also keinen Botbegleiter bei euch. Sobald Strife stirbt, wechselt ihr automatisch zu War und umgekehrt. Strife ist dann für einige Sekunden außer Gefecht gesetzt, wird dann aber wieder als einwechselbar angezeigt, meist mit halbvoller Lebensleiste. Darksiders: Genesis (jetzt kaufen / 26,99 € ) kommt aber auch noch mit einem Koop-Modus daher. Besser gesagt, zwei Arten davon. Im lokalen Koop sitzt ihr zusammen vor einem Splitscreen und könnt dabei auch immer zwischen Strife und War wechseln, jedoch können nicht beide Spieler den gleichen Reiter steuern. Auf einem größeren Monitor ist das auch nicht umständlich. Wenn der Monitor jedoch kleiner ist, wird es ganz schnell verwirrend und wuselig auf dem Bildschirm. Besser zeigt sich da der Online-Koop-Modus. Ihr könnt entweder Freunde einladen oder Freunden im Spiel beitreten, zufälliges Matchmaking über einen Server steht nicht zur Verfügung. Dann erscheinen eure beiden Spielfiguren auf demselben Schirm ohne Splitscreen, jedoch ist weder ein Ingame-Chat noch eine Teamspeak-Möglichkeit vorhanden. Schade.

Kämpfen und Knobeln

Die Bosskämpfe sind wirklich hübsch, haben aber keinerlei Phasen. Rohes Eindreschen wird aber nach einer Zeit ein wenig langweilig. Quelle: PC Games Die Bosskämpfe sind wirklich hübsch, haben aber keinerlei Phasen. Rohes Eindreschen wird aber nach einer Zeit ein wenig langweilig. Schade ist auch, dass die Kämpfe in Darksiders absolut nichts Besonderes sind. Obwohl es eine Vielzahl an Gegnertypen gibt, sind die Zusammenstöße mit ihnen schnell ausgelutscht. Die Bosskämpfe sind ähnlich nichtssagend, denn statt in Phasen zu agieren und Abwechslung durch Rätsel während des Kampfes rein zu bringen, wie etwa in den Vorgängern, kloppt ihr hier einfach nur auf die zugegeben etwas größeren Widersacher ein und die Sache ist geritzt. Dagegen stehen dann die interessanteren Umgebungsrätsel, die sich so ähnlich schon in den ersten drei Darksiders-Teilen finden. Je weiter ihr kommt, desto mehr neue Sekundärwaffen und Fähigkeiten schaltet ihr frei, wodurch ihr wiederum neue Rätsel löst und Wege findet.

Das erfordert zwar viel Backtracking, was in einer Welt mit Teleport-Möglichkeiten aber noch nicht das größte Problem darstellt. Darksiders: Genesis besitzt jedoch eine Levelstruktur. Ihr erreicht die Level nur durch den Hub, in dem auch die beiden Händler Vulgrim und Dis sitzen. Am sogenannten Schlangenloch wählt ihr dann, welches Level ihr spielen wollt. Es gibt insgesamt 17 davon und zusätzlich noch die Arenen, die ihr später im Spiel freischaltet. Dort erwarten euch Gegnerwellen. Die Hauptlevel selbst sind schön designed und jedes ist einzigartig, aber trotzdem im typischen Darksiders-Stil gehalten. Was die Entwickler ebenfalls eingebaut haben und was viele Darksiders-Fans kennen werden, sind die typischen Auch Kletterpartien sind im Spiel, wobei die isometrische Ansicht diese manchmal zur Geduldsprobe werden lässt.  Quelle: PC Games Auch Kletterpartien sind im Spiel, wobei die isometrische Ansicht diese manchmal zur Geduldsprobe werden lässt.  Kletterpassagen an Wänden entlang, über Abhänge und mit dem Enterhaken durch die Luft. Alles gut und schön, in der Iso-Ansicht von Genesis werden diese Abschnitte aber schnell zu unberechenbaren Todesfallen. Entfernungen und Höhe lassen sich nämlich schwer einschätzen, weshalb es in unserem Test des Öfteren passiert ist, dass wir irgendwo runtergefallen sind, weil wir dachten, der Balken ist ein bisschen weiter links.

Das sorgt vor allem dann für Frust, wenn ihr ein Level schon zum dritten Mal spielt, da ihr mit einer neuen Fähigkeit endlich das letzte Rätsel lösen könnt und dann immer wieder an der gleichen Kletterwand das Zeitliche segnet. Backtracking ist manchmal spannend, aber deshalb ein Level immer wieder komplett durchspielen zu müssen, ist frustrierend und unmotivierend.

Hinzu kommt, dass es zwar für jedes Level eine Map gibt, die auch sehr genau ist. Wenn ihr außerdem die Karte im Level findet, werden euch auch alle Sammelgegenstände, Bosse und Truhen angezeigt. Aber das einzige, was nicht angezeigt wird, ist euer Spielcharakter. Richtig gelesen, ihr seht nicht, wo ihr euch befindet. Zwar blinkt der Teil der Karte, in dem ihr gerade seid. Doch je nach Level kann das ein riesiges Gebiet sein und ohne die Möglichkeit, zu zoomen oder die Kamerarichtung zu ändern, verliert ihr schnell die Orientierung oder überseht sammelbare Dinge.

Darksiders: Sammelwahn

Und von diesen Objekten gibt es viele! Darksiders: Genesis ist voller Sammelgegenstände - mal mit mehr, mal weniger Nutzen. Von erledigten In Darksiders: Genesis seid ihr viel damit beschäftigt, diversen Kram zu sammeln. Quelle: PC Games In Darksiders: Genesis seid ihr viel damit beschäftigt, diversen Kram zu sammeln. Gegnern und aus Truhen bekommt ihr Seelen, mit denen ihr bei Vulgrim einkauft. Fährmannsmünzen sind in den Levels verteilt - die braucht ihr im Shop. Grüne Kugeln heilen euch, gelbe füllen euren Zorn auf und die lila Kisten geben Strife neue Munition. Außerdem gibt's noch Teile für das Gesundheits- und Zornupgrade, Teile der Abgrundrüstungen, und am vielleicht wichtigsten: die Kernkreaturen zum Einbauen in den Fähigkeitenbaum. Aber, und das ist ein großes Aber, es gibt keinen traditionellen Loot à la Diablo. Ihr findet keine stärkeren Waffen oder Ausrüstungsgegenstände, mit denen ihr den Charakter aufbessert. Keine Upgrades für Primärwaffen oder einfach ein hübscheres Cape. Es fehlt also das, womit sich jeder bei Diablo oder auch anderen Genrevertretern wie Path of Exile am liebsten beschäftigt: Das Verbessern des Charakters.

Ohne Loot nix los

Das Skillsystem ist zwar eigentlich interessant, aber nicht wirklich gut umgesetzt. Quelle: PC Games Das Skillsystem ist zwar eigentlich interessant, aber nicht wirklich gut umgesetzt. Das Einzige, was bleibt, sind die Kernkreaturen. Es gibt große und kleine von je normalen Mobs und Bossgegnern. Sie haben je eine Kategorie: Angriff, Zorn oder Gesundheit und wenn ihr sie im Skilltree in den zu dieser Kategorie passenden Slot packt, bekommt ihr einen Matching-Bonus. Logischerweise werden dadurch eure Stats für Angriff, Zorn oder Gesundheit verbessert und durch die Boss-Kernkreaturen gibt's auch noch besondere Vorteile wie die Chance auf einen kurzzeitigen Begleiter.

Das klingt im ersten Moment vielleicht gar nicht so schlecht, wird aber schnell langweilig und trägt nicht erheblich zur Motivation bei. Wenn ihr euch nicht umfangreich mit dem Backtracking beschäftigt und Kernkreaturen mit höheren Stufen sammelt, verbessert ihr auch nichts. Und obwohl ihr stärker werdet und mehr Gesundheit habt, skillen die Gegner mit euch und es wirkt nie, als würden eure Verbesserungen euch tatsächlich nützen, außer in den niedrigeren Levels beim Backtracking.

Aus dem Gleichgewicht

Da kommt dann auch noch dazu, dass das Balancing in unserer Review-Version nicht einwandfrei war. Die Standard-Gegner verhielten sich grundsätzlich normal, doch vor allem bei Bosskämpfen viel uns auf, dass manche viel zu leicht waren und manche unverhältnismäßig schwer. Vor allem bei einem der letzten Kämpfe war das offensichtlich, denn um die Theorie zu testen, nutzen wir den leichtesten der drei Schwierigkeitsgrade und War sowie Strife waren außerdem knapp 300 Kraft-Punkte über dem empfohlenen Wert für das Level-. Trotzdem schafften wir es weder allein noch im Koop-Modus, den Boss zu besiegen. Wenn das tatsächlich so gedacht ist, werden diejenigen von euch, die auf "Entspannt" spielen, um mehr zu erkunden oder einfach nur zu genießen, ihr blaues Wunder erleben. Da muss dringend noch einmal geschraubt werden.

Kein neues Diablo

Kann Darksiders: Genesis nun mit Diablo oder anderen Genrevertretern mithalten? Leider nicht. Ist es deshalb ein schlechtes Spiel und ihr solltet euch fernhalten? Auch nicht! Das Prequel hat definitiv seine Momente und macht auch in vielen Teilen Spaß. Das Leveldesign ist schön und abwechslungsreich, der Soundtrack ist angenehm episch und passend, das Rätsel-Gameplay macht Spaß und auch die Charaktere sind teilweise unterhaltsam. Genesis fehlt dabei jedoch irgendwie etwas Lebendiges, eine Motivation. Wenig bis gar kein Loot, haufenweise Sammelkram und ein minder gut durchdachtes Skillsystem erzeugen nicht den Wunsch in mir, Genesis weiter zu spielen. Auch das Backtracking hat seine guten und schlechten Seiten. Mit neuen Sekundärwaffen zurückgehen, um ein Rätsel zu lösen, ist cool, aber dabei das ganze Level noch einmal machen zu müssen, finden wir überflüssig. Am meisten Spaß macht Darksiders: Genesis im Koop-Modus und auch wenn das Spiel auf diesen ausgelegt ist, sollte der Singleplayer-Part genauso unterhaltsam sein. Für Genre-Fans und Darksiders-Liebhaber ist Genesis ein solider Füller bis zum hoffentlich kommenden Darksiders 4, das sich dann richtig auf Strife fokussiert. Alle anderen sollten wohl doch lieber bei Diablo bleiben.

Meinung und Fazit

Meinung

Wertung zu Darksiders Genesis (PC)

Wertung:

7.0 /10
Pro & Contra
Schönes und abwechslungsreiches LeveldesignSpaßige Rätsel in typischer Darksiders-ManierViele Level und Arena-Level zum Erkunden und AustobenGute Koop-ModiSolide Performance auf höchsten EinstellungenDiverse Sammelgegenstände, die zum Backtracking animieren
Kaum vorhandene StoryWenig bis gar kein nützlicher LootSkillsystem ist nicht ausgereiftSchlechtes Balancing vor allem bei Bossgegnern auffälligKämpfe werden nach einer Zeit eintönigFehlende MotivationCharaktere werden nicht auf Map angezeigt
Fazit

Kein Meilenstein der Spielgeschichte, aber ein solides Game für Fans.

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